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Bautzen hinkt beim Impfen hinterher

Rund ein Drittel der Erwachsenen im Landkreis ist vollständig gegen Corona immunisiert - das sind weniger als im Sachsen-Durchschnitt.

Etwa 77.000 Einwohner des Landkreises Bautzen sind bisher vollständig gegen Corona geimpft.
Etwa 77.000 Einwohner des Landkreises Bautzen sind bisher vollständig gegen Corona geimpft. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Die Impfkampagne gegen Corona nimmt immer mehr Fahrt auf. Erst durften nur die Impfzentren und ihre mobilen Teams die Injektion verabreichen, dann kamen die Hausärzte dazu, danach Betriebsärzte. Ab diesem Freitag gibt es die nächste Neuerung: Jetzt kommen aber auch Kurzentschlossene zum Zug. Doch wie läuft es mit dem Impfen im Landkreis Bautzen?

Kann ich mich jetzt auch ohne Termin impfen lassen?

Ab Freitag kann sich jeder täglich ab 14 Uhr in den Impfzentren Kamenz und Löbau ohne Termin impfen lassen. Zunächst steht für spontane Besucher nur der Impfstoff von Astrazeneca zur Verfügung, der für Personen ab 40 Jahren empfohlen wird. Voraussichtlich ab Mitte kommender Woche ist auch eine Immunisierung mit einem Impfstoff von Biontech oder Moderna ohne Terminbuchung möglich. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) weist aber darauf hin, dass eventuell mit Wartezeiten gerechnet werden muss, da bereits geplante Erst- und Zweitimpfungen Vorrang haben.

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Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

Wer vorher einen Termin buchen möchte, kann diesen über die Hotline des DRK Sachsen unter 0800 0899 089 oder im Internet unter www.sachsen.impfterminvergabe.de tun.

Wie viele Einwohner sind schon vollständig geimpft?

Nach aktuellen Angaben des Landratsamtes sind mehr als 77.000 Einwohner des Kreises Bautzen vollständig geimpft. "Die Zahlen ergeben sich aus den Impfungen der Impfzentren sowie den Impfungen der Hausärzte, die die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen dem Landratsamt in regelmäßigen Abständen übermittelt", teilt eine Sprecherin mit. Die reichlich 77.000 Menschen entsprechen rund 30 Prozent der Landkreis-Bevölkerung über 18 Jahre, hat Sächsische.de errechnet.

Recherchen in anderen Landkreisen ergaben: Kein Landratsamt errechnet die Quote, wie hoch der Anteil der Geimpften an der Gesamtbevölkerung über 18 Jahre ist. Alle verweisen auf das sächsische Sozialministerium. Das Ministerium teilt diese Quote aber nur für den gesamten Freistaat mit - sie liegt bei rund 35 Prozent. Hier hinkt der Landkreis Bautzen tatsächlich um etwa fünf Prozent hinterher.

Wie viele Leute impft das Zentrum in Kamenz pro Tag?

Wenn das Ministerium nicht nach einzelnen Landkreisen unterscheidet, dann weil "es eine freie Wahl des Impfzentrums gibt", erklärt eine Sprecherin. "Das heißt, dass sich zum Beispiel auch Dresdner in Kamenz impfen lassen oder Bürger aus Ostsachsen außerhalb ihres Landkreises in einem anderen Impfzentrum. Die niedergelassenen Ärzte sowie Betriebsärzte und Krankenhäuser impfen in eigener Zuständigkeit und Verantwortung."

Das DRK-Impfzentrum in Kamenz verabreichte bis Anfang dieser Woche insgesamt 96.327 Erst- und Zweitimpfungen, täglich kommen etwa 660 dazu. Damit sei das Kamenzer Zentrum "gut ausgelastet" und liege etwa in der Größenordnung anderer Impfzentren wir Borna oder Belgern, so das Sozialministerium. Große Impfzentren wie in Dresden oder Leipzig schaffen täglich 1.500 bis 1.900 Impfungen.

Wie viele Termine werden nicht wahrgenommen?

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes werden in allen Impfzentren in Sachsen rund 15 Prozent der vereinbarten Termine nicht wahrgenommen.

Bei fünf Prozent der Termine sagen die Betreffenden nicht einmal ab. Ärzte und Schwestern warten also zum vereinbarten Zeitpunkt vergeblich. Zehn Prozent der Termine werden über das Buchungssystem verschoben, verlegt oder storniert. Dies betrifft Erst- wie auch Zweitimpftermine etwa zu gleichen Teilen.

Ist der Kreis Bautzen eine Hochburg von Impfgegnern?

Eine aktuelle Studie zu Corona-Maßnahmen in Sachsen zeigt: In Sachsen im Allgemeinen und im Landkreis Bautzen im Besonderen herrscht eine viel höhere Skepsis gegenüber Corona-Maßnahmen als im restlichen Bundesgebiet.

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Sachsen reduziert die Zahl der Impfzentren ab Juli. Die ländlichen Regionen sollen durch mobile Teams versorgt werden. Auch die Hausärzte spielen eine größere Rolle.

Für die Studie hat das an der Technischen Universität Dresden angesiedelte "Mercator Forum Migration und Demokratie" im Mai 1.008 Sachsen befragt. Demnach gibt es "Regionen beispielsweise in Ostsachsen (...) vor allen Dingen auch im Erzgebirge und im Landkreis Bautzen und Görlitz, wo wir eine viel größere Skepsis bis hin zur Ablehnung von Corona-Beschränkungsmaßnahmen haben", fasst Studienleiter Professor Hans Vorländer das Ergebnis der Untersuchung zusammen, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Für Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) ist aber der Freistaat nicht das Land der Querdenker und Impfskeptiker. "Es gibt sie, aber nicht überdurchschnittlich."

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