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Kostenlose FFP2-Masken - das müssen Sie jetzt wissen

Apotheken erlebten am Dienstag einen regelrechten Ansturm auf die für Risikogruppen kostenlosen FFP2-Masken. Wer sie bekommt und was sie bringen.

Die Gratis-Masken wurden den Apothekern am Dienstag förmlich aus den Händen gerissen.
Die Gratis-Masken wurden den Apothekern am Dienstag förmlich aus den Händen gerissen. © Friso Gentsch/dpa

Seit Dienstag können sich Menschen aus Risikogruppen FFP2-Masken in ihrer Apotheke abholen. Obwohl das Angebot bis zum 6. Januar besteht, kam es zu einem regelrechten Ansturm. Der Appell des Präsidenten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Friedemann Schmidt, nicht gleich am ersten Tag in die Apotheke zu gehen, verhallte offenbar ungehört. „Am Vormittag habe ich 2.000 Masken abgegeben, wir arbeiten alle am Anschlag“, sagt Göran Donner, Vizepräsident der Sächsischen Landesapothekerkammer und Inhaber einer Apotheke im ostsächsischen Dippoldiswalde. Vielerorts war der Vorrat binnen kurzer Zeit aufgebraucht, manche Apotheken hatten gar keine Lieferung erhalten. Die Kritik folgte auf dem Fuße. Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki bezeichnete die Verteilungsaktion als „Realsatire“. Viele ältere Menschen auf dem Land würden ihre Kontakte sogar noch erhöhen, um in die Apotheke und an die Masken zu kommen. „Viel sinnvoller wäre es gewesen, hätten die Krankenkassen sie gleich an die Menschen verschickt.“

Wurden genügend Masken bestellt, dass alle etwas bekommen?

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„Das ist schwer zu sagen, denn die Ware, die jetzt ausgegeben wird, wurde ohne Kenntnis des genauen Bedarfs, praktisch ins Blinde bestellt“, sagte Apotheker Donner. Zudem sei nicht auszuschließen, dass Kunden in mehrere Apotheken gingen und sich mehrfach Masken abholten. Manche Apotheker ließen sich zwar den Empfang quittieren, doch Missbrauch werde damit nicht komplett ausgeschlossen. Insgesamt stehen den Anspruchsberechtigten 15 Masken zu, drei in der ersten Runde ab 15. Dezember und zwölf in der zweiten Runde zwischen 1. Januar und 15. April 2021. Die zweite Runde ist gestaffelt auf zwei Termine, an denen jeweils sechs Masken pro Person abgegeben werden, sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus.

Wie können die Kunden nachweisen, dass sie zur Risikogruppe gehören?

Die derzeitige Abgabe der Masken im vereinfachten Verfahren erfolgt „nach Vorlage des Personalausweises oder nach nachvollziehbarer Darlegung des Anspruchs durch Eigenauskunft“, so Strobel. Zur Abholung könne auch eine andere Person bevollmächtigt werden. In der zweiten Runde müssen die Kunden Bescheinigungen oder Coupons vorlegen, die sie von ihrer Krankenkasse beziehungsweise der privaten Krankenversicherung zugeschickt bekommen.

Wann kommen die Coupons oder Berechtigungsscheine?

Die Krankenkassen und Versicherungen müssen der Bundesdruckerei bis zum 19. Dezember die Daten für die Bescheinigungen zur Verfügung stellen, damit der Versand im Januar erfolgen kann. Bundesweit wird von rund 27 Millionen Berechtigten ausgegangen.

Wer gehört zur Risikogruppe?

Laut Bundesgesundheitsministerium haben alle Versicherten Anspruch, die das 60. Lebensjahr vollendet haben oder bei denen eine der folgenden Erkrankungen oder Risikofaktoren vorliegt: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale; chronische Herzinsuffizienz; chronische Niereninsuffizienz; Demenz oder Schlaganfall; Diabetes mellitus Typ 2; aktive, fortschreitende oder metastasierte Krebserkrankung beziehungsweise stattfindende Chemo- oder Radiotherapie, welche die Immunabwehr beeinträchtigen kann; stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation; Trisomie 21; Risikoschwangerschaft.

Wie viel kosten die Masken?

Die ersten drei Masken werden gratis abgegeben. In der zweiten Runde ist ein Eigenanteil von zwei Euro für jeweils sechs Masken vorgesehen. Die Apotheken erhalten pro abgegebene Maske sechs Euro erstattet, wobei die Eigenanteile angerechnet werden, so die AOK Plus.

Gibt es die Masken nicht billiger?

Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ist die Marktsituation für FFP2-Masken unübersichtlich, die Einkaufspreise schwankten, auch durch die aktuell erhöhte Nachfrage. Nach Auskunft von Göran Donner kaufen sächsische Apotheker die Masken zum Stückpreis von 5,95 Euro ein. Der Vermarkter von Gesundheitsprodukten, Medisana, verkauft zehn Stück zurzeit für knapp 30 Euro, Doc Morris fünf Stück für knapp 23 Euro, Aponeo zehn Stück für 34 Euro und Shop-Apotheke zwei Stück für knapp zehn Euro.

Schützen die FFP2-Masken wirklich besser?

FFP2-Masken filtern Partikel besonders wirksam aus der ein- oder ausgeatmeten Atemluft, sie bieten aber auch keinen hundertprozentigen Schutz. „Eine FFP2-Maske ist kein Freifahrtschein. Alle anderen Infektionsschutzregeln sollten weiterhin eingehalten werden. Dazu gehört Händewaschen, Abstand halten, Lüften und die Benutzung der Corona-Warn-App“, sagte Apotheker-Präsident Friedemann Schmidt.

Können alte oder vorgeschädigte Menschen denn FFP2-Masken tragen?

Da die FFP2-Masken nicht den ganzen Tag über getragen werden müssen, ist das für die meisten möglich, sagt Dr. Christian Geßner, Sprecher der sächsischen Lungenfachärzte. Es sei aber mehr Atemarbeit nötig, weil die Masken dichter seien, was auch ihre Sicherheit erhöhe. Der chirurgische Mund-Nasen-Schutz, die sogenannte OP-Maske, sei nur die zweitbeste Lösung. Wer die Masken gar nicht tragen kann, sollte prüfen, ob er sich überhaupt dem Risiko eines Einkaufs oder einer Busfahrt in diesen Zeiten aussetzen müsse.

Wie erkennt man, dass es sich nicht um gefälschte Masken handelt?

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Die Masken müssten nicht zwangsläufig mit dem Aufdruck FFP2 versehen sein, erklärt Stefan Fink, Vorsitzender des Apothekerverbandes Thüringen. „Alle Masken, die die Apotheken bestellt haben, genügen dem Qualitätsanspruch, auch wenn sie Bezeichnungen wie N95, P2, DS2 oder CPA tragen.“ Laut Wettbewerbszentrale erkennt man eine echte FFP2-Maske am CE-Zeichen mit vierstelliger Kennnummer.

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