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Sachsen

Gewalt gegen Sachsens Polizei nimmt zu

2020 hat die Gewalt gegen Polizisten stark zugenommen. Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Beamten als "Prellbock" für den Frust.

Polizisten werden immer häufiger zur Zielscheibe des Corona-Frust, beobachtet die Polizeigewerkschaft.
Polizisten werden immer häufiger zur Zielscheibe des Corona-Frust, beobachtet die Polizeigewerkschaft. © Sebastian Willnow/dpa

Dresden. Die Gewalt gegen Polizisten hat im ersten Jahr der Corona-Pandemie stark zugenommen. Die Zahl der Straftaten, bei denen Widerstand gegen und tätliche Angriffe auf Beamte verübt wurden, stieg 2020 um 15,9 Prozent auf 1503 Fälle, wie das Innenministerium am Donnerstag mitteilte.

2019 gab es 1297 entsprechende Straftaten. Ob es einen Zusammenhang zwischen steigenden Fallzahlen und den staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gebe, vermochte das Ministerium nicht zu sagen. Dazu ließen sich derzeit keine validen Aussagen treffen, hieß es.

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"Der Frust wächst"

"Mich wundert es nicht, dass auch die Pandemie Einfluss auf die ansteigende Gewalt gegen Polizeibeamte hat", sagte dagegen Hagen Husgen, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Sachsen. An der Kriminalstatistik sei klar erkennbar, dass sich die Pandemie bei bestimmten Straftaten abbildet: "Weniger Wohnungseinbrüche, weil Leute zu Hause sind. Weniger Ladendiebstähle, weil Läden geschlossen sind. Mehr häusliche Gewalt, da man sich auf der Pelle hängt und nicht selten auch Alkohol eine Rolle spielt, der nicht mehr in den Kneipen, sondern zu Hause konsumiert wird."

"Und genau da kommen wir ins Spiel", sagte Husgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Leute kämen mit der Dauer der Pandemie und den Einschränkungen immer weniger klar: "Der Frust wächst und die Polizei wird als Prellbock für die Entscheidungen der Bundes- und Länderregierungen genutzt. Ob im privaten Raum oder in der Öffentlichkeit."

Neuster Fall am Mittwoch

Aus verbalen Attacken würden körperliche Angriffe. Dennoch sei nicht zu verkennen, dass die Gewalt auch in den Jahren zuvor schon auf einem hohen Niveau war. "Die Pandemie tut aber ihr Übriges."

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Laut Statistik ist die Zahl der Widerstandshandlungen und Angriffe auf Polizisten seit 2017 ständig gestiegen. Damals waren es 1074 Fälle, 2018 schon 1240. Die Zeitungen der Funke-Mediengruppe hatten am Donnerstag berichtet, dass die Bundesregierung für 2020 mit einem Zuwachs bei Übergriffen auf Polizisten rechnet. In zehn Bundesländern seien die Zahlen gestiegen, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg jeweils um mehr als zehn Prozent, in Berlin sogar um rund 18 Prozent.

Erst am Mittwoch war ein Polizist in Leipzig verletzt worden, als ein 46 Jahre alter Mann auf ihn losging. Der Beamte wurde an der Schulter verletzt und musste ins Krankenhaus. (dpa)

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