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Fit fährt wegen Corona Sonderschichten

Die Pandemie sorgte beim Spülmittelhersteller aus Sachsen für ein gutes Jahr. Dafür gibt es vor allem einen Grund.

Für Fit war das Corona-Krisenjahr das beste Jahr seit der Wende.
Für Fit war das Corona-Krisenjahr das beste Jahr seit der Wende. © Wolfgang Wittchen

Von Miriam Schönbach

Hirschfelde. Aneinandergereiht warten die viereckigen Fit-Flaschen mit dem grünen Geschirrspülmittel auf der vollautomatischen Förderanlage. Gegenüber drängeln sich Flaschen voller Weichspüler an der Etikettier-Maschine im Werk in Hirschfelde. Mittendrin steht Wolfgang Groß. „Wir werden in diesem Corona-Jahr in Atem gehalten“, sagt der Geschäftsführer. Nach ersten Schätzungen liege das Umsatzplus bei 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Groß spricht vom besten Jahr seit der Wende. 2019 erzielte das Unternehmen 172 Millionen Euro Umsatz und verkaufte über 86 Millionen Packungen seiner Produkte, darunter auch Körperpflegemittelmarken.

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Zahlreiche Zusatzschichten hat das ostdeutsche Unternehmen in diesem Jahr gefahren. Groß erinnert an den ersten Lockdown im März, als vielerorts Toilettenpapier ausverkauft war, auch beim Spülmittel gab es Lücken in den Regalen. „Der März ist geprägt von Panikkäufen. Unser Plus beim Spülmittel lag bei 75 Prozent“, so Groß. Inzwischen habe sich der Abverkauf auf hohem Niveau normalisiert.

Produktion wegen Corona umgestellt

Der Unternehmer hat eigentlich gedacht, er habe schon viel erlebt. Der promovierte Chemiker kaufte Ende 1992 den einstigen Ableger der „VEB Leuna-Werke“. Groß trieb der Wunsch nach Selbstständigkeit. Die Wende öffnete dem gebürtigen Badener den Blick gen Osten.

Im Corona-Jahr hat das Unternehmen kurzerhand seine Produktion umgestellt – nach Hilferufen aus Landkreisen und Freistaat. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO die Rezeptur für Desinfektionsmittel freigegeben hat, machten sich die Mitarbeiter an die Arbeit. „Es dauerte nur eine Woche bis zur ersten Abfüllung.“ Das Plus von Groß war, dass es im Werk Fachwissen vor Ort gibt. So fertigt zum Beispiel Fit schon immer die Flaschen für Produkte selbst. Die größte Herausforderung war indes, Ethanol zur Herstellung der antibakteriellen Mittel in ausreichenden Mengen zu besorgen.

Die ersten Chargen erhielten sächsische Krankenhäuser, Pflegeheime und Sozialstationen kostenlos. Zudem wurden Handelsketten beliefert. Gut sieben Millionen Flaschen Desinfektionsmittel haben das Werk in Hirschfelde in alle Richtungen Deutschlands in diesem Jahr verlassen.

Verstärkte Nachfrage nach Hygieneprodukten

Wie Fit hatten zahlreiche Unternehmen in der Corona-Krise die Produktion von Desinfektionsmittel auf- und ausgebaut. So begann etwa Beiersdorf im Frühjahr mit der Produktion von Hand-Desinfektionsmittel. Nach Konzernangaben wurden damals Tausende Flaschen aus der Produktion im sächsischen Waldheim an die Landesregierung übergeben. Auch der Chemie-Riese BASF stellte Desinfektionsmittel unter anderem in seinem Werk in Schwarzheide in der Lausitz her. Allein in Schwarzheide wurden demnach dieses Jahr rund 25.000 Liter Desinfektionsmittel kostenfrei an Kliniken, Ärzte und soziale Einrichtungen in der Region abgegeben.

Deutschlandweit gab es im Corona-Jahr eine verstärkte Nachfrage nach Hygieneprodukten. So hat der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) bei seinen Mitgliedsunternehmen ein Plus von 77 Prozent bei Seifen und Flüssigseifen festgestellt. Der Aufruf der Politik, möglichst zu Hause zu bleiben, habe zudem zu einem gesteigerten Umsatz bei Wasch- und Geschirrspülmitteln geführt. Zu den Treibern zählen laut Verband Reinigungs-, Geschirrspül- und Waschmittel. Andere Produkte, wie Haarspray und Reisewaschmittel, waren dagegen weniger stark nachgefragt. Trotzdem sei der Umsatz mit Kosmetik- und Haushaltspflegemitteln in Deutschland um 2,3 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro gestiegen.

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Bei Fit lagern unterdessen im Betrieb noch eine Million Flaschen. Groß stellt das Desinfektionsmittel wieder zurück. Die Produktion kann er bei Bedarf sofort wieder hochfahren. „Zurzeit tüfteln wir noch an einem Desinfektionsoberflächenreiniger. Der Bedarf ist groß.“ (dpa)

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