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Ein Stück Glück trotz Corona

Viele Görlitzer haben ihre Hochzeit abgesagt oder verschoben. Nicole und Fabrice Türkowsky nicht. Warum sie in der Krise ja gesagt haben.

Ein glücklicher Moment trotz Coronakrise: Nicole und Fabrice Türkowsky haben am 19. September in Görlitz geheiratet.
Ein glücklicher Moment trotz Coronakrise: Nicole und Fabrice Türkowsky haben am 19. September in Görlitz geheiratet. © privat

Eine Hochzeit zu planen, ist ohnehin stressig. Mit Coronakrise ist es noch mal eine Herausforderung mehr. Vor allem wegen der Unsicherheit, erzählt Fabrice Türkowsky. Er und Nicole Türkowsky haben am 19. September in Görlitz geheiratet. Auch wenn sie ein bisschen anders war, als einst geplant: Eine schöne Hochzeit war es, erzählen die beiden Görlitzer.

Starke Nerven und ein bisschen Pragmatismus

Ein reichliches Jahr vorher, weit vor der Coronakrise, hat das Paar mit den Planungen begonnen. Schon damals sei es zum Beispiel gar nicht so einfach gewesen, eine Gastronomie für die Feier zu finden. „Gerade im März und April haben wir dann mitbekommen, dass viele ihre Hochzeit lieber aufs nächste Jahr verschieben wollten.“ Ob Türkowskys, hätten auch sie ihre Hochzeit verschoben, nächstes Jahr noch mal bei einem Restaurant, beim Standesamt und einem Fotografen Termin-Glück gehabt hätten? „Und noch weiter verschieben wollten wir einfach nicht“, erzählt der Industriemeister. Er stammt aus Görlitz, Nicole aus Berlin, sie hat in Görlitz Tourismusmanagement studiert. Während ihres Masterstudiums lernten sich die beiden kennen.

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Ob es nächstes Jahr klappen würde mit einem neuen Termin? Nicole und Fabrice Türkowsky wollten es nicht drauf ankommen lassen. Auch wenn manches anders lief als geplant - sie wollten heiraten und haben geheiratet.
Ob es nächstes Jahr klappen würde mit einem neuen Termin? Nicole und Fabrice Türkowsky wollten es nicht drauf ankommen lassen. Auch wenn manches anders lief als geplant - sie wollten heiraten und haben geheiratet. © privat

"Wir haben gesagt, wir nehmen es wie es kommt"

Allerdings, beim geplanten Datum zu bleiben, brauchte Nerven. Immer wieder bekam das Paar von seinen Gästen Absagen oder wieder Zusagen – je nach Coronalage. „Die Unsicherheit war schon groß“, sagt Fabrice Türkowsky. Würde man überhaupt anreisen und in Görlitz oder Zgorzelec übernachten können? Das Paar hat viele polnische Verwandte, wollte nach der Trauung in Zgorzelec feiern. Im Sommer sah die Lage entspannt aus. Zuletzt aber wuchs mit den Fallzahlen auch wieder die Unsicherheit. „Dann kamen auch immer wieder Gerüchte auf, dass die Grenze geschlossen werden könnte“, erzählen die beiden.

„Unser Vorteil war sicherlich, dass wir relativ entspannt rangegangen sind“, so Fabrice Türkowsky. „Wir haben gesagt, wir nehmen es, wie es kommt.“ Ihre 80 Gäste - hundert wären für eine private Feier erlaubt gewesen - kamen fast alle. „Wir hätten allerdings nicht gewusst, was wir machen, hätten plötzlich nur 50 dabei sein dürfen.“ 30 ausladen - „das hätten wir nicht gemacht. Dann hätten wir wahrscheinlich doch abgesagt. Aber wir hatten Glück.“

Ausladen? Dann lieber absagen

Einige Änderungen gab es aber. 18 Personen dürfen aktuell im Görlitzer Standesamt dabei sein. Nicole und Fabrice Türkowsky beschränkten sich auf Eltern, Geschwister, Trauzeugen - mit Abstand. Danach ließen sie sich kirchlich trauen. Das sei schon ein etwas gewöhnungsbedürftiger Anblick gewesen: alle Gäste gut verteilt in den Reihen der Heilig-Kreuz-Kirche.

Heute wäre es wegen verschärfter Coronaregeln in Polen wahrscheinlich schwieriger, aber vor drei Wochen konnte die Feier in Zgorzelec noch stattfinden. Beispielsweise gab es, um Hygieneregeln einzuhalten, kein Buffet, sondern ausschließlich Bewirtung am Tisch. „Aber das machte sich gar nicht schlecht“, sagt Fabrice. „Wir sind froh, dass wir es durchgezogen haben.“

Entscheidung am Montag - Hochzeit am Donnerstag

Eine turbulente Hochzeitssaison war es für Goldschmied Robert Navratiel. „Es war komplett durcheinander“, sagt er. „Sehr viele haben abgesagt, aber es sind auch viele dazugekommen.“ So hatte die SZ im März ein Paar vorgestellt, das nicht trotz, sondern wegen Corona heiratete, weil ein Partner zur Risikogruppe zählt.

Es war eine Hochzeitssaison, die kopfstand - aber letztlich nicht schlecht war, sagt robert Navratiel, der auf der Hospitalstraße sein Geschäft Juweleria hat.
Es war eine Hochzeitssaison, die kopfstand - aber letztlich nicht schlecht war, sagt robert Navratiel, der auf der Hospitalstraße sein Geschäft Juweleria hat. © privat/Paul Glaser

„Es war ein Paar dabei, das am Montag festgestellt hat, dass es Donnerstag heiraten möchte“, erzählt Robert Navratiel. Passende Ringe noch gefunden? „Natürlich.“ Er hat Paare kennengelernt, die nicht mal einen Fotografen mit ins Standesamt nehmen durften - und dennoch Ja sagten. Genauso lernte er Paare kennen, die sehr traurig waren, dass ein aufwendig geplanter Lebenshöhepunkt nicht so stattfinden konnte, wie geplant. „Wieder andere haben es mit Humor genommen.“ Alles zusammen sei es dennoch keine schlechte Saison gewesen. Und mit Blick auf viele verschobene Hochzeiten nimmt er an: „Nächstes Jahr wird bestimmt auch kein schlechtes.“

Schleppende Brautkleidsaison

Birgit Löbe trifft eine andere Einschätzung. Sie führt das Brautmodengeschäft Hochzeit4you in Görlitz. Jetzt würde eigentlich die Brautkleidsaison fürs nächste Jahr beginnen, erzählt sie. „Aber im Moment ist es wirklich ziemlich flau“, sagt sie.

Birgit Löbe nutzte die Coronakrise für einen Umzug. Auf dem Bild ist sie noch in ihrem früheren Geschäft zu sehen, heute findet man sie auf der Schulstraße.
Birgit Löbe nutzte die Coronakrise für einen Umzug. Auf dem Bild ist sie noch in ihrem früheren Geschäft zu sehen, heute findet man sie auf der Schulstraße. © Archiv: nikolaischmidt.de

„Es ist sehr schwierig.“ Ja, es gab Paare, die standhaft bei ihrem Hochzeitsdatum blieben. Auch Paare, die sich kurzfristig für eine Hochzeit etwa im Dezember entschieden haben. Der größere Teil aber habe abgesagt. Birgit Löbe bietet auch Hochzeitsplanung und Dekoverleih an. Auch das fiel damit weg. Kurzzeitig habe sie gar überlegt, ihr Geschäft ganz zu schließen, sich dann aber doch fürs Weitermachen entschieden - und ist im August umgezogen. Früher war sie in der Berliner Straße zu finden, jetzt in der Schulstraße.

Weniger Hochzeiten - aber mehr spontane

In Zahlen sieht es so aus: In Niesky könnte der Unterschied zum Vorjahr gar nicht so stark ausfallen: 2019 haben sich 41 Paare das Ja-Wort gegeben, erzählt Gertrud Fließbach vom Nieskyer Standesamt. Dieses Jahr waren es bislang 33 Paare - und dieses wie auch kommendes Wochenende stehen noch Hochzeiten im Kalender.

In Görlitz haben sich bis zum 15. September dieses Jahr 188 Paare das Ja-Wort gegeben. Bis zum Jahresende sind noch 60 Termine reserviert, sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Macht insgesamt rund 250 Trauungen in Görlitz. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren. 2019 gab es 315 Eheschließungen, 2018 waren es 362. Im April und Mai dieses Jahres beispielsweise waren 53 Eheschließungen geplant - 20 aber abgesagt oder verschoben.

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Auf der anderen Seite kann Sylvia Otto bestätigen, dass so einige sich spontan entschlossen: „Seit Beginn der Corona-Pandemie werden zeitnahe Eheschließungstermine häufiger nachgefragt.“ Für das kommende Jahr stehen bereits 88 Termine im Kalender.

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