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Corona: Wichtigtuerei statt Klarheit für Friseure

Die Gottleubaer Salonchefin Anja Neupert-Evers hat ihre Mühen mit dem Wirrwarr bei Pflichten und Vorschriften. In der SZ teilt sie ihre Erfahrungen.

Das Kundenbuch wieder voll und trotzdem fällt Anja Neupert-Evers das Lächeln derzeit schwer.
Das Kundenbuch wieder voll und trotzdem fällt Anja Neupert-Evers das Lächeln derzeit schwer. © Karl-Ludwig Oberthür

Endlich wieder arbeiten, endlich wieder Leute im Salon, endlich wieder zufriedene Gesichter. All das freut Friseurmeisterin Anja Neupert-Evers. Die Blumenfrau von nebenan brachte am Montag einen Blumengruß und wünschte allen einen guten Start. Doch die Umstände, die mit dem Neustart verbunden sind, sind alles andere als erfreulich. Die Gottleubaer Chefin von vier Salons in Gottleuba und Heidenau berichtet Sächsische.de von ihrer Suche nach den besten Lösungen für die Sicherheit ihrer Kunden und Mitarbeiter. Was sie gefunden hat, ist ein großes Durcheinander.

Schulung, Tests und Ausrüstung auf eigene Kosten

Im Februar wurde beschlossen, dass Friseure aber März ihrer Erwerbstätigkeit wieder nachgehen können. Unter der Bedingung von wöchentlichen Coronatests. Erst sollten es zwei pro Woche sein, dann einer. Erst sollten die Tests kostenfrei sein, wenig später wurde zurückgerudert und sie für kostenpflichtig erklärt. Die Sicherheit im Sinne des Schutzes meiner Mitarbeiter und unserer Kunden und zur Eindämmung der Verbreitung des Virus steht für mich an erster Stelle. Doch gesicherte Informationen zur Öffnung sind
spärlich und widersprüchlich.

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Deshalb sah ich mich als Unternehmer in der Pflicht, die konkreten Handhabungen von den geforderten Schnelltests selbst zu organisieren. Kurzfristig nahm ich am 23. Februar an einer Qualifizierung für Corona-Schnelltests beim DRK Dresden teil. Der Nachweis darüber erlaubt laut DRK, zugelassene Corona-Schnelltest zu erwerben und meine Mitarbeiter zu testen.

Ich habe die Tests und die dazu nötige Schutzausrüstung auf meine Kosten bestellt. Meine Bedenken zu Lieferfristen der Tests haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. Mit aufwendigen bürokratischen Hürden konnte ich am 28. Februar die ersten Tests meiner Mitarbeiter durchführen.

Am Thema Sicherheit vorbei

Einen Tag nach meinem Lehrgang beim DRK, den ich auch bezahlt habe, gab das Landratsamt am 24. Februar bekannt, vier Testzentren zu eröffnen, damit sich - nicht nur unsere Berufsgruppe - kostenlos testen lassen kann. Grund für mich, mit dem Landratsamt über Kosten und weitere Schritte, zum Beispiel Investition in die notwendige Schutzausrüstung, zu sprechen.

Egal, welche Ausgabepositionen ich dem Verwaltungsstab darlegte, immer waren diese angeblich nicht schlüssig. Ich möchte einfach die entstandenen und entstehenden Kosten für diese Tests auch erstattet bekommen.

Eine Klärung der Kostenübernahme ist nicht erfolgt. Im Gegenteil, es ging schließlich nur um die Rechtmäßigkeit zum Erwerb und Durchführung solcher Tests im Berufsstand eines Friseurs. Das ist aus meiner Sicht am Thema Sicherheit absolut vorbei. Wer diese Tests kaufen darf, bestimmt angeblich die Apotheken- und Ärztekammer. Das DRK verweist auf den erfolgreichen Abschluss des Lehrganges und damit die Kauffreigabe bei Apotheken. Ein Durcheinander, das nichts mit Sicherheit und Dienst am Kunden zu tun hat. Ist das Markt- und Profitsicherung?

"Und da soll der Virus in die Flucht geschlagen werden"

Ich sollte mich doch vorher bei meiner zuständigen Innung oder Handwerkskammer informieren, wurde mir vom Landratsamt noch gesagt. Zusagen, wieder Absagen, Hauptsache die Türschilder mit Hygienemaßnahmen sitzen und sind gut leserlich. Der eine sagt so, der andere sagt's wieder anders. Bei Politikern, Kammern und Verbänden gibt's keine Einigkeit. Und da soll der Virus in die Flucht geschlagen werden. Es ist, als würde ich als Zuschauer in der Komödie sitzen.

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Es ist unfassbar, dass es hier keine klaren Aussagen mehr gibt, nur Wichtigtuerei. Aus meiner Sicht kann mit gesundem Menschenverstand eine Menge erreicht
werden - auch die Öffnung von Geschäften und Gaststätten mit voll durchdachten Hygienekonzepten. Und solche Schnelltests gehören dazu. Doch so wie das jetzt alles gehandhabt wird, ist es keine Lösung für unser aller Situation.

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