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Gedenkstätte Pirna: Lichtblick trotz Corona

Wegen der Pandemie sanken 2020 die Besucherzahlen in der Gedenkstätte Sonnenstein. Gleichwohl gab es erfreuliche Entwicklungen.

Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein: Seit 2000 erinnert sie an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde.
Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein: Seit 2000 erinnert sie an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde. © Daniel Schäfer

Die Corona-Pandemie hat sich im vergangenen Jahr auch erheblich auf die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein ausgewirkt. Nach Aussage von Sprecher Hagen Markwardt sei dies besonders im Rückgang der Besucherzahlen deutlich geworden.

Im Rekordjahr 2019 besichtigten 15.794 Gäste den Gedenkort in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt auf dem Pirnaer Sonnenstein. 2020 kamen hingegen nur 8.519 Menschen, weil die Gedenkstätte coronabedingt mehrere Monate geschlossen war.

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Insbesondere musste die Gedenkstätte im vergangenen Jahr die Führungen für Schulklassen einschränken. Auch das Jubiläum "20 Jahre Gedenkstätte" konnte nicht wie geplant begangen werden. Die aus diesem Anlass im Juni geplante internationale Tagung fiel aus.

Und die Veröffentlichung eines Sammelbandes zu den Forschungen der Gedenkstätte in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten verschiebt sich auf Anfang 2021.

Weiteren Opfern ihren Namen gegeben

Gleichwohl gab es 2020 auch erfreuliche Entwicklungen. So lag die Zahl an Individualbesuchern im Verhältnis zu den Öffnungstagen sogar deutlich höher als 2019.

Auch die im Sommer täglich angebotenen kostenlosen Führungen wurde rege besucht. Im August sei es laut Markwardt sogar möglich gewesen, mit dem passenden Hygienekonzept die Sonderausstellung "Wie konnte es soweit kommen?" zu präsentieren.

Darüber hinaus nutzten die Gedenkstätten-Mitarbeiter den Lockdown, um einige Bereiche zu modernisieren. So konnten Besucher ab Juli das neue Lichtkonzept betrachten, das die historischen Räume besser erfahrbar macht. Außerdem wurde die Medientechnik in den Seminarräumen grundlegend erneuert.

Unterstützt - über das ganze Jahr verteilt - von drei Praktikanten und vier Absolventen eines freiwilligen sozialen Jahres trieb die Gedenkstätte die Arbeiten an den Datenbanken voran und erweiterte die seit 2016 existierende Reihe "Den Opfern ihren Namen geben" um sieben Biografien. Die Hefte können kostenlos erworben werden.

Kooperation mit einer weiteren Gedenkstätte

Kurz vor dem Jahreswechsel stellte die Gedenkstätte überdies eine wichtige Weiche für die Zukunft. In seiner Sitzung am 18. Dezember beschloss der Stiftungsrat der Stiftung Sächsische Gedenkstätten die Übernahme der in Großschweidnitz (Landkreis Görlitz) entstehenden Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer der dezentralen Krankenmorde in dessen Trägerschaft.

Zusammen als "Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein und Großschweidnitz" werden die beiden Orte fortan an die dort im Nationalsozialismus stigmatisieren, ausgegrenzten und ermordeten Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen erinnern.

Das Team der Gedenkstätte hofft nun, sobald wie möglich wieder zahlreiche Gäste begrüßen zu dürfen. Laut Gedenkstätten-Leiter Dr. Boris Böhm zeichne sich für den nächsten Monat zumindest die Option einer eingeschränkten Wiedereröffnung ab.

Tausende Menschen ermordet

Die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein war im Juni 2000 am historischen Ort des organisierten Massenmordes der Nationalsozialisten eingeweiht worden.

In der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt ermordeten die Nationalsozialisten in den Jahren 1940 und 1941 rund 13.720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen. Sie wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde - die sogenannte "Aktion T4" - in einer Gaskammer im Keller der Anstalt umgebracht.

Weiterhin starben an diesem Ort im Sommer 1941 mehr als 1.000 Häftlinge aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern im Rahmen der "Sonderbehandlung 14f13".

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