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Bahratal: Besondere Grenzüberschreitung

In Hellendorf überwanden Deutsche und Tschechen gemeinsam symbolisch die Corona-Grenze. Was lustig gemacht war, hat einen ernsten Hintergrund.

Eine Grenze, zwei Schneemänner und viele, die sich gegenseitig auf diese Weise zeigen, wie sehr sie sich vermissen.
Eine Grenze, zwei Schneemänner und viele, die sich gegenseitig auf diese Weise zeigen, wie sehr sie sich vermissen. © Stephan Messner

In Grenznähe lebt man damit, die Grenze gar nicht als solche wahrzunehmen. Wenn nicht gerade wieder Corona sie allen ins Bewusstsein zurückholt. Diese Erfahrung machen auch die Sportler vom SC Einheit Bahratal-Berggießhübel. Was sonst normal ist, sich mit den tschechischen Nachbarn zu treffen, zu wandern, zu feiern, Fußball zu spielen, Bier zu trinken - alles grad nicht möglich. Kein Wunder, dass man sich vermisst. Darüber kann man klagen - oder man kann eine Aktion starten. So wie die von der Gruppe "Samstage für Nachbarschaft" am Sonnabend an der Grenze in Hellendorf initiierte.

Hier wurde mittels Schneeresten und einer Fahnen-Wimpel-Kette symbolisch die Grenze überwunden. Eine Idee, die auch Thomas Mathe vom SC Einheit Bahratal-Berggießhübel gefiel und der sich freute, eingeladen worden zu sein. Er kramte dann auch noch ein paar Wimpel hervor, auch wenn es nicht die aktuellsten waren.

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"Wir möchten zum Ausdruck bringen, dass uns unsere Freunde, Verwandten, Nachbarn und Kollegen von der Arbeit fehlen. Dafür bauen wir die Schneemänner und erinnern an sie und zeigen damit, dass wir uns auf gute Zeiten und Treffen freuen", sagte Jan Kvapil, der Gründer der Gruppe Soboty pro sousedství - Samstage für Nachbarschaft. Sie entstand im vergangenen Frühjahr, als die Grenzen aufgrund einer Pandemie zum ersten Mal geschlossen wurden.

So lustig die Aktion am Sonnabend war, sie hatte auch einen ernsten Hintergrund. Die Beteiligten wollten zeigen, dass sie die Stigmatisierung grenzüberschreitender Beziehungen nicht mögen. "Auf tschechischer und deutscher Seite stellen wir fest, dass zum Beispiel Pendler als die Schuldigen der Pandemie verantwortlich gemacht werden oder ausländische Hilfe abgelehnt wird, weil wir uns selbst helfen müssen", sagt Kvapil.

Guter Handel: Tee gegen Bier

Die Reaktionen? Durchweg positiv. "Verbundenheit gibt es auch ohne Fußball und trotz Coronavirus", schreibt ein Nutzer auf Facebook. Ein anderer: "Geile Nummer, so sieht Völkerverständigung aus." Auch die Bundespolizei hatte ihre Freude. Statt "Beweisfotos" zu machen, war es auch für sie eine Abwechslung. Und beim Geschenkeaustausch mit Abstand gab es nichts zu beanstanden. Für einen tschechischen Freund wurde seine geliebte Teemischung aus dem Aldi versorgt, und die Bahrataler bekamen eine Kiste Bier.

Alles in allem eine lustige Aktion, sagt Thomas Mathe. Mit der Aktion öffne man zwar die Grenzen nicht, aber man habe gezeigt, wie man sich gegenseitig vermisst." "Und wie uns die derzeitige Situation auf den Beutel geht."

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