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Geisinger Faschings-Trubel trotz Corona

Geising putzt sich auch ohne Umzug heraus. Die Feierlichkeiten sind ins Internet verlagert worden.

Michael Sommerschuh fährt am Sonntag zwar nicht mit dem Prinzenwagen durch Geising, aber trotzdem schmückt er zum Fasching das Haus mit Fahnen und Wimpeln.
Michael Sommerschuh fährt am Sonntag zwar nicht mit dem Prinzenwagen durch Geising, aber trotzdem schmückt er zum Fasching das Haus mit Fahnen und Wimpeln. © Egbert Kamprath

Eins wissen die Geisinger schon immer: Die Faschingzeit ist anstrengend. Seit diesem Jahr wissen sie: Kein Fasching ist noch viel anstrengender. Wobei das ja nicht ganz richtig ist. Schließlich fällt die fünfte Jahreszeit in ihrer 73. Session nicht aus, sondern wurde ins digitale Netz verlegt. Das sorgt für Stimmung in der Hütte, trotz leerer Straßen in Geising.Die vermeintliche Stille täuscht. Hinter den Kulissen wird unter dem Motto: „Der Virus ist uns scheißegal, wir feiern Fasching digital“ ordentlich gewuselt. Große Resonanz gab es auf den Aufruf zum Tanzen des Prinzenwalzers und die Einsendung der dabei entstandenen Videos. Den Auftakt machten die Hoheiten Covid 19. und Corona 1. höchstselbst und immer mehr machten mit.

Als Tanzgrund wurden die außergewöhnlichsten Lokalitäten gewählt, von der Abrissruine des Geisinghofes über das tief verschneite Ufer des Galgenteiches bis zur Hebebühne im Industriehof oder auf dem Kahleberg. 85 Video-Clips liegen bereit und können über die Internetseite des Eisfaschings abgerufen werden. Damit es spannender wird, warten einige noch immer auf ihre Premiere. Zweimal pro Woche wird aktualisiert.

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Michael Sommerschuh freut sich, dass die Aktion so regen Anklang gefunden hat. Bald legt er seine Prinzenkrone wieder ab, für immer, wie er sagt. Eine zweite Saison wird es für ihn und seine Partnerin Constanze Schmidt nicht geben, auch wenn es mit Sondererlass des Elferrates vielleicht möglich gewesen wäre. „Natürlich war es keine Regentschaft, wie sie eigentlich hätte sein sollen. Geisinger Prinzenpaar ist man schließlich nur einmal im Leben und will das natürlich zusammen mit feierndem Volk auskosten“, sagt er.

Auch der Hofnarr hat ein Banner rausgehängt. Geising lässt sich die Faschingsfreude von Corona ganz offensichtlich nicht vermiesen.
Auch der Hofnarr hat ein Banner rausgehängt. Geising lässt sich die Faschingsfreude von Corona ganz offensichtlich nicht vermiesen. © Egbert Kamprath

Das lief bekanntlich diesmal etwas anders. „Doch ich bin froh, dass wir beide uns schließlich entschieden haben. Covid 19. und Corona 1. bleiben sicher in besonderer Erinnerung, hoffentlich allerdings als einmaliges Ereignis. Wir haben Fasching ganz anders begangen, mit virtuellen Mitteln.“ Das sei eine neue Erfahrung. Alle mussten sich erst mal reinfuchsen. Vor allem auch Stefan Straßberger, über dessen Schneidetisch viele Stunden Videomaterial gegangen sind. „Doch es zeigt sich auch, dass man mit Filmen ein ganz eigenes Gestaltungsmittel in der Hand hält“, sagt Michael Sommerschuh. Auf eine andere Art als gewohnt habe der Fasching richtig Spaß gemacht. „Wir haben uns nicht hingesetzt und die Hände in den Schoß gelegt, sondern alles dafür getan, dass das Virus nicht über unsere Tradition siegt.“ Natürlich sei es eine andere Art von Resonanz, wenn die Leute Beiträge klicken, statt wie gewohnt zu klatschen, schildert Michael Sommerschuh, wie die Geisinger den Fasching durch die Coronazeit gebracht haben.

Am meisten fehlt allen die Geselligkeit, ob nun beim gemeinsamen Bau des Prinzenwagens, den Proben oder Saalveranstaltungen. Für die traditionellen Prunksitzungen im Leitenhof gibt es in diesem Jahr virtuellen Ersatz. Die Videoclips dazu sind gedreht und werden über den Fernsehkanal Antenne Geising am Sonnabend, 19.30 Uhr sowie in Altenberg am Sonntag, 19.30 Uhr dem ortsansässigen Publikum gezeigt. Die Idee von der allgemeinen Verbreitung im Internet mussten die Geisinger Narren dagegen aus rechtlichen Gründen wieder verwerfen.

Dem geltenden Lockdown werden sich viele Geisinger auch am Sonntag noch einmal bewusst, wenn sie wehmütig aus dem Fenster schauen auf die leeren Straßen. Normalerweise würde hier das närrische Volk dicht an dicht durch den Ort ziehen. Dieses Jahr nicht.

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Eins haben sich die Geisinger aber nicht nehmen lassen. Viele haben ihre Häuser mit Wimpelketten und Fahnen geschmückt, als gäbe es einen Umzug. So erinnert zumindest der äußere Schein an die frühere Normalität. Angesichts von so viel Engagement der Bürger schaut manch einer auch hinauf ins benachbarte Altenberg, wo ganz real eine Weltmeisterschaft stattfindet. Doch am Stadtbild geht dieses Ereignis weitestgehend schmucklos vorbei.

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