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Kaum Weihnachtsfeiern für Einsame in Pirna

Normalerweise gibt es zu Heiligabend in Pirna mehrere Angebote für Menschen, die alleine sind. In Corona-Zeiten können nicht alle Feiern stattfinden.

Weihnachten ist für Menschen, die allein sind, oftmals eine schwierige Zeit. In diesem Jahr vermutlich einmal mehr.
Weihnachten ist für Menschen, die allein sind, oftmals eine schwierige Zeit. In diesem Jahr vermutlich einmal mehr. © Symbolbild: dpa-tmn

Für viele Menschen ist Weihnachten mit Ängsten besetzt. Die Angst vor dem Alleinsein und der Einsamkeit. Wenn niemand von der Familie da ist und die Erinnerungen an schönere Tage hochkommen – das ist besonders für ältere Menschen eine schwere Zeit. Um Ängste zu nehmen und Gemeinschaft zu erleben, bieten verschiedene Organisationen in Pirna Weihnachtsfeiern und Treffen an, bei denen man gemütlich zusammensitzt, bei Kaffee und Stollen ins Gespräch kommt und hoffentlich mit einem warmen, guten Gefühl wieder nach Hause geht. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Große Feiern können coronabedingt nicht stattfinden. Trotzdem gibt es Hilfe.

Geschenke und Gesprächsangebote von der Diakonie

Es ist schon eine gute Tradition. Zwischen Weihnachten und Neujahr laden die Diakonie Pirna und die Caritas-Beratungsdienste in Pirna zu der Weihnachtsfeier "Mittendrin" ein. Sie wird ausgerichtet für Menschen, die die Beratungsdienste aufsuchen und für alle, die besonders Weihnachten Ansprache benötigen, sich einsam fühlen sowie Gemeinschaft erleben wollen. Dieses Jahr kann nicht eingeladen werden, bedauert Mirjam Gremm von der allgemeinen sozialen Beratung der Diakonie Pirna. "Aber wir bleiben auch zwischen den Feiertagen mit unseren Klienten im Gespräch", sagt die studierte Sozialarbeiterin. Die Klienten sollen eine Weihnachtskarte und ein kleines Geschenk bekommen. "Wer das Bedürfnis hat, mit jemanden zu sprechen, den besuchen wir und bieten ihm beispielsweise einen gemeinsamen Spaziergang an. Mit Hausbesuchen selber sind wir eher zurückhaltend wegen der allgemeinen Ansteckungsgefahr", sagt Gremm. Sie betont in diesem Zusammenhang, dass die ökumenische Weihnachtsfeier "Mittendrin" nachgeholt wird. "Sobald die Infektionszahlen gesunken sind und es wieder möglich wird."

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Weihnachtsfeier der Pirnaer Tafel fällt aus

Eigentlich findet bereits vor dem Heiligenabend eine lauschige und stimmungsvolle Weihnachtsfeier der Pirnaer Tafel auf dem Sonnenstein statt. Eingeladen sind die Tafelkunden sowie die Mitarbeiter. Auch diese Feier muss in diesem Jahr wegen der Pandemie abgesagt werden, informiert Sandra Furkert. Sie leitet die Tafel in Pirna und Heidenau. Dennoch soll etwas Weihnachtsstimmung verströmt werden. Angedacht ist, dass die Kinder eine kleine Überraschung zu Weihnachten bekommen. "Da sind wir einmal mehr auf Spenden angewiesen", so Furkert. Hungern muss indes keiner. Die Tafelausgaben in Pirna und Heidenau sind vor Weihnachten am 22. und 23. Dezember sowie zwischen den Feiertagen am 29. und 30. Dezember geöffnet.

Geplant: Festessen für Obdachlose

Weihnachten fällt in der Obdachlosenunterkunft an der Rottwerndorfer Straße in Pirna trotz Covid-19 nicht aus. Auch in diesem Jahr soll es wieder eine Weihnachtsfeier für die Obdachlosen geben. Die Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes planen erneut, für die Menschen in der Unterkunft ein festliches Mahl zu zaubern. Diese Aktion stieß bereits 2019 auf große Resonanz und Dankbarkeit. „Es gibt außerdem am Heiligabend Stollen, und eine ehrenamtliche Helferin bereitet Kartoffelsalat und Würstchen vor“, sagt eine Mitarbeiterin des DRK-Kreisverbands Pirna. Der Verband ist Träger der städtischen Einrichtung. „Wir versuchen, diesen besonderen Tag so gemütlich wie möglich zu gestalten“, sagt die DRK-Angestellte. Bei den aktuell kalten Temperaturen und auch aufgrund der Corona-Situation ist den Bewohnern gestattet, ganztätig im Haus zu bleiben. Sonst gilt die Regelung, dass die Bewohner tagsüber das Heim verlassen müssen. Momentan wohnen fünf Personen in dem Heim. Platz gibt es für 16 Obdachlose in der Einrichtung.

Telefonseelsorge um Weihnachten besonders gefragt

Über das gesamte Jahr rufen bei der Telefonseelsorge Menschen an, die einsam sind. "Aber zu Weihnachten und danach erreichen uns besonders häufig solche Anrufe", sagt Michael Heinisch von der Diakonie-Stadtmission Dresden. Er ist Bereichsleiter der bundesweiten Telefonseelsorge im Großraum Dresden, wozu auch Pirna gehört. Weihnachten werde als Fest der Familie gesehen. "Diese Zeit ist angelegt, das Leben zu reflektieren und schmerzhafte Brüche besonders stark zu empfinden", erklärt der Experte den hohen Gesprächsbedarf. Einsamkeit in Verbindung mit einer depressiven Verfassung führten bei einigen Anrufenden in dieser Situation auch zu Suizidgedanken oder sogar Suizidabsichten. "Wichtig ist, sich den Menschen zu widmen, ihnen zuzuhören, sich in ihre Lage reinzuversetzen. Sie müssen das Gefühl haben: Hier nimmt mich jemand mit meinen Sorgen und Ängsten ernst und hat Zeit für mich", sagt Heinisch. In der Regel dauern die Gespräche zwischen zehn Minuten und einer knappen Stunde. Im Jahr führen die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen sie rund 11 000 Gespräche. Erstaunlich: Die Zahl der Anrufe ist durch Corona in der ökumenischen Telefon-Seelsorge Dresden nicht gestiegen. Corona als explizites Thema spiele zahlenmäßig keine große Rolle, so Heinisch. Allerdings seien die Begleitumstände von Corona oft Anlass, Lebensthemen wie Beziehungsprobleme, Ängste, Einsamkeit zu thematisieren und im Gespräch zu bearbeiten. Die ökumenische Telefon-Seelsorge bildet jedes Jahr neue Mitarbeiter aus. In diesem Jahr haben sechs Ausgebildete ihr Ehrenamt bei der Telefonseelsorge begonnen.

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