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Britische Mutante im Landkreis SOE

Zwei Patienten der Gottleubaer Klinik sind betroffen. Das Gesundheitsamt verhängt Aufnahmestopp und Abreiseverbot. Über 700 Personen werden getestet.

Jetzt gilt nicht mehr nur ein Besuchsverbot, sondern es darf kein Patient abreisen und es werden keine neuen aufgenommen.
Jetzt gilt nicht mehr nur ein Besuchsverbot, sondern es darf kein Patient abreisen und es werden keine neuen aufgenommen. © Daniel Förster

Die britische Variante des Coronavirus ist im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge angekommen. In der Gottleubaer Median-Klinik wurde sie inzwischen bei zwei Patienten festgestellt. Bei einem dritten handelt es sich um einen noch nicht bestätigten Verdacht. Das Gesundheitsamt des Landkreises hat daraufhin ein Aufnahmestopp für die komplette Klinik verhangen. Gleichzeitig dürfen Patienten, die zur Rehabilitation in der Klinik sind, nicht abreisen.

Betroffen sind die Kliniken für Orthopädie, Psychosomatik, Gastroenterologie und Kardiologie sowie die Klinik für Kinder und Jugendliche. Die ersten beiden infizierten Patientinnen haben die Gottleubaer Klinik bereits am Tag des Testergebnisses Anfang vergangener Woche verlassen. Sie sind keine Bewohner des Landkreises. Der Verdachtsfall ist bei den weiteren Tests ermittelt worden. Es sind die ersten Fälle der britischen Mutation des Corona-Virus im Landkreis, sagt das Landratsamt.

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Klinik hält Entscheidung für überzogen

Acht von neun Orthopäden der Gottleubaer Klinik wurden als Kontaktpersonen einer vermeintlich ebenfalls mit der Virus-Variante infizierten Kollegin in häusliche Quarantäne geschickt. Inzwischen steht fest: Die Medizinerin ist coronapositiv, eine Infektion mit der ansteckenderen britischen Virusform liegt aber nicht vor. Die acht Kollegen sind alle negativ getestet. Trotzdem wurden allesamt in Quarantäne geschickt. Für die Klinik ist das überzogen.

„Wir haben hier mehr als 100 orthopädische Patienten, die dringend medizinischer Behandlung bedürfen“, sagt Dr. André M. Schmidt, Vorsitzender der Median-Geschäftsführung. „Wie sollen wir unter diesen Voraussetzungen unserem Versorgungsauftrag und unserer Verantwortung gegenüber den Rehabilitanden gerecht werden?" Er verweist auf das Robert-Koch-Institut, das empfiehlt, positive Ärzte ohne Symptome zum Wohl der Patienten arbeiten zu lassen. Das heißt dann Arbeitsquarantäne, was bedeutet, die Betroffenen dürfen arbeiten, halten ansonsten aber Quarantäneregeln ein. "Doch hier schickt das Gesundheitsamt mal eben alle nach Hause, obwohl die Tests negativ waren.“

Klinik und Behörde für Wohl der Menschen

Das Gesundheitsamt hat inzwischen alle über 300 Klinikmitarbeiter getestet. Nach den bisher bekannten Ergebnissen wurden drei weitere infizierte Beschäftigte ermittelt, die aber nicht die britische Virus-Variante aufwiesen. Rund 400 Patienten werden in dieser Woche nach und nach ebenfalls getestet. Mit Stand vom Dienstagnachmittag sind insgesamt sechs Personen in der Medianklinik coronapositiv getestet, davon fünf Mitarbeiter und ein Patient. Die Behörde verteidigt ihre Entscheidung unter anderem damit, dass noch nicht alle Testergebnisse vorliegen. Landkreis wie auch Klinik argumentieren mit dem Wohl der Menschen.

Die Klinik kündigte an, rechtlich gegen den Bescheid des Landratsamtsamtes vorzugehen.

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