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Glashüttes Uhrenfirmen bauen Online-Handel aus

In Zeiten der Pandemie wird das Internet zur Alternative. In den nächsten Wochen geht der nächste Online-Store an den Start.

Entlang der Dresdner und Altenberger Straße in Glashütte, der sogenannten Uhrenmeile, stehen die Gebäude von fast allen Uhrenfirmen.
Entlang der Dresdner und Altenberger Straße in Glashütte, der sogenannten Uhrenmeile, stehen die Gebäude von fast allen Uhrenfirmen. © Archivfoto: Frank Baldauf

Die Corona-Pandemie hat auch den Uhrenfirmen in Glashütte zugesetzt. Über Monate haben weltweit die Fachgeschäfte zu, in denen die hochpreisigen Uhren verkauft werden. Auch diese Branche hat es nicht einfach.

Die Unternehmen Glashütte Original, Union Uhrenfabrik und das Atelier Bruno Söhnle wollten sich zu dem Problem gegenüber Sächsische.de nicht äußern. Die Lange Uhren GmbH hingegen hat sehr ausführlich geantwortet. Und so schätzen die anderen Unternehmen die Lage ein.

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Die Tutima Uhrenfabrik beschreibt den Zustand der Branche als sehr kritisch. "Insgesamt leidet die Branche unter sinkenden Absatzzahlen", sagt Mühle-Chef Thilo Mühle. "2020 war nicht das beste Jahr und 2021 wird wohl nicht besser", erklärt Grossmann-Geschäftsführerin Christine Hutter. Und bei Nomos Glashütte ist man davon überzeugt, dass es nach der Pandemie einige Uhrenmarken nicht mehr geben wird.

Wie beurteilen die Unternehmen das Geschäftsjahr 2020?

Für Mühle lief 2020 zufriedenstellend, sagt der Firmenchef. Sein Unternehmen musste aber die Arbeits- und Geschäftsprozesse ständig justieren, um auf die aktuellen Entwicklungen zu reagieren. Unter den Gegebenheiten sei man sehr zufrieden gewesen. Für den ebenfalls familiengeführten Mitbewerber Tutima lief es 2020 ähnlich. Trotz der Pandemie sei das Vertriebsnetz kontinuierlich ausgebaut worden, sagt Geschäftsführerin Ute Delecate. Bei Nomos Glashütte sind die Umsätze "teils deutlich zurückgegangen", so Sprecherin Alexa Montag. Erst am Jahresende gab es eine hohe Nachfrage. Es sei schwierig geworden, diese zu bedienen. Für die Firma Wempe, die hauptsächlich als Schmuck- und Juwelierhändler, aber auch als Uhrenhersteller arbeitet, lief es 2020 nicht besonders gut. "Wir rechnen mit einem Umsatz deutlich unter dem Vorjahr", sagt Sprecherin Nadja Weisweiler. Gut verkauft wurden aber die Uhren der dritten und damit jüngsten Uhrenlinie. Bei Grossmann Uhren hatte 2020 sehr schwierig begonnen, weil die Firma vor allem in Asien Uhren verkauft. Hinzu kam, dass einige Zulieferer sechs bis acht Wochen geschlossen hatten. Später hat sich das Geschäft normalisiert. "Im Herbst zog die Nachfrage an", so Geschäftsführerin Hutter.

Wie beurteilen die Unternehmen ihre eigene Situation?

Tutima geht es grundsätzlich gut, urteilt die Geschäftsführerin. Problematisch sei aber die temporäre Schließung des Einzelhandels. Auch bei Nomos Glashütte überwiegt der Optimismus. "Wir ist sehr gesund", sagt Sprecherin Montag. Bei Grossmann plant man von Woche zu Woche. "Wir nutzen das Tool Kurzarbeit - so wie andere Unternehmen auch", sagt Firmenchefin Hutter. Ihr Unternehmen produziert auch Teile für andere Firmen. Bei Mühle und Wempe wollte man sich zu dieser Frage nicht äußern.

Was planen die Unternehmen 2021?

Bei Mühle möchte man am Entwicklungsplan festhalten und nur an der Geschwindigkeit der Umsetzung einzelner Projekte regulierend einwirken. Bei der Planung von Messen und Events sei man sehr vorsichtig, so Geschäftsführer Mühle. Sollte die Uhrenmesse Inhorgenta in München im April stattfinden, werde man dort teilnehmen, um zwei neue Uhren vorzustellen. Später sollen weitere Uhren präsentiert werden. Mitbewerber Nomos wird an der virtuell geplanten Messe Watches and Wonders in Genf teilnehmen und dort neue Varianten seiner Klassiker vorstellen. Wempe möchte 2021 fünf neue Uhren auf den Markt bringen. Auch Grossmann plant die Vorstellung neuer Uhren und neuer Werke. Bekannt gemacht werden sollen diese hauptsächlich über Zoom-Meetings mit Fachhändlern und Uhrenliebhabern. An Messen werde man nicht teilnehmen, so Geschäftsführerin Hutter. Bei Tutima möchte man sich noch nicht zu den Plänen äußern.

Welche Rolle soll der Vertrieb über das Internet spielen?

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Nomos betreibt bereits seit Ende 2010 einen Online-Verkauf. Das Geschäft sei international stark gewachsen, sagt Sprecherin Montag. Wempe hat im Dezember 2019 einen Online-Store gestartet. "Die Umsätze mit Schmuck und Uhren sind seitdem stetig gewachsen. Äußerst positiv hat sich der Online-Handel im letzten Weihnachtsgeschäft entwickelt", sagt Sprecherin Weisweiler. Mitte Januar öffnete Mühle seinen Online-Store. "Die ersten Bestellungen sind hier bereits eingegangen", so Mühle. Die Firma Grossmann hatte schon mal einen Online-Store und möchte in den nächsten Wochen einen neuen eröffnen, kündigt Geschäftsführerin Hutter an. Sie geht davon aus, dass sich auch andere Firmen dieser neuen Form des Verkaufs öffnen müssen. "Wir werden davon nicht mehr wegkommen." Tutima äußerte sich nicht zu diesem Thema.

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