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Der Frank Zander der Sächsischen Schweiz

Hotelier und Lebenshilfe-Chef Ralf Thiele lädt zu Weihnachten jene zum Gänseessen ein, die es nicht so gut haben. Was dieses Jahr daraus wird, sagt er im Gespräch.

Ein Höhepunkt für alle: Ralf Thiele mit ASB-Geschäftsführerin Alies Domaschke und einigen seiner Gäste beim ersten Essen vor zwei Jahren im Schandauer Parkhotel.
Ein Höhepunkt für alle: Ralf Thiele mit ASB-Geschäftsführerin Alies Domaschke und einigen seiner Gäste beim ersten Essen vor zwei Jahren im Schandauer Parkhotel. © SZ/Archiv: Dirk Zschiedrich

Weihnachten ist dieses Jahr alles anders. Und gerade deshalb will Ralf Thiele am Gänseessen für Einsame, Bedürftige, Kranke festhalten. Was ihn mit Frank Zander, dem Sänger, der seit Jahren Obdachlose in Berlin zu einem Weihnachtsessen einlädt, verbindet und von ihm unterscheidet, und wie Thieles Essen dieses Jahr serviert wird, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter der Pura Hotels GmbH und Lebenshilfe-Vorsitzender im Gespräch mit sächsische.de.

Sind Sie Frank Zander-Fan, Herr Thiele?

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Fan ist übertrieben, aber ich schätze sein gesellschaftliches Engagement. Musikalisch ist es eher nicht so meine Richtung, aber seine Vorbildwirkung ist enorm. Chapeau vor Menschen wie ihm.

Ihre Idee des Gänseessens für Menschen, denen es nicht so gut geht, haben Sie aber nicht bei ihm stibitzt ...

Nein. Mich hatte das schon eine Weile bewegt, bevor es 2018 das erste Mal stattfinden konnte. Ich unterstütze seit einiger Zeit das Hospiz in Radebeul und habe mit meinen Mitarbeitern ein regionales soziales Projekt gesucht. Das Gänseessen hat sich dann ergeben. Es macht riesigen Spaß.

Warum?

Etwas von dem abzugeben an Menschen, die nicht so auf der Sonnenseite leben, sei es finanziell oder weil sie allein sind oder krank. Wir haben in den ersten beiden Jahren gemerkt, wie dieses Essen für die Eingeladenen zu einem richtigen Höhepunkt wurde. Sie haben sich schick gemacht, wurden abgeholt, wurden bedient, es gab ein Kulturprogramm.

Alles, was dieses Jahr nicht stattfinden kann, weshalb Frank Zander sein Essen abgesagt und eine Alternative gefunden hat ...

Ja. Und auch wir lassen es nicht ausfallen. Wir haben nach Mitteln und Möglichkeiten gesucht und sie gefunden. Wir können zwar kein Kulturprogramm bieten, und auf die Gemeinschaft müssen die Menschen auch verzichten, aber sie bekommen ein kulinarisches Weihnachtsmenü mit allem Drum und Dran, vom Platzdeckchen über die Serviette und Kerze bis zum Gänsebraten. Nur dass die Eingeladenen nicht zur Gans kommen, sondern die Gans zu ihnen.

Wie funktioniert das praktisch?

Die Lebenshilfe, der ASB Königstein und die Volkssolidarität unterstützen uns mit den Lieferanschriften der Betreffenden. Die Wohlfahrtsträger unterstützen das Gänseessen von Anfang an, es ist eine tolle Zusammenarbeit, alle sind mit Herzblut dabei. Die Firma Knack Frisch und die Agentur diamonds network aus Dresden sind ebenso an Bord. Das Gänsemenü kann also zubereitet und geliefert werden, die Verpackungen und Dekoration werden top gestaltet.

Wer wählt wie diejenigen aus, die in den Genuss Ihres Gänseessens kommen?

Das machen die Pflegedienste, die wissen am besten, wer wirklich allein ist, für wen es eine Freude ist. Im ersten Jahr hatte ich dabei völlig unterschätzt, dass es für manche schwer ist, die eigene Wohnung wieder einmal zu verlassen.

Sind es jedes Jahr neue Gäste?

Nein. Es gibt bei den rund hundert Menschen immer wieder neue, aber auch welche, die schon dabei waren. Ich kenne niemanden persönlich.

Wie viel kostet Sie das?

Die Kosten sind nicht vordergründig. Ich möchte mit dem Gänseessen diesen Menschen ein wenig Weihnachtsfreude in die Wohnung bringen. Schließlich sind gerade die derzeitigen Corona-Herausforderungen insbesondere für diese Menschen eine unglaubliche Belastung. Für die beteiligten Wohlfahrtsträger und Unternehmen ist dies eine echte Herzensangelegenheit.

Was würden Sie davon halten, wenn Ihrem Beispiel weitere Unternehmer folgten, sie müssen ja nicht gleich hundert Gäste einladen bzw. bewirten?

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Prima, warum nicht. Es gibt so viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Vor drei Jahren hatte ich eine Auszubildende, die sagte, in ihrem Haus wohne auch ein älterer Mann, der allein ist, ob sie den auch mal ansprechen soll. Jeder kann mit offenen Augen schauen, wo er etwas tun kann. Wenn das schon geschieht und wir uns das für das ganze Jahr bewahren, wäre es großartig.


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