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Politik

Wenn Grenzen Familien trennen

Die Grenzen zu Tschechien und Tirol sind wegen Corona weitgehend dicht - und entzweien viele unverheiratete Paare. Die setzen sich nun zur Wehr.

Matthias Müller kann nur mit Abstand auf einem Parkplatz an der Grenze zu Tschechien seinen nur wenige Wochen alten Sohn und seine Freundin Gabriela sehen.
Matthias Müller kann nur mit Abstand auf einem Parkplatz an der Grenze zu Tschechien seinen nur wenige Wochen alten Sohn und seine Freundin Gabriela sehen. ©  dpa/Jan Woitas

Klingenthal/Innsbruck. Nur wenige Minuten fährt Matthias Müller normalerweise vom sächsischen Klingenthal ins tschechische Kraslice (Graslitz). Dort lebt seine Freundin mit dem erst wenige Wochen alten Kind. Der Weg über die deutsch-tschechische Grenze gehört für den 32-Jährigen deswegen zum Alltag. Doch inzwischen ist alles anders. Weil die Grenze wegen der Corona-Pandemie weitgehend geschlossen wurde, kann er nicht mehr zu seiner kleinen Familie nach Tschechien. "Ich hoffe auf eine vernünftige Lösung auf legalem Weg", sagt Müller, dessen Sohn Tobias Anfang Januar zur Welt gekommen ist. Das Schicksal der Familie ist kein Einzelfall.

Seit nunmehr zwei Wochen gelten Grenzkontrollen und Einreiseverbote zu Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol wegen der dort grassierenden Varianten des Coronavirus. Das trifft nicht nur die grenznahe Wirtschaft, sondern auch viele Familien. Bei einigen ist der Frust über die zwangsweise Trennung groß und beschäftigt auch die Justiz. Per Eilantrag suchen Betroffene etwa beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht Hilfe und wehren sich gegen die Regelungen der Quarantäne-Verordnung. Und in einem offenen Brief appellieren binationale Paare: "Es muss (...) erlaubt sein, den/die Liebste(n) sehen zu dürfen!"

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"Das ist unmenschlich."

Beispiel Matthias Müller: Als Selbstständiger hat er im Vogtland ein Maklerbüro mit Mitarbeitern. "Das kann ich nicht einfach zusperren und auf tschechischer Seite bleiben. Außerdem habe ich in Klingenthal auch einen Sohn, um den ich mich kümmern muss." Würde er Freundin und Sohn in Tschechien besuchen, müsste er bei einer Rückkehr für zwei Wochen in Quarantäne - auch bei einem negativen Corona-Test, wie er erklärt. "Das ist beruflich und privat nicht umsetzbar. Hier werden Familien getrennt, das ist unmenschlich."

Jeden Tag meldeten sich weitere Betroffene bei ihm, erzählt er. "Oft sind Kinder im Spiel. Die Situation an der Grenze spitzt sich zu. Ich befürchte, dass die Stimmung bei vielen schnell kippen könnte."

Auch andernorts herrscht Verdruss, etwa bei Lukas Steinegger aus Tirol. Er lebt in Innsbruck, seine Lebenspartnerin Constanze Gabriel in München. Gesehen haben sich beide zuletzt am 13. Februar - einen Tag, bevor die Grenzen geschlossen wurden. Für betroffene Paare wiederhole sich derzeit der "Alptraum" aus dem Frühjahr 2020, sagt er. "Das hat letztes Jahr knapp drei Monate gedauert. Jetzt hoffen wir, dass es nicht wieder so lang wird."

Lukas Steinegger aus Österreich und seine deutsche Partnerin Constanze Gabriel.
Lukas Steinegger aus Österreich und seine deutsche Partnerin Constanze Gabriel. © Heidi Götz/dpa

Steinegger ist einer der beiden Verfasser des offenen Briefes, der derzeit kursiert. "Liebe kennt keine Grenzen", beginnt das Schreiben. Darin wird eine Gleichbehandlung für Paare ohne Trauschein gefordert und eine Einreisemöglichkeit ohne Quarantänepflicht. Wenn nötig, könne eine Registrierung und die Pflicht zur Vorlage eines negativen Corona-Tests vorgeschrieben werden, schlagen die Initiatoren vor. Doch Ausnahmen gelten laut Bundesinnenministerium nur für "Mitglieder der Kernfamilie" von Deutschen, zu der Ehegatten und eingetragene Lebenspartner gehören. Sie müssen gemeinsam einreisen, einen negativen Corona-Test vorweisen und für mindestens fünf Tage in häusliche Quarantäne gehen.

Mit der Forderung nach weiteren Ausnahmen stoßen die betroffenen Paare bei den Behörden auf taube Ohren. Weitere "Ausnahmetatbestände" bei Einreise-Verboten aus Virusvariantengebieten seien derzeit nicht geplant, heißt es aus dem Bundesinnenministerium. Ähnlich äußert sich Sachsens Sozialministerium in Dresden, das sich mit Müllers Fall beschäftigt hat: "Der Freistaat Sachsen wird für den bekannten Fall und ähnliche Konstellationen keine weiteren Ausnahmen in die Sächsische Corona-Quarantäne-Verordnung aufnehmen."

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Müller steht über Handy und Videochat mit seiner Familie auf tschechischer Seite in ständigem Kontakt. Vielen anderen Menschen gehe es ähnlich, manchen sogar noch schlechter, sagt er und zeigt sich kämpferisch: "Wir werden die Trennung von der Familie nicht länger akzeptieren." Er plane eine grenzüberschreitende Demonstration, erzählt er. "Ich rechne mit vielen Teilnehmern." (dpa)

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