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Fünf "Corona-Erfindungen"

Burgertruck, Balkonkonzerte und Skypeunterricht. Die Menschen haben sich in der Corona-Zeit so manches einfallen lassen.

Stammkunde Tobias Liebscher am Burgertruck vom Hotel Rennberg aus Schönfeld.
Stammkunde Tobias Liebscher am Burgertruck vom Hotel Rennberg aus Schönfeld. © Egbert Kamprath

Die Corona-Krise mit den vielen Einschränkungen hat auch die Menschen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erfinderisch gemacht. Sächsische.de stellt fünf "Corona-Erfindungen" vor.

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Der "Burgertruck" tourt durchs Osterzgebirge

Ein umgebautes Paketauto ist zu einer mobilen Küche umgebaut worden. Jetzt rollt der "Burgertruck" seit dem ersten Lockdown durch das Osterzgebirge und versorgt hungrige Menschen mit Hamburgern. Die Idee dazu hatte der Gastwirt Ronny Pätzold vom Schönfelder Hotel "Am Rennberg" in Dippoldiswalde.

Der schwarze Truck mit den gefüllten Brötchen und auch mit Bratwürsten fährt Dippoldiswalde, Glashütte und Schmiedeberg an. Eigentlich wollte Ronny Pätzold nach Gesprächen mit der Freiberger Brauerei einen sogenannten Foodtruck anschaffen, um damit bei Großevents wie Konzerten und Festen für ein Imbissangebot zu sorgen. Das passende Paketauto wurde gekauft, umgebaut und bei der Altenberger Bob-WM Anfang des Jahres als Imbiss eingesetzt.

Dann mussten die Restaurants wegen Corona schließen. Die zündende Idee kam Ronny Pätzold, als er im Nachbarort den Wagen eines Brathähnchengrills sah, der, weil Außer-Haus-Verkauf erlaubt ist, unterwegs sein durfte. "Das machen wir auch", sagte sich der Gastwirt und startete mit dem Schönfelder Burgertruck durch. Das Geschäft läuft so gut, dass Pätzold inzwischen schon ein zweites Fahrzeug angeschafft hat.

Lockdown-Spiel zum Rätselraten

Die Spieleerfinder Florian Thalmann (r.) und Christian Krebs aus Berlin mit ihrem "Lockdown-Spiel".
Die Spieleerfinder Florian Thalmann (r.) und Christian Krebs aus Berlin mit ihrem "Lockdown-Spiel". © Sabine Gudath

Der Wahl-Berliner Florian Thalmann, der ursprünglich aus Schmilka in der Sächsischen Schweiz stammt, ist in diesem turbulenten Jahr unter die Spieleentwickler gegangen. Zusammen mit seinem Lebensgefährten Christian Krebs erfand er die "Lockdown Adventures" - Spiele zum Lockdown.

Wegen Corona waren seit dem Frühjahr die Ausflüge in ihre beliebten "Escape Rooms" verboten, Genauso wie Spieleabende mit vielen Freunden. Aufs Spielen verzichten wollten die beiden aber nicht und suchten online nach Alternativen. "Es gab im digitalen Bereich zwar viel, allerdings kaum etwas zum Ausdrucken", schildert Florian Thalmann.

Er setzte sich selbst an den Schreibtisch und entwickelte sein erstes eigenes Spiel - angelehnt an die "Escape Rooms". Inhaltlich geht es um einen Zauberer, der während seiner Show einen Zuschauer hinter der Bühne einsperrt. Dieser muss durch das Lösen von Rätseln versuchen, aus dem Kabinett zu entkommen.

"Das Spiel sollte eigentlich nur für uns privat sein", erzählt Thalmann. Sein Freund Christian Krebs fand es aber so gut, dass der Programmierer kurzerhand eine entsprechende Handy-App entwickelte.

Im Juli gingen die "Lockdown-Adventures" dann als App auf den Markt. Sie ist kostenlos für Android. Die einzelnen Missionen kosten dann aber zwischen 1,99 Euro und 3,99 Euro.

Homeschooling und Corona-Laptops

Der zehnjährige Milan übt Flöte via Skype mit Regina Rothe, die als selbstständige Lehrerin unter anderem für den Musikverein Bannewitz arbeitet.
Der zehnjährige Milan übt Flöte via Skype mit Regina Rothe, die als selbstständige Lehrerin unter anderem für den Musikverein Bannewitz arbeitet. © SZ/Tilman Günther

Rund 40.000 Laptops hat der Freistaat Sachsen den Schulen im Herbst kostenlos übergeben. Mit den Computern sollten die Kinder auf Corona-bedingte Schulschließungen und Quarantäne-Situationen zu Hause technisch gut vorbereitet sein.

Beim sogenannten Homeschooling wird in Sachsen die Plattform Lernsax benutzt. Teilweise findet der Unterricht sogar eins zu eins statt - zu den normalen Schulzeiten -, nur eben zu Hause vor einer interaktiven Tafel und unter anderem per Skype-Schalte zum Lehrer. Oft erhalten Schüler ihre Aufgaben per E-Mail und die zusätzlichen Erklärungen dazu live vom Lehrer.

Auch der musikalisch begabte Nachwuchs kann während der Corona-Krise kaum regulär unterrichtet werden. So ist das Singen seit April im Grunde verboten, sodass die Musikschulen auf Online-Unterricht setzen, vor allem beim Lernen eines Instruments. In der Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz wurde ein Teil der 800 Schüler im Homeschooling unterrichtet - was auch zu Problemen führte, weil unter anderem durch instabile Internetverbindungen der Klang der Instrumente schlecht übertragen wird.

Trotzdem bieten viele Musikschulen während des ausgesetzten Präsenzunterrichts Online-Stunden an.

Balkon- und Gartenzaunkonzerte

Willi Papperitz alias Whysker spielte am Zaun des Kinderheims "Burgwartsblick" in Freital für die jugendlichen Heimbewohner.
Willi Papperitz alias Whysker spielte am Zaun des Kinderheims "Burgwartsblick" in Freital für die jugendlichen Heimbewohner. © Egbert Kamprath

Die Idee der Balkonkonzerte war während des ersten Lockdowns zwischen Mailand und Sizilien entstanden. Die zu Hause sitzenden Menschen spielten Musik von Balkonen und aus Fenstern, Menschen sangen und musizierten, auch, um sich gegenseitig Mut in der Krise zu machen. Und die Konzerte überschritten Ländergrenzen.

Wegen der Besuchseinschränkungen in den Pflegeheimen gab es auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge vereinzelt Balkonkonzerte, um den Bewohnern ein wenig Ablenkung im Tagesablauf zu bieten. So haben bei der Awo im ersten Lockdown musikalisch talentierte Mitarbeiter für die älteren Menschen musiziert. Viele Heime bieten ihren Bewohnern auch Laptops an, damit sie während eines Besuchsverbots mit ihren Angehörigen skypen können.

Bunte Steine gegen Corona-Langeweile

Bunt bemalte Steine fanden sich vor allem Im Frühling und Sommer im Landkreis.
Bunt bemalte Steine fanden sich vor allem Im Frühling und Sommer im Landkreis. © SZ/Uwe Soeder

Auch Kinder mussten in diesem Jahr auf vieles verzichten. Spielplätze waren gesperrt. Zoos, Schwimmhallen, Freizeitsport-Anbieter, Indoor-Spielplätze und Vergnügungsparks waren und sind geschlossen. Doch die kreativen Kleinen wussten sich zu helfen, und so fanden sich an vielen Orten in Wäldern, Parks und auf Fußwegen bunt bemalte Steine. So auch rund um die alte Windbergbahn in Freital-Kleinnaundorf.

Über soziale Netzwerke war dafür geworben worden, Steine zu sammeln, bunt anzumalen und an Wegesrändern zu langen Schlangen zusammenlegen. Die Spur der Steine zog sich durch die Lausitz, Bautzen und Dresden.

In Freital hatte sich Familie Kurze von der Aktion inspirieren lassen. "Wir hatten das im Internet gesehen", erzählt Frau Kurze. "Das hat uns gefallen und meine beiden Kinder hatten sofort Lust darauf, das nachzumachen", erzählte Frau Kunze im Frühjahr im Gespräch mit sächsische.de. Die Familie sammelte Steine, die Kinder malten sie an. Die bunten Werke legten sie an den Wegesrand am Guido-Brescius-Weg nahe dem Sportplatz entlang der Strecke der alten Windbergbahn.

Die Aktion zieht inzwischen deutschlandweit Kreise, wobei keiner mehr so genau weiß, wer eigentlich den ersten Stein gelegt hat. Ist auch egal - Hauptsache es macht glücklich.

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