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Rödertal: Freie Wahl beim Impfzentrum?

Eine Seniorin aus Arnsdorf will sich schnellstens gegen Corona impfen lassen. Doch der Weg nach Kamenz ist für sie zu beschwerlich. Jetzt gibt es eine Lösung.

In der Turnhalle am Gymnasium Kamenz befindet sich das Impfzentrum des Landkreises Bautzen. Für viele ist die Anfahrt jedoch umständlich.
In der Turnhalle am Gymnasium Kamenz befindet sich das Impfzentrum des Landkreises Bautzen. Für viele ist die Anfahrt jedoch umständlich. © René Plaul

Radeberg. Jutta Ermer will sich gegen das Coronavirus impfen lassen. „So schnell wie möglich“, sagt sie. Doch dass das so schwierig wird, damit hat sie nicht gerechnet. Jutta Ermer ist für ihre 90 Jahre sehr agil. „Ich wohne in Arnsdorf, damit fängt das Problem ja schon an. Wie soll ich ins Impfzentrum für den Landkreis nach Kamenz kommen?“, fragt die rüstige Dame. „Ich habe mir die Verbindungen bereits angesehen“, sagt sie.

Von Arnsdorf müsste die Seniorin mit dem Bus nach Radeberg fahren. Dort würde sie mindestens eine halbe Stunde auf ihren Anschluss warten. In Kamenz hieße es noch einmal umsteigen, bis es schließlich ins Impfzentrum geht. „Nach meiner Rechnung müsste ich drei Stunden vor dem Impftermin losfahren, um rechtzeitig anzukommen. Die gleiche Zeit brauche ich wieder zurück.“

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Da sie ihren Rollator immer dabei hat, müsste sie ihn bei jedem Umstieg hinein- und wieder herausheben, immer mit Maske. „Die Tickets kann man ja auch nicht mehr im Bus lösen. Ich weiß doch nicht, welche Fahrscheinzone ich kaufen muss. Das alles ist für mich mit meinen 90 Jahren nicht zu bewältigen“, sagt sie resigniert.

Impfzentrum Dresden wäre besser zu erreichen

Verwandte möchte sie lieber nicht bitten. „Sie arbeiten in Pirna. Wen sie mich nach Kamenz bringen, dort warten und mich dann wieder zurückfahren, ist auch ein ganzer Vor- oder Nachmittag vorüber.“ Für sie ist unverständlich, dass es nicht mehrere Impfzentren im Landkreis gibt. „Eins in Radeberg beispielsweise. Es geht doch sicher vielen Menschen so wie mir. Sie schaffen den langen Anfahrtsweg einfach nicht.“

Etwas anderes wäre es, wenn sie sich in Arnsdorf in den Zug setzen und in Dresden ins Impfzentrum fahren könnte. „Da müsste ich nur einmal umsteigen, nämlich am Bahnhof Dresden-Mitte. Mit der Tram könnte ich bis ins Impfzentrum fahren“, sagt sie. Die Fahrzeit würde im besten Fall nur 35 Minuten betragen.

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„Noch kürzer wäre die Fahrzeit von Radeberg aus. Sicher gibt es einige, die ebenfalls diese Variante wählen würden.“ Doch ist es überhaupt möglich, sich außerhalb des Landkreises impfen zu lassen?“

Nach Angaben von Dr. Theresa Schmotz ist es für Einwohner im Landkreis Bautzen möglich, sich auch im Impfzentrum Dresden impfen zu lassen. „Es kann das Impfzentrum gewählt werden, welches besser erreichbar ist“, sagt sie. Wichtig ist nur, dass beide Impfungen im gleichen Impfzentrum erfolgen müssen. Bekanntlich sind zwei Impfungen notwendig, um ausreichenden Schutz zu erhalten. Der zeitliche Abstand sollte nicht mehr als 42 Tage betragen, sagen Fachleute.

Die Stadt Radeberg ist mit ihrem Vorhaben, Senioren bei der Fahrt nach Kamenz zu unterstützen, ebenfalls einen Schritt weiter gekommen. Nach Angaben von Stadtsprecher Jürgen Wähnert hat das Innenministerium des Freistaates jetzt zugestimmt, dass die Fahrten mit Mannschaftstransportwagen der Feuerwehr erfolgen können. „Damit haben wir eine wichtige Hürde genommen. Jetzt müssen noch Versicherungsfragen geklärt werden.“ Ob und wann die Fahrten beginnen können, ist noch unklar.

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Schon angelaufen ist in Radeberg die Unterstützung bei der Anmeldung für einen Impftermin. „Wem es schwerfällt, einen Termin zur Impfung über das Onlineportal zu vereinbaren, der kann sich bei der Stadtverwaltung melden. Egal ob die nötige technische Ausrüstung nicht vorhanden ist oder das Eingeben der nötigen Daten Probleme bereitet. Wir versuchen, einen Termin zu organisieren“, sagt Wähnert.

Interessenten können sich über die offizielle Rufnummer des Rathauses 03528 4500 oder per E-Mail unter [email protected]e melden. „Bitte dabei unbedingt eine Telefonnummer für den Rückruf angeben. Wir setzen uns dann mit der jeweiligen Person in Verbindung, fragen die nötigen Daten ab, nehmen die Anmeldung zum Impfen vor und geben den Termin dann weiter.“

Der Stadtsprecher weist aber darauf hin, dass die Verwaltung keinen gesonderten Zugang zum Anmeldesystem hat. „Wir wählen uns genauso wie jeder andere ein. Deshalb kann es auch bei der Anmeldung durch uns zu Verzögerungen kommen.“ Wegen fehlenden Impfstoffes werden derzeit allerdings keine Impftermine vergeben, teilt das Deutsche Rote Kreuz mit. Alle Termine für die Zweitimpfung werden jedoch eingehalten.

Bewohner und Mitarbeiter im städtischen Alten- und Pflegeheim Radeberg waren gleich zu Beginn der Kampagne Ende Dezember geimpft worden. „Sie erhalten pünktlich ihre Zweitimpfung. Am 17. Februar wird wieder ein Team aus Ärzten und Pflegern in der Einrichtung sein“, sagt OB Gerhard Lemm (SPD).

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