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SOE: Kaum Impfmöglichkeiten für unter 18-Jährige

Möglichst viele Menschen sollen sich impfen. Doch für Jugendliche ist es schwierig, einen passenden Termin zu finden.

Von Lea Heilmann
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Die Nachfrage nach Corona-Schutz-Impfungen steigt jetzt. In Freital gibt es gerade mal zwei Praxen, wo geimpft wird.
Die Nachfrage nach Corona-Schutz-Impfungen steigt jetzt. In Freital gibt es gerade mal zwei Praxen, wo geimpft wird. © Symbolfoto: dpa/Daniel Karmann

Impfstoffe gegen den Coronavirus sind seit einiger Zeit auch für Jugendliche zugelassen. Doch einen Impftermin zu bekommen, ist gar nicht so leicht. Von ihren Erlebnissen berichtet eine Freitaler Familie.

Die Mutter hatte sich vor einigen Tagen mit ihrer 14-jährigen Tochter nach der Schule bei einem mobilen Impfteam in Freital angestellt. Nach 25 Minuten Wartezeit wurde jedoch allen Wartenden mitgeteilt, dass der Impfstoff für diesen Tag alle sei. Nächster Versuch einen Tag später: Der Impfstoff war gegen mittags schon wieder aufgebraucht.

Da saß die 14-Jährige noch in der Schule. Schließlich der dritte Versuch an einem Morgen. Schon eine Stunde vor dem angekündigten Impfbeginn standen bereits 50 Personen an.

Das Warten hätte Unterrichtsausfall bedeutet. "Das war nicht kalkulierbar und nicht vertretbar“, schreibt die Familie. Die mobilen Teams in Freital waren bisher jedoch überwiegend während der Unterrichtszeit unterwegs. Für die Dritt-Impfung für Ältere ist das sicher praktisch. Doch wo sollen sich Jugendliche impfen lassen?

Arztpraxen beklagen Aufwand bei Corona-Impfung

Für die Impfungen der Jugendlichen sind in erster Linie die Haus- und Kinderärzte die richtigen Ansprechpartner, teilt das sächsische Sozialministerium mit. Auch Fachärzte würden impfen. Das Problem: Die vier Kinderärzte in Freital setzen das ganz unterschiedlich um. Eine Praxis impft nur die eigenen Patienten. Eine andere teilt mit, dass sie gar nicht impft, weil sie den zusätzlichen Aufwand zeitlich nicht schaffen und verweist auf die mobilen Impfteams.

Vor diesem Dilemma steht auch die besagte Freitaler Familie. Weder der eigene Haus- noch Kinderarzt impft, auch Anrufe bei anderen Ärzten waren bisher erfolglos, heißt es.

Wenig Ärzte, die Fremd-Patienten gegen Corona impfen

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es auch Arztpraxen, die fremde Patienten impfen. Auf der Website der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen sind die Praxen aufgelistet. Dort sind für Freital zwei Ärzte angegeben. Die Praxis von Allgemeinärztin Dr. Gatzsche ist eine davon. Sie impft auch Jugendliche ab 12 Jahren. Der Andrang sei groß, weil viele zusätzlich auf ihre Booster-Impfungen warten. Auch Erstimpfungen kommen jetzt wieder vermehrt dazu, heißt es aus der Praxis. Für die Immunisierung der Bevölkerung sei das zwar gut, aber die Wartezeit auf Termine verlängert sich zunehmend. Aktuell gibt es hier die nächsten freien Termine erst im Januar.

Donnerstags wird in der Praxis geimpft. Dann kommen in der Regel jeweils 30 bis 40 Personen dran. Es seien zwar an einem Tag auch mal bis zu 70 Impfungen gewesen, aber das sei auf Dauer nicht machbar. Auch der bürokratische Aufwand nehme viel Zeit in Anspruch, heißt es. In der Praxis wird gehofft, dass in Zukunft mehr Ärzte zur Unterstützung impfen.

Im Landkreis sollen mehr Menschen die Möglichkeit haben, sich zügig impfen zu lassen. Landrat Michael Geisler (CDU) plant dafür kleine, feste Impfstellen für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Gemeinsam mit der Stadt Dippoldiswalde wird jetzt die erste eingerichtet. Damit sollen sowohl Booster-Impfungen als auch Erstimpfungen vorangetrieben werden. Der Landkreis stellt mit seinen Partnern die Infrastruktur, während Personal und Impfstoff durch den Freistaat Sachsen beigesteuert wird.

„Wir haben in der kommenden Woche die Infrastruktur weitgehend gestellt“, erklärt Geisler. „Was wir jetzt noch brauchen, ist Personal und der Impfstoff. Wir haben eine große Nachfrage und wollen diese so schnell wie möglich bedienen.“ Deutschlandweit gehört der Landkreis zu den am stärksten durch Corona belasteten Regionen. Ziel ist laut Landratsamt, "in der Gesundheitsversorgung den Druck zu senken und die Krankenhäuser, wo teilweise kein Intensivbett mehr frei ist, spürbar zu entlasten".

Das Sozialministerium teilt mit, dass auch die 30 mobilen Impfteams in Sachsen aufgerüstet werden. Angestrebt wird, dass auf diesem Weg 35.000 Impfungen pro Woche durchgeführt werden sollen – das wären doppelt so viele wie jetzt. Nach eigenen Angaben ist das Ministerium außerdem mit den Ärzteverbänden im Gespräch und bittet diese, die Impfkampagne nach Kräften zu unterstützen. Laut KVS wird im Landkreis SOE gerade mal in 17 Praxen geimpft.

Impfmöglichkeiten für Jugendliche in Freital:

Ärzte, die Fremd-Patienten impfen:
Praxis Dr. Dirk Freier
Dresdner Straße 111
Vorherige Terminvereinbarung nötig: per Email mit Angabe einer Telefonnummer oder per Telefon: 0351 42487410

Praxis Dr. med. Franziska Gatzsche
Kohlenstraße 8
Vorherige Terminvereinbarung nötig: vor Ort oder per Telefon: 0351 642179
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Mobile Impfteams:
15., 16., 22. und 23.11. Krankenhaus Freital (Kantine)
Zugang über Wehrstraße / Krönertstraße, 14 bis 18 Uhr
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Der Artikel wurde am 15.11.2021 um 14:05 aktualisiert.