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Corona: Landkreis Görlitz lockert wieder

Gute Nachrichten zum Start ins Osterwochenende: Weniger Neuinfektionen und mit negativem Test gibt's ab Dienstag wieder mehr Freiräume.

Der Einzelhandel darf mit "Click & Meet"-Konzept wieder öffnen.
Der Einzelhandel darf mit "Click & Meet"-Konzept wieder öffnen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Der Landkreis kam am Gründonnerstag mit einem Ostergeschenk daher: Ab Dienstag wird der kürzlich zurückgenommene Öffnungsschritt wiederum zurückgenommen. Heißt: Tierparks, Kosmetikstudios, Kitas, Sportstätten und Geschäfte mit Click & Meet-Angebot dürfen wieder öffnen. Unter welchen Voraussetzungen das möglich ist und wie die Lage ist:

Inzidenz seit Tagen stabil

Landrat Bernd Lange brachte es im Pressegespräch am Donnerstag schon mit den seit Montag geschlossenen Kitas und Schulen in Verbindung: dass die Zahl der Neuinfektionen stabil bis leicht rückläufig ist. So hat es etwa am Donnerstag 80 Neuinfektionen gegeben, an den beiden Tagen zuvor waren es über 100. Auch in den Kliniken ist Stagnation spürbar. Aktuell gibt es 94 Coronapatienten in den Krankenhäusern, 19 auf Intensivstationen – 30 wären hier die Kapazitätsgrenze. Im Vergleich zu anderen sächsischen Landkreisen sei die Auslastung der Intensivbetten mit 63 Prozent im Landkreis Görlitz aber dennoch niedriger, so Sozialdezernentin Martina Weber.

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Wiederum gibt es aktuell mehr Intensivpatienten im Kreis als beim letzten Mal mit vergleichbarer Inzidenz. Das war im November, als die zweite Welle da war, aber ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hatte. Das mag an den Mutationen liegen, die eben doch schwerere Verläufe heraufbeschwören. Von den 19 Intensivpatienten (Stand Mittwoch) waren zehn zwischen 50 und 70 Jahre alt, neun über 70 Jahre.

Beim Impfen stockt es

"Das sind schon die höheren Altersgruppen, deshalb beobachten wir mit Sorge die Entwicklung beim Impfen“, so Weber. Denn nach wie vor sei die Prioritätsgruppe eins nicht abgeschlossen. Etwa 20 Prozent der über 80-Jährigen sind noch immer ungeimpft. Dazu kommen Menschen mit Behinderung und Pflegestufe, die ebenfalls alle in Gruppe eins gehören. Deshalb stehen aktuell auch zwei Awo-Behinderteneinrichtungen in Löbau sowie ein Wohnbereich eines Pflegeheimes noch unter Quarantäne. „Die Altenpflegeheime sind keine Hotspots mehr“, sagt Martina Weber aber auch.

Insgesamt gab es im Landkreis bislang 23.592 Erstimpfungen und 15.889 Zweitimpfungen. Das bedeutet: Erst 6,6 Prozent der Einwohner sind vollständig geimpft, 16,1 Prozent haben zumindest die Erstimpfung bekommen. Vor allem mit Blick auf die immer dramatischere Lage in Polen und die vielen Berufspendler müsse hier schnellstens mehr Schutz her, so die Kreisverwaltung. Landrat Lange fordert dringend, den für Grenzregionen zugesagten zusätzlichen Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Bis jetzt sei davon noch nichts zu sehen. Deshalb hat der Landkreis noch einmal nach Dresden geschrieben. Erste Reaktion: Nach Ostern soll der Landkreis mit mehr Impfstoff für die Modellpraxis versorgt werden. „Wir wissen aber nicht, ob das für die eine bekannte Modellpraxis gilt oder für andere auch. Wir wollen ja weitere einrichten.“

Wer wieder öffnen darf

Trotz dieser Entwicklungen und einer Inzidenz Ende 100, Anfang 200, soll es ab Dienstag wieder mehr Freiheiten im Landkreis geben. Denn die neue Richtung auf Bundes- und Landesebene kommt auch im Landkreis an: Es wird nicht mehr alles an der Inzidenz gemessen, sondern an der Belegung der Krankenhausbetten mit Coronapatienten, speziell der Intensivbetten.

Grundvoraussetzung für die Öffnungen sind allerdings Terminbuchungen und tagesaktuelle negative Coronatests. Öffnen dürfen nun genau all jene Einrichtungen, die mit Überschreiten der 100er Inzidenz kürzlich wieder schließen mussten. Wichtig ist, dass die Kundenanzahl in Ladengeschäften (Click & Meet) auf höchstens einen Kunden pro angefangene 40 Quadratmeter Verkaufsfläche begrenzt ist – mit Dokumentation für die Kontaktnachverfolgung.

Auch die Kitas dürfen ab Dienstag wieder öffnen, hier müssen sich die Erzieherinnen regelmäßig testen. Die Tests sind am Donnerstag beim Landratsamt eingetroffen und werden übers Osterwochenende in den Kitas verteilt. Kinder unter sieben Jahren werden weiterhin nicht getestet. Diese Entscheidung fiel, obwohl der Landrat die Kinder in den Schulen und Kitas eindeutig als Infektionstreiber sieht. Die Zahlen würden das belegen: 73 Fälle seien aus Schulen gemeldet worden, 50 aus Kitas. Unter den 73 Fällen an Schulen seien 62 Schüler und elf Lehrer gewesen. Bei den Kitas wurden 31 Kinder und 19 Erzieher positiv auf Corona getestet. „Ich kann das deswegen nicht nachvollziehen, dass Manche das so abtun“, so Bernd Lange.

Grund zum Jubeln haben die vielen Nachwuchsfußballer und andere Sportler: Bis zu 20 Kinder dürfen draußen wieder zusammen trainieren. Das gilt nun auch für Jugendliche bis 18 Jahre.

All diese Lockerungen sind zwar inzidenzunabhängig, dennoch sind sie nicht in Stein gemeißelt. Sobald die Belegung der Normalbetten sachsenweit 1.300 überschreitet, werden Lockerungen wieder zurückgenommen.

Wo man sich testen kann

Ganz klar: Die Testungen liegen in der Hand von Einrichtungen, Veranstaltern oder jedem selbst. Wer zum Frisör oder zur Kosmetik möchte, muss sich vorher selbst um einen Schnelltest kümmern. „Die Infrastruktur steht“, sagt der Landrat – und meint damit Apotheken und immer mehr Testcenter. Erst am Gründonnerstag etwa eröffnete der Görlitzer Arzt Henry Hedrich eins an der Joliot-Curie-Straße, die Malteser haben sich im Görlitzer Hotel „Zum Goldenen Strauß“ eingemietet und beginnen in den nächsten Tagen mit Testungen. Sozialdezernentin Martina Weber erklärt, dass auch die Selbsttests, die man zu Hause durchführen kann – oder die von Arbeitgebern in den Unternehmen angeboten werden, anerkannt würden.

Landkreis will Modellregion werden

Görlitz wie Tübingen? Viele wünschen sich das, viele Kommunen haben ihre Bereitschaft für mehr Lockerungen bei mehr Testungen signalisiert. Ganz so einfach ist es aber nicht, Modellregion zu werden. Dennoch will sich der Landkreis auf den Weg machen, sobald die Inzidenz noch etwas niedriger ist. „Wir wollen das, wenn, dann alle zusammen als Landkreis machen, nicht einzelne Kommunen für sich“, sagt der Landrat. Aktuell wird an einem Konzept gearbeitet, als wissenschaftliche Begleitung ist die Hochschule Zittau/Görlitz im Gespräch.

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Um die Inzidenz aber zu senken, bedarf es der Mithilfe eines jeden Einzelnen, mahnte Landrat Lange noch einmal dringend – auch mit Blick auf die zahlreichen Protestveranstaltungen, die für das Osterwochenende im gesamten Landkreis angemeldet sind und die ihm ein Dorn im Auge sind. „Das alles beschäftigt uns sehr, die Stimmung ist verdammt mies. Aber ich bin froh, dass die Masse hier noch nicht mitgeht“, so Lange. Diese Leute würden mit dazu beitragen, dass die Lage so ist. „Bei organisierten Protest-Spaziergängen ohne Maske müssten eigentlich alle anderen aufstehen – die, die sich an die Coronamaßnahmen halten.“

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