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Genesenen-Impfung sorgt für Verwirrung

Im Frühjahr erkrankte Sven Ehrig an Corona. Neun Monate später gilt er nicht mehr als Genesener - und wollte sich impfen lassen. Das war nicht ganz einfach.

Von Jan Lange
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Sven Ehrig mit dem Nachweis seiner Impfung.
Sven Ehrig mit dem Nachweis seiner Impfung. © Foto: Jan Lange

Sven Ehrig hat noch Antikörper im Blut, wie ein Test Anfang Dezember gezeigt hat. Auf eigene Kosten ließ der Eichgrabener den Antikörpertest beim Medizinisches Labor Ostsachsen durchführen. Es ist anzunehmen, dass noch Immunität gegen das Covid-19-Virus besteht, so das Testergebnis. "Ich wollte es gern wissen", meint der 58-Jährige.

Bei den derzeitigen Corona-Einschränkungen nutzt ihm dieser Nachweis nichts. Als Genesene gelten nur diejenigen, deren Infektion bis zu sechs Monaten zurückliegt. Sven Ehrig erkrankte schon vor neun Monaten. Am 8. März war sein PCR-Test positiv. "Ich hatte nur leichte Symptome, einige Tage meinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren", erzählt er. Nur aufs Weite konnte er länger nicht riechen, sagt Sven Ehrig.

Zu den Genesenen zählt er trotz Antikörper jetzt nicht mehr. Kein Besuch in der Gaststätte, kein Einkauf im Einzelhandel, alles blieb ihm wegen der 2G-Regel verwehrt. Kurzfristig entschied er sich deshalb für eine Impfung. Da seine Corona-Erkrankung mittels eines PCR-Tests bestätigt wurde, ist nur eine Impfdosis erforderlich, um als vollständig geimpft zu gelten.

Zwei halbe oder eineinhalb Dosen?

Da Moderna die längste Schutzwirkung hat, wollte er sich mit diesem Vakzin impfen lassen. So vermerkte er es auch auf dem Anmeldebogen im Zittauer Impfzentrum. "Als ich die Spritze bekam, habe ich nicht noch mal geguckt, was mir gespritzt wird", sagt der 58-Jährige. Schließlich stand auf dem Bogen "1M" für eine Dosis Moderna.

Nach der Impfung wollte er sich den Code für seinen digitalen Impfnachweis geben lassen. Der Mitarbeiter des Impfzentrums konnte ihm aber kein Zertifikat ausstellen, da er angeblich nur eine halbe Dosis bekommen habe. Er wurde erneut zur Impfärztin geschickt, die ihm eine zweite halbe Dosis verabreichte.

Zweifel, ob Sven Ehrig tatsächlich zwei halbe oder vielleicht doch eineinhalb Dosen bekommen hat, räumt der Betreiber des betroffenen Impfzentrums aus. An diesem Tag seien nur halbe Moderna-Dosen vorbereitet gewesen, versichert er. Und betont darüber hinaus, dass jede Person den richtigen Impfstoff und die richtige Impfdosis erhält. "Eben, weil wir im Gegensatz zu vielen anderen Impfstellen immer doppelt kontrollieren, ist der Fall auch sofort aufgefallen", erklärt der Betreiber des Impfzentrums. Dass die Impfung mit zwei Spritzen hintereinander verabreicht wurde, sei zwar nicht üblich, aber unerheblich, da die verabreichte Gesamtmenge entscheidend sei.

Bisher wurden in diesem Impfzentrum bereits mehr als 1.000 Personen geimpft, und dass dank doppelter Prüfung immer im richtigen Maß, weist der Betreiber hin.

Nach der zweiten Impfung erhielt Sven Ehrig auch sein Impfzertifikat. Wieder zu Hause lud er sich die Corona-App auf dem Handy herunter und scannte den Code ein. Zu seiner Überraschung wurde ihm mitgeteilt, dass er erst ab dem 29. Dezember vollständig geimpft sei. Zudem wurde ihm angezeigt, dass er zweimal mit Biontech geimpft wurde. Dabei gilt er nach der Auffrischimpfung sofort als vollständig Geimpfter. Er muss keine Karenzzeit von zwei Wochen abwarten.

Sven Ehrig fuhr zurück zum Impfzentrum. "Sie müssen bei der Erstellung des Dokuments eingeben, dass es sich um einen Genesenen handelt und er einmal geimpft wurde", meint der Eichgrabener. Das Zertifikat wurde ihm noch einmal ausgedruckt.

Zertifikate genau prüfen

Laut dem zweiten Zertifikat war er zwar nun mit Moderna geimpft, als vollständig Geimpfter galt er aber nach wie vor erst ab dem 29. Dezember. Es sei technisch nicht möglich, ein anderes Zertifikat auszustellen, beteuert der Impfzentrum-Betreiber.

Sven Ehrig wurde schließlich in der Johannisapotheke geholfen, die mit dem Impfzentrum zusammenarbeitet. Dort erhielt er das richtige Impfzertifikat. Nun gilt er als vollständig Geimpfter, muss nicht bis nach Weihnachten warten, um wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

"Wer sein Zertifikat nicht überprüft, muss Einschränkungen hinnehmen, die nicht richtig sind", meint Ehrig. Er rät daher jedem Genesenen mit Auffrischungsimpfung seinen Impfnachweis genau zu kontrollieren. Schließlich hängt viel daran, ob man sofort oder eben erst in zwei Wochen vollständig geimpft ist. Bei den derzeit hohen Infektionszahlen kann das im Verdachtsfall Quarantäne und unbezahlte Freizeit bedeuten.

Auch der Betreiber des betroffenen Impfzentrums rät Genesenen, die nur eine Auffrischimpfung erhalten, dass sie sich in diesem besonderen Fall das Zertifikat gleich in einer Apotheke holen, da die Apotheker auf ein anderes System zugreifen können.