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Der Glühwein wird knapp

Auf den Einkaufszetteln für die Feiertage steht auch Alkohol. Der gehört dazu. Schon immer. Doch diesmal werden auch in der Pirnaer Region Probleme befürchtet.

Statt auf dem Weihnachtsmarkt wird Glühwein jetzt zu Hause getrunken. Erst merkt das der Handel, dann die Suchtberatung.
Statt auf dem Weihnachtsmarkt wird Glühwein jetzt zu Hause getrunken. Erst merkt das der Handel, dann die Suchtberatung. © dpa

Ein Gläschen in Ehren - und noch dazu zu Weihnachten - wer will das schon verwehren? Es gehört zum Fest dazu. Das war für die meisten schon immer so. Doch dieses Jahr sind weder Mengen noch Folgen absehbar.

Ein Klient der Pirnaer Suchtberaterin Dagmar Mohn, der in einem Großmarkt arbeitet, erzählte ihr jetzt, der Handel komme kaum mit den Glühweinbestellungen nach. Das allein ist noch kein Indiz für mehr Alkoholkonsum. Schließlich gibt es keine Weihnachtsmärkte, auf denen der Glühwein sonst in Strömen floss. Doch schon im Frühjahrs-Lockdown war mehr Alkohol verkauft worden. Oft wird die Grenze vom Gläschen in Ehren zu Flaschen in Mengen unmerklich überschritten.

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Sachsen im Corona-Rausch

Die Folgen spürt die Suchtberatung Pirna nicht gleich in der ersten Woche nach Weihnachten. "Erfahrungsgemäß kommen die Menschen erst im Januar, wenn sie wieder arbeiten müssen, oder noch später." Wie das in diesem Jahr wird, bleibe abzuwarten. Es gibt bisher keine vergleichbare Situation, auch nicht das Frühjahr.

Zudem dauert es immer wieder Monate, wenn nicht sogar Jahre, bis sich Betroffene der Situation bewusst sind. Auch für Angehörige erfordert der Schritt, Hilfe zu holen, oft eine Überwindung. Feiertage wie eben Weihnachten oder die Zeit des Miteinanderseins können Entscheidungen jedoch auch beschleunigen.

Schon in der Vergangenheit stieg die Zahl der Rauschtrinker in Sachsen stark. Das ergab die Auswertung von Daten durch die KKH, die Kaufmännische Krankenkasse. Sie registrierte voriges Jahr 60 Prozent mehr Behandlungen wegen einer Abhängigkeit, Entzugserscheinungen, eines akuten Rausches oder psychischer Probleme aufgrund von Alkohol als noch zehn Jahre zuvor. Damit liegt Sachsen über dem bundesdurchschnittlichen Plus von rund 37 Prozent. Es wird von etwa 86.000 betroffenen Frauen und Männer ausgegangen. Die Dunkelziffer dürfte allerdings weitaus höher sein, denn die Krankenkassendaten erfassen nur ärztlich diagnostizierte Fälle.

Gefährliche Wochen für Süchtige

Durch die Corona-Krise hat sich die Situation noch einmal zugespitzt: So hat eine von der KKH beauftragte Umfrage bereits gezeigt, dass fast ein Viertel der regelmäßigen Alkoholkonsumenten seit der Pandemie häufiger zur Flasche greift. Auch zur Weihnachtszeit und an Silvester steigt der Alkoholkonsum für gewöhnlich an. Vor allem Menschen, die bereits reichlich Alkohol trinken, laufen in diesen Wochen Gefahr, einmal mehr über die Stränge zu schlagen und in der Folge noch mehr Hochprozentiges zu konsumieren. Bei Ex-Süchtigen ist das Risiko für Rückfälle in der Weihnachtszeit sowie in Krisenzeiten noch einmal höher als sonst.

So viel Alkohol ist verträglich

„Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn gesunde Menschen hin und wieder ein Glas Rotwein zum Essen oder ein kleines Bier trinken, gerade auch an den Feiertagen“, sagt Thomas Große vom KKH-Servicezentrum in Pirna. Allerdings sei es wichtig, die Grenzen im Blick zu behalten. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bewegen sich gesunde Frauen bereits bei mehr als 0,3 Liter Bier und gesunde Männer bei mehr als 0,6 Liter Bier pro Tag in einem gesundheitlich riskanten Bereich. „Egal, ob Mann oder Frau: Mindestens zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein“, sagt Große.

Die Diakonie-Suchtberatung in Pirna auf der Schmiedestraße 2 ist über den Jahreswechsel außer an Heiligabend, Silvester und Neujahr sowie an den Feiertagen geöffnet, das heißt Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr, Freitag bis 15 Uhr. Es wird um telefonische Terminabstimmung unter 03501 528646 gebeten.

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