merken
PLUS Görlitz

Reiseanbieter sehen gute Chancen für Herbsturlaub

Wie Görlitzer Reisebüros von der Pandemie betroffen waren und was sie nun für die Herbstferien erwarten.

Mario Kosubek, Inhaber des Reisebüros Richter in Görlitz, zeigt Reiseziele für den Herbsturlaub.
Mario Kosubek, Inhaber des Reisebüros Richter in Görlitz, zeigt Reiseziele für den Herbsturlaub. © Martin Schneider

Kaum hat die Schule begonnen, sehnen sich jetzt viele zurück in die Ferien und nach Urlaub. Schließlich war in diesem Sommer aufgrund der niedrigen Coronazahlen wieder einiges möglich. Und so schmieden viele schon neue Urlaubspläne. Reisebüros würden sich über neue Buchungen sehr freuen. Denn die Reisebranche war eine der großen Leidtragenden der Corona-Pandemie - und ist es immer noch.

Christian Pawelczyk ist der Inhaber des Reisebüros Christian Reisen in Görlitz. Er berichtet, dass sein Unternehmen Umsatzeinbußen von über 80 Prozent hatte. In manchen Monaten nahm er gar nichts ein. Deshalb musste er seine Mitarbeiter teilweise in Kurzarbeit schicken. Mittlerweile bekommt er Überbrückungshilfe vom Staat. „Meinem Unternehmen hat das extrem geholfen“, sagt Pawelczyk, „teilweise habe ich bis zu 100 Prozent des Ausfalls erstattet bekommen.“

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Mario Kosubek, der Inhaber vom Reisebüro Richter auf der Görlitzer Jakobstraße, stimmt zu: „Ohne staatliche Hilfe wären die Umsatzeinbrüche nicht verkraftbar“. Gleichzeitig gibt er aber auch der Regierung eine Teilschuld an der Situation der Reiseunternehmen. „Appelle an die Menschen, zu Hause zu bleiben oder im Inland zu reisen, haben dafür gesorgt, dass Reisebüros deutlich weniger Buchungen hatten.“ Denn mittlerweile gibt es gute Hygienekonzepte, die Auslandsreisen ermöglichen. Im Sommer gab es zwischenzeitlich sogar starken Andrang im Reisebüro Richter. „Es herrschte eine regelrechte Euphorie: Die Menschen wollen wieder reisen.“

Reisende nehmen Einschränkungen in Kauf

Auch Christian Pawelczyk bemerkt in den letzten drei Wochen einen Anstieg an Kundennachfragen. „Viele nehmen lieber jetzt die Einschränkungen und das Maske tragen in Kauf, als später gar nicht mehr reisen zu können.“ Eine finanzielle Entlastung der Reisebüros bedeutet das aber nicht. Im Vergleich zum Sommer 2019 sind 2020 und 2021 deutlich weniger Menschen verreist. Zahlreiche Urlauber wollten außerdem lieber nur innerhalb Deutschlands reisen. Ohne Unterstützung vom Reisebüro.

Eines bleibt zudem gänzlich unbeliebt: Fernreisen. Diese wurden in Reisebüros häufig storniert. Für einen Rücktritt haben die Kunden sogar Stornierungskosten auf sich genommen. Vor allem bei Flugreisen sind viele noch zögerlich. Im letzten Jahr sind einige Besucher in ihrem Urlaubsort gestrandet, nachdem Flugreisen wegen der Pandemie eingestellt wurden und sie zunächst nicht nach Hause fliegen konnten. Ein Reiseland kann zudem schnell zum Hochrisikogebiet erklärt werden. Wie rasch das geht, sah man in diesem Sommer etwa am Beispiel von Griechenland oder Spanien.

Christian Pawelczyk betont: „Da nehmen Urlauber lieber kaltes Wetter an der Ostsee in Kauf anstatt Quarantäne nach einem Urlaub in der Karibik.“ Auch bei Planungen für Urlaub im Herbst sind viele noch unsicher. Gebucht wird aktuell nur zaghaft. Grund dafür: die drohende vierte Welle, die so mancher Experte schon als begonnen sieht. „Die Deutschen sind von den steigenden Infektionszahlen verunsichert“, erklärt Mario Kosubek. „Viele buchen mittlerweile spontan, um auf aktuelle Entwicklungen schauen zu können“.

Zudem sind zahlreiche Fernziele weiterhin für Touristen nicht geöffnet. Unter anderem gehören dazu die USA oder Thailand. Die Reisebüros erwarten auch deshalb, dass Urlauber im Herbst überwiegend wieder im Inland oder in den Süden Europas reisen werden. Auf die Unsicherheiten der Kunden reagieren sie. Beispielsweise bieten die Reisebüros umfangreiche Beratungen zu den Einreisebestimmungen und zur Coronalage der Urlaubsländer an. Zudem verlangen sie heute nur noch selten Anzahlungen.

Versicherung mittlerweile sehr kulant

Christian Pawelczyk erklärt, dass die Versicherungsagentur Ergo sogar eine Corona-Versicherung anbietet. Bedeutet: Urlauber, die vor oder im Urlaub krank werden, bekommen ihr Geld erstattet. Pauschalreisen können beim Veranstalter bis zu zwei Wochen vorher storniert werden. So können Urlauber auch kurzfristig entscheiden, ob ihnen die Reise zu heikel wird und auf das Pandemie-Geschehen reagieren. Die Reisebüros machen auch darauf aufmerksam, dass Urlauber diese Sicherheiten bei Eigenreisen nicht haben. Fällt beispielsweise der Flug aus, müssen die Reisenden dann die Kosten für das Hotel trotzdem tragen.

Mario Kosubek erwartet, dass im Herbst wieder strengere Regelungen kommen. Gleichzeitig ist er optimistisch: „Schlimmer als im vergangenen Jahr wird es hoffentlich nicht. Reisen für Geimpfte ist zum Beispiel schon entspannter geworden.“

Mehr zum Thema Görlitz