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Bricht Corona dem Mariba das Genick?

Neustadts Wellnesstempel braucht die städtischen Zuschüsse und jetzt noch mehr. Dabei ist es um die Umbau- und Erweiterungspläne still geworden.

Noch gab es nur Abschlagszahlungen der staatlichen Hilfen für die Freizeitwelt in Neustadt.
Noch gab es nur Abschlagszahlungen der staatlichen Hilfen für die Freizeitwelt in Neustadt. © Steffen Unger

Die Mariba-Freizeitwelt GmbH liegt coronabedingt weiter im Lockdown. Geschäftsführer Frank Bergemann treibt das mittlerweile Sorgenfalten ins Gesicht. Im Jahr 2020 gab es zwar auch für städtische Eigenbetreibe wie die Mariba Corona-Hilfen. Mit denen würde die Einrichtung auch irgendwie über die Runden kommen. Aber bislang ist nur einer kleiner Teil an Abschlagszahlungen gekommen. Die weitaus größeren Summen stehen noch aus - oder konnten erst vor kurzem überhaupt beantragt werden. Für die Überbrückungshilfe III etwa gilt der Stichtag 11. Februar. Der Förderzeitraum reicht dabei von November 2020 bis Juni 2021. Wie viel Geld die die Mariba-Freizeitwelt aus dem sächsischen Hilfspaket erhält, wird jedoch erst Mitte März entschieden.

Ob es dann gelingt, die Einrichtung weiter über Wasser zu halten, ist noch nicht klar. Doch länger ohne Einnahmen wäre sicherlich fatal. Immerhin beherbergt die Freizeitwelt eine Badelandschaft mit zwei Whirlpools, einem Kinderbecken, einem kleinen Schwimmerbecken, einer 25-Meter-Bahn, einer großen und drei kleinen Wasserrutschen sowie einem Wellenbad. Dazu kommen eine Saunalandschaft, ein Wellnessbereich, eine Tennishalle mit drei Spielplätzen, zwei Squashplätze, ein Fitnessstudio und ein Badrestaurant. Ein breites Angebot, dessen Unterhaltung einiges kostet. Ein Zuschussgeschäft für die Stadt. Jährlich 255.000 Euro sind für die Freizeitwelt festgeschrieben. Eine Summe, die auch fast immer gebraucht und verbraucht wird.

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Ohne Zuschüsse wäre das Haus am Ende

Das Freizeitzentrum arbeitet selbst mit städtischen Zuschüssen nicht wirtschaftlich. 2017 wies die Tochtergesellschaft einen Fehlbetrag von 177.500 Euro auf, 2018 waren es 309.300 Euro. Vor allem die Tennisplatzauslastung sei in den letzten Jahren mit rund 13 Prozent viel zu gering, um wirtschaftlich zu funktionieren. Und auch der Wellnessbereich spielt offenbar nicht genügend Geld ein, hieß es. Das Mariba wird auch weiter ein Zuschussgebiet bleiben, mal mit mehr, mal mit weniger zusätzlichen Aufwendungen. 2019 hat sich die Lage zumindest etwas entspannt. Das geht auch aus dem Jahresabschluss hervor, den Geschäftsführer Frank Bergemann unlängst im Stadtrat vorgestellt hat. Gegenüber 2018 fällt der Zuschussbedarf etwas geringer aus. Die Bilanz weist für 2019 einen Jahresfehlbetrag von rund 224.000 Euro aus. Wird dann nun 2020 das Schicksalsjahr für die Freizeitwelt?

Frank Bergemann geht davon aus, dass das der festgeschriebene Zuschuss auch 2020 reichen wird. "Wenn wir die Überbrückungshilfen zu 100 Prozent ausgezahlt bekommen, dürfte es reichen", sagt er. Immerhin, der vergangene Sommer sei gut gelaufen. Auch wenn aufgrund des Hygienekonzeptes nur etwa die Hälfte der Besucher in die Freizeitwelt durfte, sei man doch gut besucht gewesen. Darüber hinaus hatte man noch bis Ende November - soweit wie es möglich war -, den Tennisplatz und die Solarien offen gelassen. Das sind natürlich nicht die Masse an Einnahmen. Aber in Corona-Zeiten kommt es fast auf jeden Euro an. Und um nicht zusätzlich Geld auszugeben, sind die Mitarbeiter in 100 Prozent Kurzarbeit. "Es geht alles irgendwie weiter. Wir werden jedenfalls kämpfen", sagt der Geschäftsführer.

Studie liegt auf Eis, um die Gemüter zu besänftigen

Dabei sollten auch neue Angebote helfen. Eine Studie dazu wurde bereits im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben worden. Dessen Ergebnis ließ die Wellen in Neustadt bei einigen hoch schlagen. Die Untersuchung zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Freizeitzentrums legt den Bau eines 25-Meter-Beckens mit einer Wassertiefe von 1,35 Metern nahe - um im Sommer noch mehr Gäste anzulocken. Eine ähnliche Außenfläche gab es bereits einmal. Diese wurde dann aber geopfert.

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Die Untersuchung gab aber noch mehr Empfehlungen, die vor allem in Neustadts Fitnessbranche heiß diskutiert wurde. Laut der Studie könnte es sinnvoll sein, die drei Indoor-Tennisplätze auf zwei zu verkleinern. Die dadurch frei werdende Fläche könnte im unteren Bereich mit einer Trennwand zu einem Extra-Raum umfunktioniert werden. Darin soll künftig eine Kegelbahn entstehen, die von allen zahlenden Gästen und nicht nur vom Kegelsportverein Neustadt genutzt werden könnte. Eine Erweiterung oder ein Umbau der Freizeitwelt wurde nie beschlossen. Um die Pläne ist es ruhig geworden, wohl auch, um die Kritiker zu besänftigen. Ganz vom Tisch sind sie sicherlich nicht, denn auch die Mariba-Freizeitwelt wird mit dem Trend gehen müssen, wie es Experten bestätigen.

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