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Die Holländer aus dem Osterzgebirge

Eine Familie aus den Niederlanden ist bereit, viel Kraft in die Ferienanlage Geisingblick zu investieren. Doch jetzt kommt Corona dazwischen.

Rosalinde Knippers und Johannes Willem Hoogervorst in einem der Ferienhäuser.
Rosalinde Knippers und Johannes Willem Hoogervorst in einem der Ferienhäuser. © Egbert Kamprath

Der Blick auf Geising verschneit langsam. Die Wärme des Kaminofens im Rücken lässt sich leicht dazu denken. „Manche Gäste schlafen zwölf Stunden durch, wenn sie hier ankommen“, sagt Rosalinde Knippers. „Hier ist es so ruhig", sagen die Besucher dann.

Angeheizt hat sie den Kaminofen nicht. Auch wenn die Holländerin einen geschmückten Weihnachtsbaum in die geräumige Wohnküche eines der sieben Ferienhäuschens gestellt hat - so weit reicht ihr Optimismus dann doch nicht.

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Im Sommer kaum Ausgleich für Lockdown-Einbußen

Im Sommer war sie heilfroh, als wieder Gäste kamen. Zwar kaum die bei ihr üblichen Urlauber aus den Niederlanden, dafür mieteten sich erstmals Deutsche ein. Drei Ferienhäuschen haben sie und ihr Mann Johannes Willem Hoogervorst bereits fertig saniert, jedes mit Platz für bis zu sechs Personen, gern auch mit Hunden als Anhang.

Doch schon damals meinte sie, dass es schwer werde, die Einbußen aus dem ersten Lockdown von März bis Juni auszugleichen. Inzwischen hat die Sächsische Aufbaubank ihren Antrag auf Soforthilfe von damals bewilligt - doch dafür musste Rosalinde Knippers erst einmal Einspruch gegen eine Ablehnung erheben.

Sanierung der Häuser stagniert jetzt

Die Novemberhilfe vom Bund ist noch nicht eingetroffen, "und zum Dezember wurde noch gar nichts gesagt. Im Moment leben wir von meinem Einkommen", sagt Johannes Willem Hoogervorst, der bei der Stadt Altenberg als eine Art Hausmeister für alles angestellt ist: "Aber das reicht knapp für den Alltag. Davon können wir nichts in die Häuser investieren."

Insgesamt gibt es sieben davon. Eins sollte dieses Jahr ein Wellness-Bereich werden. Die Saunaecke ist schon fertig. "Davor sollte eine Terrasse mit einem riesigen Holzzuber entstehen, in dem die Gäste auch im Winter baden können", sagt Knippers inmitten von Farbeimern, Dämmplatten und Zementsäcken. "Doch was wir nicht einnehmen, können wir auch nicht ausgeben."

Aus dem Osten Hollands in den Osten Deutschlands

Eigentlich ging der Plan der Familie in den letzten beiden Jahren gut auf. Aus dem ost-holländischen Almelo kommend, hatte sie nach etwas Neuem gesucht: „Ich wollte unbedingt weg von meinem Job bei der JVA“, sagt Johannes Willem Hoogervorst.

Rosalinde Knippers wollte ihren Lebensunterhalt mit ihrer Liebe zu Hunden verdienen - sie hat selbst einen Deutsch Kurzhaar und einen Border Terrier. "Den Ausschlag gab dann unser Sohn", sagt sie: "Als wir die Häuschen im Internet entdeckten, sagte er: 'Los, Mama! Ich will dahin. Lass uns nach Sachsen fahren.'"

Häuser vermüllt, Dächer kaputt

Inzwischen besucht der 14-Jährige die Schule in Geising: "Und er ist es wieder, der uns Mut macht. Handwerklich begabt ist er auch - er kann richtig gut Dach decken", sagt seine Mutter. Denn von den sieben Dächern, die sie 2017 mitsamt der Anlage gekauft hatten, war zunächst kein einziges intakt.

"Wir haben hier auch wochenlang Müll rausgeschafft", sagt Knippers und macht die Tür zu einem der Häuschen auf, die sie noch nicht renoviert haben - der Sperrmüll stapelt sich bis zur Decke. "Ich hatte mich einfach in die Lage verliebt, in diesen Blick, und nicht geschaut, wie schlimm die Häuser sind", sagt Rosalinde Knippers lachend.

Einst gehörte die Anlage drei LPGs aus Brandenburg, die ihren Betriebsangehörigen die sieben kleinen Häuschen als Ferienunterkünfte zur Verfügung stellten, hat Knippers erfahren: „Aber seit 2006 stand alles leer.“

Ferien für Hundebesitzer

In einem der Häuser wohnt die Familie selbst, eins soll ein Wellness-Bereich werden, die anderen sind auch auf die Bedürfnisse von Hundebesitzern ausgerichtet.
In einem der Häuser wohnt die Familie selbst, eins soll ein Wellness-Bereich werden, die anderen sind auch auf die Bedürfnisse von Hundebesitzern ausgerichtet. © Egbert Kamprath

Die sanierten Häuser sind innen erstaunlich hell und geräumig geworden, verfügen neben dem Kaminofen auch über eine Zentralheizung und ein modernes Bad. Außen sind sie mit einem Zaun umhegt, damit miturlaubende Hunde nicht wegrennen können: "Schließlich kommen häufig Rehe aufs Gelände, und die sind richtig frech."

Urlauber aus Belgien, Dänemark und natürlich den Niederlanden kamen in den ersten beiden Jahren, "und alle fanden das Osterzgebirge wunderschön." Knippers musste sich das von den Gästen erzählen lassen: "Selbst haben wir gar keine Zeit, uns was anzugucken." Arbeit, Ausbau und gleichzeitig Gäste betreuen - seit sie in Geising leben, haben sie es kein einziges Mal geschafft, zurück in ihre Heimatstadt zu fahren. Was sie durchaus bedauern.

Glücklich mit Geising

Doch die Familie ist nach wie vor glücklich mit ihrer Entscheidung für Geising: "Hier ist es immer schön, egal ob Frühling oder Winter. Manchmal machen wir hier jeden Tag eine Entdeckung: Was ist das für ein Deckel? Was ist hinter dieser Tür?", sagt Rosalinde Knippers lachend.

Sie ist eine Frohnatur, die sich von den derzeit unvermietbaren Häusern nicht unterkriegen lassen will. Johannes Willem Hoogervorst ist ein Macher: "Wenn man sein Leben ändern möchte, dann muss man etwas tun", sagt er im Hinblick auf seinen aufgegebenen JVA-Job, in dem er in den Niederlanden auch verbeamtet war.

Radweg für die Teplitzer Straße

Draußen hat das Paar eine Lichterkette über drei dicht stehende Fichten gezogen, auch wenn außer ihnen und den anderen Ferienhausbesitzern an der Teplitzer Straße, gleich hinter der Bergarbeitersiedlung, niemand die Lichter sehen wird. „Als wir das erste Mal hier waren, habe ich gleich gesagt: Das wird mein Riesenweihnachtsbaum“, sagt Knippers.

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Doch bei aller Bereitschaft, auf Freizeit zu verzichten und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen - eins hätten sich beide gewünscht: "Ein bisschen mehr Hilfe für Tourismusbetriebe." Und noch etwas wünschen sich die Holländer: Einen Radweg entlang der Teplitzer Straße in die Stadt Geising. "Die Autos hier fahren irre schnell!"

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