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Haare schneiden im Akkord

Längere Öffnungszeiten, mehr Mitarbeiter: Friseure im Rödertal arbeiten vor dem Lockdown im Dauerstress. Manche lassen sich für ihre Kunden Besonderes einfallen.

Ansturm in den Frisörgeschäften: Viele Kunden wollen sich noch vor den Feiertagen die Haare schneiden lassen. Für alle, die bis jetzt noch keinen Termin haben, ist das fast aussichtslos.
Ansturm in den Frisörgeschäften: Viele Kunden wollen sich noch vor den Feiertagen die Haare schneiden lassen. Für alle, die bis jetzt noch keinen Termin haben, ist das fast aussichtslos. © Erwin Scheriau/APA/dpa

Radeberg. Die Haare brauchen neue Farbe, der Pony ist zu lang – aber keinen Frisörtermin? Dann wird es bei den meisten auch nichts mehr mit der schicken Frisur in diesem Jahr. Denn in den Friseursalons in Radeberg und Umgebung ist kein einziger Termin mehr zu bekommen.

In seiner Corona-Schutzverordnung hatte der Freistaat Sachsen vor wenigen Tagen festgelegt, dass Friseursalons genauso wie Supermärkte, Drogerien oder Handwerksbetriebe geöffnet bleiben können. Entsprechend haben die Frisörgeschäfte auch fleißig Termine für die letzten Wochen des Jahres vergeben.

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Am Sonntag entschied die Bundesregierung jedoch, ab Mittwoch geht das gesamte Land in einen harten Lockdown, auch Friseure müssen schließen. Alle Kundinnen und Kunden, die sich darauf verlassen haben, noch einen schicken Schnitt zu bekommen, stehen jetzt mit leeren Händen da.

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Es ist unmöglich, alle noch vor der Schließung zu bedienen, sagen die Friseure. „Wir arbeiten bis Anschlag, trotzdem schaffen wir das nicht“, sagt Jeanette Selbig vom gleichnamigen Friseursalon in Radeberg. Zwölf Stunden steht sie an den beiden Tagen am Frisierstuhl. „Wir haben versucht, Termine vorzuziehen. Das ging nur begrenzt. Wir waren ja auch schon Montag und Dienstag voll. Neue Termine konnten wir keine vergeben.“

Annekathrin Kühnert vom gleichnamigen Salon in Radeberg sieht das ähnlich. „Alle Kundinnen und Kunden können wir vor der Schließung nicht abarbeiten. Dazu ist die Zeit einfach zu kurz“, sagt sie.

Kundinnen können Farbe für zu Hause im Salon abholen

Auch im Salon Kunath in Wachau ist erst in den späten Abendstunden Schluss. „Bis 21 Uhr arbeite ich mindestens“, sagt eine Mitarbeiterin. Bei „Annette Friseurbetriebe“ mit mehreren Filialen in Radeberg heißt es: Die Bücher sind voll. Um vor dem Lockdown noch so viele Kunden wie möglich zu bedienen, ist am Montag zusätzlich geöffnet. „Wir haben, so gut es ging, Termine vorgezogen. Mitarbeiterinnen, die normalerweise frei hatten, kommen zusätzlich ins Geschäft. Dennoch schaffen wir nicht, alles abzuarbeiten“, sagt eine Mitarbeiterin.

Einen besonderen Service bietet das Friseurgeschäft Cut Point in Radeberg an. Kundinnen, die sich nur die Haare tönen lassen wollen, können sich die Farbe im Geschäft abholen. „Damit können sie dann zu Hause im heimischen Bad das selbst erledigen“, sagt eine Mitarbeiterin. Ein wirklicher Ersatz für den Besuch beim Friseur sei das freilich nicht.

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Eine andere Friseurin hofft, dass sich Kundinnen in ihrer Not nicht anderswo umschauen und dann dauerhaft zur Konkurrenz abwandern. Eine weitere Befürchtung ist, dass Kundinnen selbst zur Schere greifen und ihre Haare stutzen. „Manchmal ist es dann sehr schwer, wieder einen ordentlichen Schnitt hinzubekommen.“

Erschwert wird die jetzige Situation durch die seit Längerem gültigen Hygieneregeln. So muss zwischen den Kunden ein Mindestabstand eingehalten werden. Das ist meist nur möglich, wenn nur jeder zweite Frisierstuhl besetzt wird. Um sicherzustellen, dass nicht zu viele Kunden zur gleichen Zeit ins Geschäft kommen, müssen selbst in der Herren-Abteilung Termine vereinbart werden. Ein zusätzlicher Aufwand für die Mitarbeiterinnen.

"Die Friseure sind absolut verzweifelt"

Erst Schließung der Friseurgeschäfte im Frühjahr, jetzt der erneute Lockdown, dazu die Auflagen: Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, rechnet deshalb mit einem schwierigen Jahr in der Branche. „Viele verlängerten an den letzten beiden Tagen ihre Öffnungszeiten, um möglichst viele Kunden zu bedienen“, sagte er der Deutschen Presseagentur. Das sei natürlich nicht im Sinne des Erfinders, „aber die Friseure sind absolut verzweifelt“.

Nach seinen Worten ist der Dezember für Friseursalons der umsatzstärkste Monat des Jahres, weil sich gerade kurz vor den Feiertagen viele Menschen die Haare schneiden lassen. „Dieser zweite Lockdown bedroht die Existenzen unseres kleinteiligen Handwerks“, sagt Müller.

Über das gesamte Jahr rechnet der Verband mit Umsatzeinbrüchen von rund 30 Prozent. Um Friseure vor der Insolvenz zu bewahren, müssten die Wirtschaftshilfen jetzt schnell und effektiv fließen. „Beim Friseurhandwerk geht es um Kleinbetriebe. Da ist die Hilfe schon notwendig, um die Miete für das Ladengeschäft zu bezahlen.“ Die Friseure hoffen, dass sie ab Mitte Januar wieder Kunden bedienen können.

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