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Große Nachfrage nach Schwimmkursen

In der Pandemie konnten Kinder im Rödertal nicht schwimmen lernen. Für Grundschüler gibt es nun zusätzliche Angebote. Die sind auch dringend nötig.

Im Radeberger Stadtbad werden Schwimmkurse angeboten. Sie sind restlos ausverkauft.
Im Radeberger Stadtbad werden Schwimmkurse angeboten. Sie sind restlos ausverkauft. © Archivfoto: Thorsten Eckert

Radeberg. In diesen Wochen sieht man sie wieder in den Freibädern. Kleine Menschen, die mit großen Schwimmnudeln durchs Wasser pflügen, nach Ringen tauchen und irgendwann stolz ein Abzeichen in der Hand halten. Das Seepferdchen, leicht aufnähbar auf Badehosen und -anzüge und seit Generationen sichtbares wie stolzes Zeichen für: Seht her, ich kann mich über Wasser halten, zumindest für eine begrenzte Zeit.

Auch im Anfang Juni eröffneten Radeberger Stadtbad werden in den nächsten Wochen Kids ihren Eltern die Seepferdchen-Auszeichnung voller Stolz zeigen. Die Nachfrage nach Schwimmkursen war im Stadtbad enorm. „Alle unsere Kurse sind restlos ausgebucht“, so der Geschäftsführer des Stadtbadvereines, Michael Weber. Der davon erzählt, dass das wieder ein Sommer unter außerordentlichen Bedingungen werden wird. Einer, der dafür sorgt, dass das Badpersonal genau hinschauen wird, wie es mit den Schwimmkenntnissen der Besucher, vor allem der ganz jungen, bestellt ist. Denn die seit mehr als einem Jahr andauernde Pandemie hat dazu geführt, dass auch im Rödertal zunehmend weniger Kinder das Schwimmen lernen konnten.

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Vereinschef: Kinder können immer schlechter schwimmen

Stellt sich die Frage, welche Auswirkungen hat es, wenn bis zu zwei Jahrgänge von Kindern gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen lernen, sich über Wasser zu halten? Stadtbadvereins-Geschäftsführer Weber hatte bereits in Vor-Corona-Zeiten darauf hingewiesen, dass die Schwimmleistungen bei Kindern und Jugendlichen immer schlechter werden. Fehlender Schwimmunterricht und Badschließungen waren da mitverantwortlich. Und auch der Fakt, dass für viele Heranwachsende das Schwimmen nicht attraktiv ist, sie folglich einer Sportart den Rücken kehren, die zwar vorm Ertrinken schützt, aber halt keinen Fun-Charakter hat.

Corona verstärkt diesen Negativtrend. Das weiß man natürlich auch im Ottendorfer Teichwiesenbad. Dort läuft der Badbetrieb in dieser Saison nach Auskunft von Bademeister Freddy Lamm „zufriedenstellend“. Schwimmkurse stehen dort noch nicht auf dem Programm. Es sei noch offen, ob man die in dieser Saison anbieten werde, so Bademeister Lamm. Die Nachfrage sei aber auf jeden Fall da. Lamm, der schon eine Weile im Geschäft ist, erklärt, dass man in dieser Saison noch intensiver auf das schaue, was sich im Schwimmbecken abspiele. „Wir sind da alle total sensibilisiert“, so der Ottendorfer Bademeister. Im Freibad Wachau können noch Kurde gebucht werden und kostenlosen Schwimmunterricht gibt es nach Absprache im Arnsdorfer Karswaldbad.

Schwimmunterricht an Grundschulen verdoppelt

Nach 15 Monaten Pandemie und ausgefallenem Unterricht haben nach Schätzung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) etwa 70.000 Kinder in dieser Zeit nicht gelernt, sicher zu schwimmen. Auch wurden im vergangenen Jahr nur noch rund 14.500 Seepferdchen überreicht, ein Rückgang von über 70 Prozent. Laut DRLG konnte schon vor der Pandemie fast ein Viertel der Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, einfach, weil ihnen keine Bäder zur Verfügung standen. Studien ergaben, dass 2017 rund 60 Prozent der deutschen Grundschüler Nichtschwimmer respektive schlechte Schwimmer sind. Durch die Corona-Krise sind diese Zahlen erheblich angestiegen.

Nach Angaben von Vincent Richter, Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) in Bautzen, wurde am 7. Juni das Schulschwimmen im Landkreis Bautzen für die Klassenstufe 2 an Grundschulen sowie die Klassenstufen 3 und 4 an Förderschulen wieder aufgenommen. Zudem gebe es zusätzliche Angebote, sagt Richter. „Die jetzigen Zweitklässler haben im Herbst des vergangenen Jahres sieben Stunden Schwimmunterricht gehabt. Seit dem 7. Juni bis zum Schuljahresende werden nochmals sieben Stunden erteilt und im neuen Schuljahr bis zu den Herbstferien weitere Schwimmstunden angeboten.“ Es sei beabsichtigt, für diese Kinder zu erheben, wer den schulischen Schwimmunterricht als Nichtschwimmer verlässt und entsprechende außerschulische Schwimmkurse anzubieten oder über Gutscheine zu finanzieren.

Für die jetzigen etwa 1.600 Drittklässler aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz, die den Schwimmunterricht im vergangenen Schuljahr als Nichtschwimmer abgeschlossen haben, sei ein kostenfreies Angebot in den Sommerferien geplant. Entsprechende Informationen würden derzeit an die Eltern versendet. Als das Radeberger Stadtbad Anfang Juni mit dem Badbetrieb startete, habe man, so Michael Weber, die ersten beiden Wochen benötigt, um wieder in den gewohnten Bad-Alltag zu kommen. Einer, der auch in diesem Jahr von der Pandemie und den damit verbundenen behördlichen Auflagen geprägt ist. Die in der jüngsten Vergangenheit öfters für Diskussionen im Eingangsbereich gesorgt hätten, so Weber weiter. Stichwort: Testpflicht. Aber die ist ja nun weggefallen.

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Wenn alles gut läuft, werden sich im Radeberger Stadtbad in den kommenden Wochen rund 80 Kinder über ihr erworbenes Seepferdchen-Abzeichen freuen. Und da auch Kita-Kinder Schwimmunterricht im Stadtbad erhalten, dürfte die Zahl der mit Schwimmgrundkenntnissen vertrauten Kinder in Radeberg bis zum Schulbeginn etwas wachsen. Was ja in diesen Zeiten ein kleiner Lichtblick ist. (mit SZ/db)

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