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Deutlich weniger Grippe und andere Infektionen

Corona oder Grippe – was ist gefährlicher? Diese Frage scheint jetzt geklärt. Hausärzte warnen jedoch vor Doppelinfektionen.

Corona und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen setzen anderen Infektionskrankheiten zu.
Corona und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen setzen anderen Infektionskrankheiten zu. © Symbolfoto: dpa

Dresden. Mehr als 50.000 Menschen in Deutschland sind bis jetzt an oder mit Corona gestorben. Das sind doppelt so viele wie in der bisher schlimmsten Grippewelle 2017/18. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Während die Anzahl der Coronatoten mit Tests belegt ist, werden die Grippetoten anhand der Übersterblichkeit in einem bestimmten Zeitraum nur geschätzt. Labormedizinische Nachweise gab es 2017/18 für lediglich 1.700 Grippetodesfälle.

Coronaviren sind demnach um ein Vielfaches gefährlicher als die Grippeerreger, sagt Professor Alexander Dalpke, Virologe am Uniklinikum Dresden. Er verdeutlicht das auch anhand der sogenannten Reproduktionszahl – dem R-Wert. Dieser beschreibt, wie viele Menschen von einer infizierten Person im Mittel angesteckt werden. „Bei Corona gehen wir von einem R-Wert zwischen 2 und 3 aus, wobei die neue ansteckendere Mutation noch nicht mit berücksichtigt ist. Der durchschnittliche R-Wert der Grippe liegt bei 1 bis 1,5.“

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Viel weniger Grippe-Fälle

Die Anzahl der Influenzafälle ist in der aktuellen Saison deutlich geriner als im Vorjahr. So meldet das Sozialministerium Sachsen für die Woche vom 11 bis zum 17. Januar 2021 gerade einmal sechs Grippefälle im Freistaat bzw. 32 seit Beginn der Influenzasaison im Oktober. Ein Jahr zuvor gab es in Sachsen in den gleichen Zeiträumen 246 bzw. 713 Grippekranke. Deutschlandweit das gleiche Bild: 334 Grippefällen seit Oktober 2020 stehen 13.500 aus dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gegenüber. Wegen Erkältungsbeschwerden konsultierten etwa 50 Prozent weniger Menschen einen Arzt als 2019.

Dalpke räumt ein, dass auch Doppelinfektionen mit Grippe und Corona beobachtet wurden. „Allein anhand der Symptome lässt sich oft nur schwer unterscheiden, ob der Patient an Corona, an Influenza oder an beidem leidet“, sagt Ingrid Dänschel vom Sächsischen Hausärzteverband. Getestet werde in der Regel aber entweder auf Corona oder auf Influenza, was diese Zahlen relativiere.

„Wir Hausärzte sind sehr froh darüber, dass die Impfbereitschaft gegen Grippe in dieser Saison so hoch war. Denn Doppelinfektionen mit Corona belasten den Körper viel stärker.“ Um den Grippeschutz weiter zu verbessern, könnten Senioren ab Herbst 2021 mit einem wirkverstärkten Impfstoff geschützt werden. Das hat jetzt der Gemeinsame Bundesausschuss entschieden. Denn wegen der nachlassenden Abwehrkräfte bei älteren Menschen kam es in den letzten Jahren auch bei geimpften Personen immer wieder zu Grippeerkrankungen.

Fachleute erklären den aktuellen Rückgang von Grippe und Erkältungen vor allem mit den Corona-Schutzmaßnahmen. „Bei diesen Krankheiten handelt es sich um Tröpfcheninfektionen. Alles, was die Tröpfchen fernhält, vermeidet Ansteckungen“, sagt Dalpke.

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Das gilt auch für andere Infektionskrankheiten, wie die DAK ermittelt hat. So gingen die mit Durchfall und Erbrechen einhergehenden Norovirusinfektionen allein in Sachsen von mehr als 8000 Fällen im Jahr 2019 auf rund 3000 im vorigen Jahr zurück. In Kinder- und Gemeinschaftseinrichtungen verbreiten sie sich oft rasend schnell. Erkrankungen an Windpocken sind seit 2019 um 50 Prozent, an Scharlach um 70 Prozent gesunken. Diese positiven Wirkungen dürften aber nicht über die Schäden hinwegtäuschen, die Kontaktbeschränkungen für die Kinder haben, mahnen Kinderärzte und Psychologen.

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