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Minister beschließen Impfangebot für Kinder

Die Corona-Impfstoffe von Moderna und Biontech werden für alle Jugendlichen ab 12 Jahren angeboten. Darauf einigten sich die Gesundheitsminister.

Zum Corona-Schutz für den Schulstart nach den Sommerferien sollen Kinder und Jugendliche bundesweit zusätzliche Impfmöglichkeiten bekommen.
Zum Corona-Schutz für den Schulstart nach den Sommerferien sollen Kinder und Jugendliche bundesweit zusätzliche Impfmöglichkeiten bekommen. © dpa/Hendrik Schmidt

Berlin. Zum Corona-Schutz für den Schulstart nach den Sommerferien sollen Kinder und Jugendliche bundesweit zusätzliche Impfmöglichkeiten bekommen. Alle Länder wollen Impfungen für 12- bis 17-Jährige nun auch in den regionalen Impfzentren anbieten wie schon in Arztpraxen möglich. Das beschlossen die Gesundheitsminister am Montag einstimmig. Bundesminister Jens Spahn (CDU) sagte: "Jeder, der will, kann im Sommer geimpft werden. Wir haben genügend Impfstoff für alle Altersgruppen." Ab September sollen Risikogruppen wie Alte und Pflegebedürftige zudem erste Auffrisch-Impfungen bekommen können.

Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, nannte die Angebote für junge Menschen einen "Baustein, um einen sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien zu ermöglichen". Impfzentren, Ärzte und Betriebsärzte mit Angeboten für Angehörige stünden bereit. Auch für junge Erwachsene in Unis und Berufsschulen sollen unkomplizierte Angebote kommen. Wie im Beschluss betont wird, ist bei Impfungen von Kindern und Jugendlichen ärztliche Aufklärung und gegebenenfalls das Ja der Sorgeberechtigten nötig. Die Angebote seien so auszugestalten, dass die "Freiwilligkeit der Annahme" nicht in Frage gestellt werde. Die konkrete Umsetzung vor Ort liegt nun jeweils bei den Ländern.

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Zulassung für Kinder

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte bereits im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna.

In Sachsen hatte bereits in der vergangenen Woche die Sächsische Impfkommission die Corona-Impfung für Kinder ab zwölf Jahren uneingeschränkt empfohlen. In die Bewertung seien Daten aus USA und Israel eingeflossen, hieß es. Die Nutzen-Risiko-Abwägung falle demnach zugunsten der Impfung für diese Altersgruppe aus.

Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung trotz heftigen politischen Drucks bisher jedoch nur vor allem Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden bis zum Wochenende rund 900.000 Kinder zwischen 12 und 17 geimpft.

Die Stiko-Debatte

Über die Rolle der Stiko wird weiter gestritten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte im Deutschlandfunk, sie vertrete in dieser Frage eine "Außenseiterposition". Die wesentlichen Studien zeigten, dass eine "Durchseuchung" mit der Delta-Variante des Coronavirus gefährlicher sei als eine Impfung. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel sagte, die Minister dürften die Stiko-Empfehlungen nicht einfach übergehen. Jugendliche ohne gesundheitliche Vorbelastung bräuchten keine Impfung. Stiko-Chef Thomas Mertens bekräftigte im NDR, es gebe noch zu wenige Daten über mögliche Folgeschäden. Es könne sein, dass die Empfehlung geändert werde. "Aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben."

Der Schulstart

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern begann die Schule am Montag wieder - mit Vorgaben zu Masken in Innenräumen und regelmäßigen Tests, Hamburg folgt am Donnerstag. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte einen "Schutzkokon": "Was noch geht, muss jetzt so schnell wie möglich umgesetzt werden", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe etwa mit Blick auf Lüftungskonzepte, Teststrategien und Luftfilter. Für Impfungen brauche es auch unkonventionelle Wege: "Zum Beispiel durch Impfteams an Schulen und Schulhöfen, für alle, die das wollen."

Die frische Dosis

Fachleute erwarten, dass eine Schutz-Auffrischung zuerst bei Menschen fällig werden dürfte, deren Immunsystem nicht so gut auf eine Impfung anspricht - etwa wegen Alters oder Erkrankungen. Und bei solchen Risikogruppen liegen die Impfungen seit Jahresbeginn schon am längsten zurück. Sie sollen daher nun ab September auch zuerst eine weitere Spritze angeboten bekommen, "in der Regel mindestens sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie": über mobile Teams in Pflegeeinrichtungen und die behandelnden Ärzte für alte und pflegebedürftige Menschen zu Hause. Eingesetzt werden sollen die Mittel von Biontech und Moderna. Ein Auffrischungs-Angebot damit soll auch Menschen gemacht werden, die schon einmal vollständig mit den Mitteln von Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden.

Der weitere Schutz

Auffrisch-Impfstoffe, die neue Virusvarianten wie Delta besser abdecken sollen, sind in Arbeit. Der Charité-Impfexperte Leif Sander erklärte kürzlich, es sei aber auch bei den verfügbaren Impfstoffen mit einem "sehr guten Schutz" und wahrscheinlich deutlich angehobener Immunantwort nach Auffrischung zu rechnen. Zunächst lässt Experten zufolge der Antikörper-Schutz auf den Schleimhäuten nach, weshalb Geimpfte nach einiger Zeit wieder mehr zur Virusverbreitung beitragen könnten. Der Schutz vor schweren Verläufen, gerade bei Gesunden, wird als länger anhaltend eingeschätzt.

Das Impf-Tempo

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Die Erstimpfungen büßen an Geschwindigkeit ein. Mittlerweile haben laut Robert Koch-Institut (RKI) 51,3 Millionen Menschen oder 61,7 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Dosis bekommen. "Allerdings ist Zahl der Erstimpfungen so niedrig wie zuletzt im Februar", schrieb Spahn auf Twitter. "Damals hatten wir nicht genug Impfstoff, das ist heute anders: bitte impfen lassen!" Voll geimpft sind 43,5 Millionen Bürger (52,3 Prozent der Einwohner). (dpa)

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