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Hilferuf der Radeberger Innenstadt-Händler

Die Radeberger Händler haben ganz besonders mit dem Lockdown zu kämpfen. Drei Beispiele - und wie Kunden sie nun unterstützen können.

Thomas Tiebel betreibt die Radeberger Liqueurfabrik an der Hauptstraße. Er darf öffnen, da er einen Paketshop im Laden hat, doch die Zahl der Kunden ist stark zurückgegangen. Er bietet zusätzlich den Versand seiner Waren an.
Thomas Tiebel betreibt die Radeberger Liqueurfabrik an der Hauptstraße. Er darf öffnen, da er einen Paketshop im Laden hat, doch die Zahl der Kunden ist stark zurückgegangen. Er bietet zusätzlich den Versand seiner Waren an. © Christian Juppe

Radeberg. Schließtage im vergangenen Frühjahr, ein entfallenes Weihnachtsgeschäft und auch in diesem Jahr mehrere Wochen geschlossen: Inhaber von Schuhläden, Sportgeschäften oder Buchhandlungen haben jetzt besonders zu leiden. Keine Kunden, kein Einkommen, aber die Kosten laufen weiter. In Radeberg kennt Thomas Tiebel die Sorgen der Händler genau. Er ist selbst Inhaber der Radeberger Liqueurfabrik und im Vorstand des Gewerbevereins tätig.

„Die Stimmung ist katastrophal. Viele Händler bekommen neben Gastwirten den Lockdown am härtesten zu spüren. Seit Wochen können sie nicht öffnen. Es ist diese Ungewissheit, die an die Substanz geht, auch psychisch“, sagt er.

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Sein Geschäft an der Hauptstraße in Radeberg kann er öffnen. „Ich habe einen Paketshop im Laden. Aber auch zu mir kommen deutlich weniger Kunden. Das hat einfach damit zu tun, dass insgesamt weniger Menschen in die Innenstadt kommen. Sie gehen einmal die Woche im Supermarkt einkaufen, das war es.“

Er hat deshalb seine Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt und öffnet verkürzt wochentags von 14 bis 18 Uhr und am Sonnabend von 9 bis 12 Uhr und steht selbst hinter der Kasse.

Händler fürchtet Langzeitfolgen

Für ihn ist unverständlich, dass der Versandhandel weiter verkaufen darf. „Paketboten haben am Tag geschätzt hundert Kontakte. Wir tun alles, damit im Laden sich niemand ansteckt und müssen trotzdem schließen.“ Thomas Tiebel fürchtet mögliche Langzeitfolgen. „Werden Kunden künftig überhaupt noch in die Innenstadt kommen, wo sie sich jetzt daran gewöhnt haben, sich vieles liefern zu lassen? Das wäre verheerend für die Innenstadt.“

Viel Arbeit und wenig Umsatz. So lässt sich die Situation im Reisebüro Moch an der Hauptstraße beschreiben. „Wir haben geschlossen wie die meisten anderen Geschäfte auch, aber viel zu tun“, sagt Inhaber Thomas Moch.

Es sind vor allem Stornierungen von Reisen. „Jetzt habe ich gerade den Teilnehmern einer Nordamerika-Reise Ende Mai abgesagt. Die Auflagen sind zu hoch. Die Fluggesellschaft verlangt, dass alle Reisenden geimpft sind, im Ankunftsland müssen aktuelle Tests vorgewiesen werden und vieles mehr. Dann droht Quarantäne und der Reiseablauf kann nicht mehr gewährleistet werden“, sagt er und fügt hinzu: „Ich bin momentan manchmal mehr Reiseausreder als Reisevermittler.“

Auch sein sehnlicher Wunsch: „Ich hoffe, dass die Radeberger nach dem Lockdown wieder in die Innenstadt kommen und hier Reisen bestellen oder einkaufen.“

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Schwierig ist die Situation bei Peter Schäfer, Inhaber des Sport-Shops in Radeberg. „Wir konnten schon das für uns so wichtige Weihnachtsgeschäft nicht mitnehmen, und jetzt liegt draußen Schnee und wir können immer noch nichts verkaufen. Dabei ist unser Lager voll. Das ist ein Drama.“

Hinzu kommt, dass er demnächst Ware für den Winter 2021/22 ordern müsste. In der Branche gibt es eine lange Vorlaufzeit. „Was soll ich mit der jetzigen Skibekleidung und den Skiern machen? Das ist alles bezahlt und wartet auf Käufer. Wenn jetzt, wie es immer wieder zu hören ist, erst nach Osten wieder geöffnet werden darf, will keiner mehr Wintersachen haben“, sagt er.

Der Radeberger bemängelt die komplizierten Anträge für finanzielle Hilfen des Bundes. „Das ist für uns kaum zu durchschauen. Der Aufwand ist riesig“, sagt Peter Schäfer. Das sieht auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden so. Sie fordert eine schnelle Auszahlung der Hilfsgelder. Gewerbetreibenden, die keine Ansprüche auf die so genannten November- und Dezemberhilfen haben, sollte eine „Überlebenspauschale“ zur Deckung ihrer Betriebsausgaben gezahlt werden. „Die vorhandenen Reserven sind aufgezehrt, Kreditlinien erhöht, Sparmaßnahmen ausgereizt“, sagt Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden.

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Offenbar gibt es jetzt Hoffnung. Die Bundesregierung hat die Hilferufe der Einzelhändler gehört. Gelder sollen unkompliziert ausgezahlt werden, heißt es von Seiten der Regierung. Modehändler, die Winterware wegen der Schließung im Lockdown nicht verkaufen können, sollen den Verlust künftig zu 100 Prozent abschreiben können.

Thomas Tiebel hat einen weiteren Vorschlag, die Radeberger Händler ein wenig zu unterstützen. „Jeder, der etwas für die Radeberger Händler tun möchte, könnte jetzt einen Radeberg Gutschein kaufen und vielleicht zum Geburtstag verschenken. Er kann dann bei den Radeberger Händlern oder Gastwirten eingelöst werden, sobald wieder geöffnet ist. So bleibt die Kaufkraft hier bei uns in der Stadt.“ Die Gutscheine gibt es unter anderem bei ihm in der Liqueurfabrik.

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