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Gastronomin schüttet Bier ins Klo

Mit einer ungewöhnlichen Aktion protestierte Elke Mäffert vom "Irish Pub" vor dem Zittauer Rathaus gegen den Lockdown. Sie hat eine klare Forderung.

Protestaktion auf dem Zittauer Markt gegen den Corona-Lockdown. Elke Mäffert vom "Irish Pub" schüttet abgelaufene Getränke ins Klo.
Protestaktion auf dem Zittauer Markt gegen den Corona-Lockdown. Elke Mäffert vom "Irish Pub" schüttet abgelaufene Getränke ins Klo. ©  Matthias Weber (Archiv)

Zittau. Eine Flasche nach der anderen schüttet Elke Mäffert ins Klo. Tomatensaft, Tonic, dazwischen Schwarzbier aus dem Fass. "Die Haltbarkeit ist abgelaufen und wir müssen jetzt alles vernichten", sagt die Zittauer Wirtin vom "Irish Pub". Sie macht dies aber nicht in aller Stille in der eigenen Toilette, sondern öffentlichkeitswirksam vor dem Zittauer Rathaus - sozusagen als Protest gegen den andauernden Corona-Lockdown.

Auf einem Autoanhänger steht dafür eine gelbe Tonne, auf die eine Kloschüssel montiert wurde. "Wir haben zugesichert, dass der Marktplatz nicht verschmutzt wird", sagt die bekannte Kneipen-Chefin. In dieses Klo fließen nun Liter um Liter der Warenbestände - unter den Blicken von etwa Hundert Zuschauern. Dazu ertönt aus den Lautsprechern der Song: "Meine Oma hat einen Keller voller Waren, meine Oma ist eine arme Sau. Meine Oma muss die Waren jetzt vernichten, meine Oma ist eine Umweltsau ..."

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Seit 19 Wochen geschlossen

19 Wochen ist die Kult-Kneipe auf der Zittauer Neustadt mittlerweile zwangsweise geschlossen - so wie alle Gaststätten und Kneipen in Deutschland. "Es gibt immer wieder neue Maßnahmen, das ist nicht mehr tragbar", ruft Elke Mäffert in die Menge. Um im gleichen Atemzug zu fordern, die Läden endlich wieder zu öffnen. Man habe den Lockdown satt, meint die 63-Jährige. Dafür bekommt sie Zustimmung aus dem Publikum. Zu den Zuschauern gehören zahlreiche Corona-Kritiker wie Peter Dierich, Steffen Golembiewski oder auch die Initiatoren des sogenannten Zittauer Totenzuges.

Aber auch weitere Zittauer Gastronomen haben sich dazugesellt. So wie Peter Besser, der Wirt vom "Alten Sack" auf der Neustadt, Jens Claus vom "Wirtshaus zur Weinau" oder "KultUhr"-Wirt Thorsten Egg-Selonny, der jüngst ein Protestbanner gegen die schleppend ausgezahlten Corona-Staatshilfen an seiner Gaststätte angebracht hatte. Mittlerweile hat er es wieder entfernt, denn die Hilfen sind angekommen.

Elke Mäffert hat im Februar ebenfalls die November- und Dezemberhilfen komplett erhalten. Auch sie wandte sich zuvor hilfesuchend an die Öffentlichkeit, weil das Geld vom Staat so lange auf sich warten ließ und sie die weiter anfallenden Fixkosten kaum noch stemmen konnte. Ende Februar sei dann auch der Antrag auf "Überbrückungshilfe III" gestellt worden, sagt Elke Mäffert. Dabei handelt es sich um staatliche Hilfen für Unternehmen und Selbstständige für corona-bedingte Umsatzeinbußen seit Januar. "Wenn es genauso lange dauert wie bei der November- und Dezemberhilfe, kriegen wir den Zuschuss vielleicht im Mai", meint die "Irish Pub"-Chefin.

Muss die Frühjahrs-Corona-Hilfe zurückgezahlt werden?

Im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 erhielten die Gastronomen ebenfalls Staatshilfe - ausgezahlt wurde diese auch erst nach Wochen des Wartens. Nun könnte es sein, dass sie diese Zuschüsse zurückzahlen müssen. Darauf macht Heiko Winkler vom "Filmriß" aufmerksam. Da die Gastwirte im Sommer 2020 gute Umsätze gemacht haben, sollen sie die zuvor erhaltenen Frühjahrshilfen zurückzahlen. "Mein Steuerberater hat mich vorgewarnt, dass auf jeden Fall eine Rückforderung kommt. Wir wissen nur noch nicht, wie hoch sie sein wird", bestätigt Elke Mäffert.

Heiko Winkler hat wegen der andauernden Zwangsschließung genug Wut im Bauch. "Uns steht das Wasser bis zum Hals", sagt er. Deshalb greift er auch zum Mikrofon, um seinen Ärger laut auszusprechen. "Wenn ihr die Zahlen seht, würde keiner dafür arbeiten", beschreibt er die Situation der letzten Jahre. Er spreche für alle Gewerbetreibenden, sagt Winkler. Man sei finanziell, körperlich und psychisch am Ende. "Lasst uns wieder arbeiten", fordert der "Filmriß"-Chef.

Und das ohne Beschränkungen. Heiko Winkler bezieht sich mit dieser Aussage auf die Gestaltungssatzung der Stadt Zittau, die den Wirten vorschreibt, wie ihre Schirme oder Freisitze auszusehen haben. "Ihr schlachtet die Kuh, die ihr melken wollt", sagt Winkler.

Der Gewerbe- und Tourismusverein "Zittau lebendige Stadt" übergab der Stadtverwaltung eine Stellungnahme mit Vorschlägen, wie die Satzung geändert werden kann. Wie Linken-Fraktionschef Jens Hentschel-Thöricht im Januar andeutete, sollte über die Richtlinie eigentlich im März im Stadtrat diskutiert werden. Ein solcher Beschluss ist nach SZ-Informationen für den März-Stadtrat aber nicht vorgesehen.

Kartoffelsuppe und Würzfleisch in Gläsern

Einige Zittauer Gastronomen bieten einen Abhol- und Lieferservice an, um die Umsatzausfälle etwas auszugleichen. Auch Elke Mäffert startete eine Einkochaktion, bietet unter anderem Kartoffelsuppe und Würzfleisch in Gläsern an. Säfte, Bier und Tonic dürfe sie nicht mehr anbieten - weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. "Obwohl sie noch gut wären, müssen wir sie vernichten", sagt die 63-Jährige. Die Bierfässer wurden Ende Oktober geliefert. "Wir haben sie behalten, weil wir dachten, dass der Lockdown wie im Frühjahr nur acht Wochen dauert. Damals konnten wir die Getränke noch retten. Aber nach viereinhalb Monaten sind sie nun abgelaufen", sagt Elke Mäffert.

Am Ende geht der Eckartsberger Thomas Walde von den Pegida-Freunden mit einer Spardose herum und sammelt für die notleidende Gastronomie. Elke Mäffert ist dankbar, meint aber auch, dass man "eigentlich nicht wie Bettler" dastehen wollte. Ihr sei es um den Protest gegangen.

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