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Für und Wider Click & Collect

Die Händler in der Region Döbeln sehen den Abholservice als ersten positiven Schritt im Corona-Lockdown. Aber sie wollen mehr.

Ein Absperrband und ein Tisch werden ab Montag Stefanie Arnold und die Kunden der Bücherstube in Hartha trennen. Bei Click & Collect dient der Tisch zur kontaktlosen Übergabe von Büchern, Kalendern und Co.
Ein Absperrband und ein Tisch werden ab Montag Stefanie Arnold und die Kunden der Bücherstube in Hartha trennen. Bei Click & Collect dient der Tisch zur kontaktlosen Übergabe von Büchern, Kalendern und Co. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Ab Montag dürfen Händler in Sachsen den Click & Collect-Service anbieten. Das bedeutet, online oder telefonisch bestellte Ware kann unter Beachtung der Hygieneregeln vor Ort im Geschäft abgeholt werden. Der Bezahlvorgang sollte kontaktlos erfolgen, beispielsweise im Voraus, auf Rechnung oder online.

Die Händler in der Region Döbeln sehen Click & Collect als positiven, aber nur ersten Schritt, dem bald ein weiterer folgen sollte. „Wir haben keinen Online-Shop. Die Kunden können per E-Mail oder Whats-App bestellen oder anrufen“, sagt Bettina Illge von Trends und Leder in Döbeln.

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Das Abholen der Waren könne nach persönlicher Absprache erfolgen. Für die Lieferanten habe Bettina Illge eine Klingel an der Ladentür angebracht, die nun auch die Kunden nutzen können.

Schaufenster-Deko statt Online-Angebot

Da einige Lieferanten in Kurzarbeit seien, staut sich die Frühjahrs-Sommer-Ware noch nicht in ihrem Geschäft, sondern werde jetzt schrittweise geliefert. Allerdings fährt sie demnächst bereits zum Einkauf für die Herbst-Winter-Ware. Die Schaufenster des Geschäfts werde sie immer wieder neu dekorieren, damit sich die Kunden das Angebot anschauen können.

Die jährliche Schulranzenaktion soll nun ebenfalls starten. Auch wenn die Geschäfte noch nicht öffnen dürfen, hofft Bettina Illge, dass Click & Collect die Menschen dazu animiert, einen Schaufensterbummel durch die Stadt zu unternehmen und wieder mehr bei den einheimischen Händlern zu kaufen.

Romy Barthel betreibt ihr Modehaus in Waldheim im Sommer seit 30 Jahren. Und dieses Jubiläum würde sie gern feiern. Aber „Corona hin, Corona her. Wie lange sollen wir das noch durchhalten?“, fragt sie. Auch sie hat keinen Online-Auftritt. „Die Kunden müssen die Waren aber sehen“, meint sie.

Möglich ist das durch die großen Schaufenster, die wöchentlich neu gestaltet werden. Einige Modelle postet sie auf Facebook oder bietet sie Stammkunden per Whats-App an. Im Moment hat sie noch 70 Prozent der Winterware im Geschäft. Für das Abholen werde sie Termine vergeben.

Ärger über Corona-Überbrückungshilfe bleibt

Zusätzlich zu den noch vollen Regalen bereitet ihr die Überbrückungshilfe III Probleme. Täglich versuche ihre Steuerberaterin, diese zu beantragen, aber die entsprechenden Formulare seien im Internet noch immer nicht freigeschaltet.

Das treibt auch den SPD-Landtagsabgeordneten Henning Homann um. Bei den Überbrückungshilfen III sieht er den Bund in der Pflicht, seine Zusagen einzuhalten, um Unternehmen durch die schwierige Zeit zu helfen.

„Die Überbrückungshilfe III muss zügig starten und ausgezahlt werden. Mir dauert das entschieden zu lange. Kein gesundes Unternehmen darf aufgrund der Corona-Krise in die Insolvenz geraten“, erklärt Homann. Gerade in Ostdeutschland hätten viele Firmen nicht die finanziellen Reserven, die Zeit der Einschränkungen unbeschadet durchzustehen.

Das Antragsverfahren müsse daher schnell an den Start und Abschlagszahlungen zu den Unternehmen kommen. Sobald der Bund die Mittel frei gebe, stehe das Land bereit, diese sehr schnell auszuzahlen, meint Homann.

Am Mittwochabend erhielten die Händler die Information, dass die Plattform für die Beantragung der Überbrückungshilfe freigeschaltet sei.

Tisch und Band für kontaktlose Übergabe

Recht optimistisch ist Stefanie Arnold von der Bücherstube in Hartha. Einige ihrer Kunden haben in den vergangenen Wochen über den Online-Shop bestellt, viele aber auch angerufen. Nur von den Kalendern, die üblicherweise zum Jahresende über den Ladentisch gehen, seien einige übrig geblieben.

„Ab Montag werde ich während der Öffnungszeiten im Laden sein“, sagt Stefanie Arnold. Ein Absperrband und ein Tisch werden die Kunden vom Betreten abhalten. Der Tisch dient als Übergabetheke.

„Manche Kunden bringen das Geld schon passend im Kuvert mit“, weiß sie vom Lockdown im vergangenen Frühjahr. Aber auch eine Rechnung und das Überweisen des Betrages seien möglich. Die Art des Bezahlens werde bei der Bestellung geklärt.

Click & Collect sei ein guter Anfang. Aber das Öffnen der Läden sollte nicht mehr allzu lange hinausgeschoben werden. „In einer so kleinen Stadt bilden sich keine Schlangen, und die Kunden haben sich immer an die Hygieneregeln gehalten“, sagt die Buchhändlerin.

Zugeständnis an Stammkunden

Es werde Zeit, dass der Abholservice auch in Sachsen zugelassen wird, meint Sylvia Haynert von Phönix Moden in Döbeln. „Das ist auch für die Kunden wichtig“, sagt sie. Die seien verunsichert und wüssten kaum noch, wie sie sich verhalten sollen. Kleidung müsse vor dem Kauf anprobiert werden.

„Aber ich kann nicht alles liefern. Das ist auch ein Kostenfaktor“, erklärt sie. Sie habe viele Stammkunden und bei diesen auch kein Problem, mehrere Teile unterschiedlicher Größen mit nach Hause zu geben, von denen die nicht Passenden wieder zurückgebracht werden.

Unverständlich ist ihr, dass sie zur Vororder der neuen Herbst-Winter-Kollektion den Großhandel betreten darf, die Kunden ihren Laden aber nicht. „Das kann man in einem so kleinen Geschäft gut händeln“, meint sie. „Trotzdem begrüße ich Click & Collect sehr. Das ist eine Vereinfachung und bringt ein paar Euro, die helfen, die neue Kollektion zu finanzieren“, so Sylvia Haynert.

Mit entsprechenden Hygienemaßen sollten die Geschäfte ab März wieder geöffnet werden. „Alles andere ist nur Flickwerk“, sagt Jens Jung, der in Döbeln und Waldheim Schuhgeschäfte betreibt. Schuhe müssen passen und deshalb anprobiert werden. Wenn ein Kunde Schuhe abholen möchte, könne er das. Aber prinzipiell sei Click & Collect für diese Branche schwierig.

Es bleiben massive Einschränkungen

„Mit dem Abholservice wird die Abgabe der Sortimente an die Kunden legitimiert“, sagt Torsten Hamann, Vorstand der RHG Mittelsachsen. Aber niemand sei soweit, dass das Sortiment transparent ist und alle Produkte in einem Online-Shop angeboten werden. Zudem sei die Baumarkt-Branche eine, die sehr beratungsintensiv ist. „Das macht es für die Mitarbeiter anstrengend,“ so Hamann.

Die Kundengespräche würden jetzt klassisch per Mail oder Telefon erfolgen. Dabei werde geklärt, was der Kunde braucht, was es kostet und wann er es abholen kann. Da dies so kontaktlos wie möglich erfolgen soll, sei die Zahl der Kunden, die die Ware an der Tür in Empfang nehmen, auf eine Person beschränkt.

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„Normalerweise sind im Baumarkt vier bis fünf Kassen gleichzeitig geöffnet, an denen jeweils mehrere Kunden anstehen“, macht Hamann deutlich, wie stark die Einschränkungen durch Click & Collect trotzdem noch sind.

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