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Was ist bei der ersten Corona-Steuererklärung zu beachten?

Kurzarbeiter könnten bangen müssen, Homeofficer profitieren: Pirnas Finanzamtschef sagt, worauf bei der Erklärung für 2020 ankommt.

Das Finanzamt in Pirna. Wer hier seine private Steuererklärung abgibt, muss im Schnitt etwas mehr als 40 Tage auf einen Bescheid warten.
Das Finanzamt in Pirna. Wer hier seine private Steuererklärung abgibt, muss im Schnitt etwas mehr als 40 Tage auf einen Bescheid warten. © Daniel Schäfer

Die Steuererklärung zu machen ist nie ein Vergnügen. Die für 2020 ist nun auch noch die erste, auf die Corona Einfluss hat. Für wen das unter Umständen nichts Gutes bedeutet, wer davon profitiert und wann die Erklärung am schnellsten bearbeitet wird, sagt Stephan Flecken, der Vorsteher des Pirnaer Finanzamtes, im Gespräch mit Sächsische.de.

Stephan Flecken leitet seit Dezember 2016 das Pirnaer Finanzamt.
Stephan Flecken leitet seit Dezember 2016 das Pirnaer Finanzamt. © Daniel Förster

Die Leute haben ja unfreiwillig wieder und noch immer mehr Zeit. Merken Sie das auch an den schon vorliegenden Steuererklärungen für 2020, Herr Flecken?

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Im Bereich der Arbeitnehmerveranlagung war zum 31. Januar ein Eingang von 0,5 % der zu erwartenden Steuererklärungen zu verzeichnen. Ende Januar vorigen Jahres waren es schon 0, 2 Prozent mehr. Die ersten Erklärungen liegen gewöhnlich Anfang Januar vor. Durch die Verschiebung der Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärung vom 31. Mai auf 31. Juli des jeweiligen Kalenderjahres ist ein Trend zur Verlagerung auf März bis Juli zu erwarten. Im Bereich der sonstigen Steuerpflichtigen, zu denen die Einzelgewerbetreibenden und Freiberufler gehören, waren Ende Januar 0,2 Prozent der zu erwartenden Erklärungen eingegangen. Das entspricht etwa dem Vorjahr.

Für die Erklärungen für 2020 gibt es durch Corona einige Änderungen. Stichwort Kurzarbeit. Dafür ist mit Nachzahlungen zu rechnen? Warum?

Kurzarbeitergeld ist eine Lohnersatzleistung. Diese ist zwar grundsätzlich steuerfrei, muss aber bei der Ermittlung des Steuersatzes in die Berechnung einbezogen werden. So beeinflusst das Kurzarbeitergeld den Steuersatz, mit dem die weiteren steuerpflichtigen Einkünfte zu versteuern sind. Dadurch können, müssen aber nicht automatisch, Nachzahlungen entstehen. Eine Steuererklärung abgeben muss in diesem Zusammenhang jeder, der 2020 mehr als 410 Euro an Lohnersatzleistungen, also auch Kurzarbeitergeld, bezogen hat.

Dieser Satz von 410 Euro ist sehr gering. Damit trifft das im Prinzip auf alle, die länger als einen Monat in Kurzarbeit waren, oder?

Sofern entsprechende Leistungen bezogen worden sind, trifft das zu.

In welchen Größenordnungen können die Nachforderungen liegen?

Das lässt sich so pauschal leider nicht beantworten. Die Höhe der Steuer hängt immer vom Einzelfall und dem zu Grunde liegenden Sachverhalt ab.

Gibt es Alternativen zu den Nachzahlungen?

Leider nicht. Die gesetzlichen Regelungen lassen hier keinen Spielraum.

Wie ist es mit Ratenzahlungen, wenn die Nachforderung zu hoch ist?

Bei Zahlungsschwierigkeiten ist es empfehlenswert, sich an unsere Erhebungsstelle zu wenden. Gerade denjenigen, die aufgrund der Corona Pandemie in wirtschaftliche Not geraten sind, kann relativ unkompliziert eine Ratenzahlung bewilligt werden.

Anders als bei der Kurzarbeit ist es bei Homeoffice. Da können ja für 2020 maximal 600 Euro angerechnet werden. Wie muss das nachgewiesen werden?

Für Kosten im Zusammenhang mit dem Homeoffice kann pauschal für maximal 120 Tage jeweils fünf Euro, also 600 Euro im Jahr als Werbungskosten zum Ansatz gebracht werden. Zu beachten ist, dass jedem Arbeitnehmer eine Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 Euro zusteht. Die Kosten fürs Homeoffice wirken sich also nur aus, wenn übrige Werbungskosten entstanden sind und diese in Summe den Betrag von 1.000 Euro übersteigen. Homeoffice-Tage über die 120 Tage bleiben unberücksichtigt. Für den Nachweis reicht im Bedarfsfall, dass der Steuerpflichtige den Sachverhalt so darlegen kann, dass er nachvollziehbar und wahrscheinlich ist.

Wo sehen Sie für 2020 die größten Fehlerquellen bei den Erklärungen durch Private?

Die Abgabe einer Steuererklärung ist besonders für die eine Herausforderung, die es erstmalig tun müssen. Das sind eben zum Beispiel Steuerpflichtige, die Kurzarbeitergeld in der genannten Höhe bezogen haben oder auch wer es aufgrund von Renteneinkünften erstmals tun muss. Für diese Personen ist es hilfreich, den Lohnsteuerhilfeverein oder einen Steuerberater in Anspruch zu nehmen.

Wie viele machen ihre Steuererklärung nach wie vor allein?

Bezogen auf den Arbeitnehmerbereich waren es 2019 rund zwei Drittel. Bei den Sonstigen lassen sich etwa 57 Prozent steuerlich beraten.

Wer zeitig seine Steuererklärung abgibt, bekommt zeitig einen Bescheid. So war es voriges Jahr. Wie lange hat voriges Jahr die Bearbeitung im Durchschnitt gedauert?

Die Steuererklärungen der Arbeitnehmer wurden 2020 im Schnitt in 42,4 Tagen bearbeitet. Am schnellsten ging es im Juni und Juli, am längsten dauerte es im September und Oktober. Bei den sonstigen Steuerpflichtigen, insbesondere Einzelgewerbetreibende und Freiberufler, lag der Schnitt 2020 bei 60,7 Tagen. Am schnellsten wurden diese Erklärungen im Juli und August erledigt, am längsten dauerte es im Januar und Februar. Ungünstig wirkt sich also aus, wenn zum Ende der Abgabefrist viele Erklärungen eingehen. Relevant für die Bearbeitungsdauer ist auch, wann die IT-Programme für das neue Kalenderjahr bereitgestellt werden. Dies ist in der Regel im März. Vorher können Steuererklärungen zwar abgegeben, aber nicht bearbeitet werden.

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Wie hoch ist im Durchschnitt die Rückerstattung bzw. die Nachzahlung?

Dazu führt das Finanzamt keine Statistiken.

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