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SOE: Mit welcher Eintrittskarte zum Friseur?

Mit immer neuen und schneller wechselnden Regeln wächst die Unsicherheit. In Salons und bei Kunden. Dabei sollte es doch einfacher werden.

Seit März dürfen Anke Anton und die anderen Friseure wieder ihre Kunden bedienen. Doch seither ist nicht einfacher geworden.
Seit März dürfen Anke Anton und die anderen Friseure wieder ihre Kunden bedienen. Doch seither ist nicht einfacher geworden. © Steffen Unger

Ein Termin beim Friseur: Was früher eine einfache Sache war, setzt heute die Kenntnis der aktuellen Regeln voraus. Mit Test, ohne Test, mit Selbsttest oder doch nur Test vom Zentrum, durchgeimpft, aber erst nach 14 Tagen. Was trifft wann wie zu? Dass dabei selbst Friseursalons nicht mehr durchsehen, zeigt das Beispiel von Peter Klimek aus Heidenau.

Er hatte am 10. Mai einen Termin in Dresden-Zschachwitz. Seit diesem Tag gilt: Die mitgebrachte Selbsttest-Bescheinigung reicht nicht mehr und Geimpfte sowie Genesene brauchen keinen Test. Als geimpft gilt, wessen zweite Impfung mindestens 14 Tage zurückliegt. Das ist bei Peter Klimek der Fall. Er fühlte sich also auf der sicheren Seite. Dass er vorsorglich trotzdem am Vortag noch im Testzentrum war, sollte ihn retten. Die Friseurin, die ihn in den Salon bat, wollte wie immer in den vergangenen Wochen den Test sehen. Klimek verwies sie auf die neue Regelung. Die Friseurin kannte sie nicht, die Chefin sei nicht da und nur auf deren Anweisungen höre sie. Kurzum: Peter Klimek könne nicht bedient werden. Da zog er seinen Test-Joker aus der Tasche. Das könne ja aber nicht Sinn und Zweck sein.

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Warum ein Selbsttest beziehungsweise die Selbstauskunft nicht mehr reichen, ärgert auch Heike Stanski aus Freital. „Jetzt muss ich 30 Minuten vor dem Termin zum Friseur fahren und mache dort einen Test unter Aufsicht“, sagt sie. Beim Warten sitzt sie dann mit anderen Kunden zusammen. Das sei nicht sinnvoll, wenn doch Kontakte vermieden werden sollen. Testzentren seien auch keine bessere Alternative. Die Öffnungszeiten seien für Berufstätige eine Zumutung und für Termine gebe es lange Wartezeiten. „Und wenn ich nun wirklich positiv sein sollte, was niemand hofft, bin ich unterwegs und gefährde andere Mitmenschen. Bei einem Test zu Hause wäre ich in dem Fall besser aufgehoben“, sagt sie.

Mehr Verwaltungsrecht als Kundendienst

Das Verhalten der Friseurin in Zschachwitz kann Anja Neupert-Evers nicht verstehen. Die Chefin mehrerer Salons in Bad Gottleuba und Heidenau hat in Gottleuba einen kleinen Vorteil. Sie hat sich entschieden, selbst ein Testzentrum anzubieten. Das erfolgte eher aus der Not heraus, als der Test für den Friseurbesuch verpflichtend wurde und daraufhin viele, vor allem ältere Kunden, abgesagt hatten. Inzwischen sind etwa ein Drittel der Getesteten eigene Kunden. Das Angebot hilft etwas über die Unsicherheit hinweg. Dafür gab es bei Anja Neupert-Evers eine andere Unklarheit.

Wenn Anja Neupert-Evers das Bestellbuch zur Hand nimmt, ist es nicht immer nur wegen eines Eintrages. Oft werden Termine auch storniert.
Wenn Anja Neupert-Evers das Bestellbuch zur Hand nimmt, ist es nicht immer nur wegen eines Eintrages. Oft werden Termine auch storniert. © Karl-Ludwig Oberthür

Sie hatte in den sächsischen Verordnungen nirgendwo den Passus mit dem nicht mehr anerkannten Selbsttest gefunden. Erst der Blick in den Bundesanzeiger brachte Klarheit. In einer Bekanntmachung der Bundesregierung standen die entscheidenden Sätze. "Wir beschäftigen uns mehr mit all diesen rechtlichen Fragen als mit Frisuren, dabei sind wir doch die Dienstleister für die Kunden und keine Verwaltungsrechtler", sagt Anja Neupert-Evers.

Was gilt aktuell für den Friseur-Besuch:

  • Selbsttest unter Aufsicht vor Ort machen oder
  • Nachweis des Schnelltests aus einem Testzentrum, der nicht älter als 24 Stunden ist oder
  • Nachweis der zweiten Impfung, die mindestens 14 Tage zurückliegt oder
  • Nachweis einer überstandenen Infektion, die mindestens 28 Tage sowie maximal sechs Monate zurückliegt.
  • Mitarbeiter der Friseursalons müssen zwei Mal pro Woche getestet werden.

Für Kunden reicht die Erfüllung einer der ersten vier Punkte. Also, wer den Punkt Impfung erfüllt, braucht keinen Test, weder Selbsttest vor Ort noch aus dem Testzentrum.

Die Neustädter Friseurmeisterin und Innungschefin Anke Anton trägt gerade bei Sarah Martin Farbe auf. Die junge Frau hat das mit dem Test vor Ort gelassen genommen. Deswegen den Termin absagen? "Keine Option", sagt sie. Die junge Kundschaft sei da lockerer, ist die Erfahrung von Anke Anton. Eine ältere Kundin musste sie vorige Woche wegschicken. Auch Geimpfte, die nur einmal geimpft sind oder deren zweite Impfung noch nicht lange genug zurückliegt, kommen nicht dran.

Problem Schwarzarbeit

Prinzipiell sei Neustadt mit Testmöglichkeiten gut versorgt. Trotzdem werden wieder verstärkt Termine abgesagt oder gar nicht erst gemacht. Andere wieder rufen nochmal an, um zu fragen. "Das alles kostet alle viel Kraft", sagt Anke Anton. Manche kostet es nicht nur Kraft, sondern zunehmend Umsatz. Etliche Friseure seien nach wie vor bzw. wieder in Kurzarbeit. Die Folge: Die Schwarzarbeit steigt. Ein Problem, auf das Anke Anton schon seit Monaten hinweist. Nicht nur für die "ordentlichen" Friseure, sondern für die ganze Gesellschaft.

Entspannt in Dohna

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Annett Karbe in Dohna sieht es hingegen relativ entspannt. Wenn die Kunden ihre Termine machen, erklärt sie ihnen, was sie zu beachten haben. Die meisten gehen vorher ins Testzentrum, einige komme einen Viertelstunde eher und machen ihren Test vor Ort. Und immer öfter bringen die Kunden ihren Impfausweis mit. Irgendwie verstehe Annett Karbe das Trara nicht. Es sei doch alles klar, sagt sie und frisiert ihre Kundin weiter.

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