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Heidenau gedenkt diesmal allein

Seit 1996 gibt es auf dem Friedhof eine Veranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus. Auch dieses Jahr - nur etwas anders.

Am 27. Januar wird in Heidenau alljährlich der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
Am 27. Januar wird in Heidenau alljährlich der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. © Daniel Schäfer

Der Ablaufplan war fertig, alle Texte vorbereitet, die Musikstücke ausgewählt. Seit 1996 gab es in Heidenau keinen 27. Januar ohne das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Gegen die Corona-Pandemie hat die Tradition keine Chance und trotzdem wird sie fortgesetzt. Statt sich zur Feier in der Abschiedshalle auf dem Nord-Friedhof zu treffen, werden die Heidenauer dieses Jahr gebeten, individuell zur Gedenkstätte auf dem Friedhof zu gehen und dort ihre Blumen niederzulegen. Dies ist sonst der Abschluss der Veranstaltung.

Ehrenamtspreis für Organisatoren

Die Gedenkveranstaltung ist jedes Jahr konkreten Personen gewidmet. Deren Leben und Wirken wird durch die Mitglieder einer Gruppe vorgestellt. Diese Gruppe besteht aus Menschen ganz verschiedener Überzeugungen, aus Gläubigen und Atheisten, die das gemeinsame Anliegen verbindet. 2018 erhielt die Gruppe für ihr Engagement den Heidenauer Ehrenamtspreis. In diesem Jahr wäre das Ehepaar Johanna und Jochen Klepper vorgestellt worden, die durch die Bedrohungen des Hitler-Regimes in den Tode getrieben wurde.

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Jochen Klepper wurde in Beuthen (Niederschlesien) an der Oder geboren, Johanna stammte aus einer jüdischen Nürnberger Familie und war 13 Jahre älter als er. Jochen Klepper arbeitete als Autor. Schon früh bekamen sie den Antisemitismus zu spüren. Als Johanna und ihre Tochter deportiert werden sollten, entschied sich die Familie in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 für den Freitod durch das Aufdrehen des Gashahns am Küchenherd.

Erinnerung im Internet und auf Tafel

Die Stadt Heidenau arbeitet derzeit an der Umgestaltung ihrer städtischen Internetseite. Auf der soll es dann eine eigene Rubrik mit den Texten zu den jeweiligen Personen des jährlichen Gedenkens geben. Außerdem ist nach einem Beschluss im Stadtrat auf dem Friedhof eine Tafel vorgesehen, die jährlich um den aktuellen Namen ergänzt werden soll. Das Gedenken war von der katholischen Kirchgemeinde 1995/96 initiiert worden. Seit 2001 hat die Stadt die Koordination und Organisation übernommen.

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