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Warum hast Du nicht Ja gesagt?

Corona verdirbt die Lust aufs Heiraten - aber nicht ganz. Ein Paar, ein Fotograf und eine Organisatorin erzählen ihre Hochzeitsgeschichten.

Die Ringe waren noch in Italien: Ein Grund für eine abgesagte Hochzeit 2020.
Die Ringe waren noch in Italien: Ein Grund für eine abgesagte Hochzeit 2020. © Claudia Hübschmann

Die Liebe schert sich nicht um Corona. Trotzdem war Heiraten 2020 für viele ein Hindernislauf. Die Ja-Frage bezog sich nicht auf das Eheversprechen und die gemeinsame Zukunft, sondern auf die Feier und alles, was damit zusammenhing.

Das Brautkleid noch in Polen, die Ringe noch in Italien, Bockwurst statt Festmenü: Das alles hat Dana Rehwald aus Pirna erlebt.

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Eine Bockwurst am Stand

Als "Hochzeitsperle" organisiert seit etwa acht Jahren Hochzeiten. Sind es sonst bis zu 15 im Jahr, waren es 2020 ganze drei. Alle anderen wurden abgesagt. Jede der drei Eheschließungen hatte ihre eigene Corona-Geschichte. Das erste Paar kam aus Leipzig und wollte im April im Basteihotel feiern. Geblieben ist das Ja-Wort ohne Gäste und eine Bockwurst am Stand. Die zweite Feier war eine freie Trauung. Das heißt, es wurde alles so gefeiert wie geplant, nur dass die standesamtliche Formalität noch fehlt, die aber dann nachgeholt werden soll. Für das dritte Paar organisierte Dana Rehwald spontan einen Sektempfang am Dresdner Elbufer, nachdem ins Standesamt nur zehn Gäste durften.

Dana Rehwald mag etwas andere Hochzeiten wie diese mit dem Ehepaar im etwas anderen Hochzeitskleid und -anzug. Die Hochzeiten 2020 waren auch anders, nur ungewollt.
Dana Rehwald mag etwas andere Hochzeiten wie diese mit dem Ehepaar im etwas anderen Hochzeitskleid und -anzug. Die Hochzeiten 2020 waren auch anders, nur ungewollt. © privat

Und dieses Jahr? Geht es sehr verhalten los. Statt dass sich wie sonst ab November die Kalender von Organisatoren, Fotografen und allen, die rund um die Hochzeiten ihr Geld verdienen, füllen - Leere. Fotograf Thomas Schulz spürt ebenso wie Dana Rehwald die Unsicherheit der Leute. Bei Schulz ist bisher nur der Mai ausgebucht. Bei der "Hochzeitsperle" gibt es eine Hochzeit im Juli, zwei sind noch in der Schwebe und ein Paar, das schon voriges Jahr heiraten wollte, hat ihre Hochzeit jetzt schon auf 2022 verschoben.

Nach der Trauung auf den Gamrig

"Es ist sehr gebremst", sagt Schulz, und das sei durchaus verständlich. Mit dem Gedanken im Nacken, dass dann alles kurz vorher abgesagt werden muss, gelingt eine wirkliche schöne Vorbereitung nicht. Er rät Paaren, die dieses Jahr heiraten wollen, auf den September, Oktober zu schauen. Dann, wenn hoffentlich wieder alle dabei sein können, die dabei sein wollen und sich alle auch so umarmen und drücken können. Zu sehen, wie Maske und Abstand etwas so emotionales wie eine Hochzeit überschatten, bedrückt den Fotografen.

Doppelt außergewöhnlich: Nur zu zweit und mit dem Fotografen nach der Trauung auf den Gamrig.
Doppelt außergewöhnlich: Nur zu zweit und mit dem Fotografen nach der Trauung auf den Gamrig. © Foto: Thomas Schulz

Seine letzte Hochzeit 2020 war kurz vor dem Herbst-Lockdown. Das Heiratsjahr 2020 war auch bei ihn das Jahr der abgesagten Hochzeiten. Einige verschoben ihre Feier auf 2021, andere ließen erstmal ganz die Finger davon. Zwischen Juni und August war hingegen fast ein normales Hochzeitsjahr. Für den Herbst gab es dann noch ein paar kurzfristige Anfragen bei Schulz.

Beliebte Orte für die Trauung - der SZ-Hochzeitsreport

Bad Schandau: Obergrenze für Hochzeitstermine

  • 2020 wurden 53 Ehen geschlossen. 14 Paare sagten ab, fünf verschoben ihre Hochzeiten. Nachdem Bad Schandau 2017 (82) und 2018 (84) einen Hochzeitsboom erlebte, führte der Stadtrat aufgrund der Personalsituation eine Obergrenze ein. Die Grenze liegt nun bei etwa 50 Eheschließungen pro Jahr. Die Folge: Jährlich müssen im Schnitt etwa 40 Anfragen abgelehnt werden.
  • Für 2021 liegen bisher 17 Terminreservierungen vor. Das ist um die Hälfte weniger also sonst im Januar. Für 2022 gibt es noch keine Anfragen Terminreservierungen sind im Schandauer Standesamt ein Jahr im Voraus möglich.
  • Absagen kann man die Eheschließung prinzipiell aus triftigem Grund noch am Tag. Terminänderungen sind nach Absprache mit dem Standesamt immer möglich. Wenn Paare aufgrund der Pandemie ihren Termin verschieben, kommt das Standesamt ihnen bei erneuten Anmeldegebühren entgegen.
  • Bürgermeister Kunack ist seit 2019 Eheschließungsstandesbeamter der Stadt Bad Schandau. Er traute unter anderem am 02.02.2020 im Parkhotel ein Paar.

Heidenau: Corona zum Trotz ist der 12.02.2021 gefragt

  • Das Heidenauer Standesamt hat im vergangenen Jahr 110 Ehen geschlossen. Das war sogar eine mehr als im Jahr davor. 2018 waren es 129.
  • Etwa 15 Paare sagten 2020 ab bzw. hatten sich auf ihre Reservierung hin nicht mehr gemeldet. Drei von ihnen haben ihren Termin auf 2021 verlegt. Es gab aber auch mehrere kurzentschlossene Paare, die sich trotz Corona kurzfristig im doppelten Sinne trauten.
  • Für 2021 liegen in Heidenau bisher 15 Reservierungen für Eheschließungen im Rathaus und 37 für den Barockgarten vor. Als besonderes Datum kristallisiert sich gerade der 12.02.2021 heraus. Termine für den Barockgarten werden ab Juni für das nächste Jahr vergeben, für das Rathaus ab September.

Sebnitz: Entgegenkommen bei den Gebühren

  • Mit 20 Trauungen bleibt Sebnitz 2020 deutlich hinter den Vorjahren zurück. 2019 waren es 27, 2018 sogar 33 und 2017 auch 31. Eine Statistik über Verschiebungen oder Absagen von Trauungen wird in Sebnitz nicht geführt. Es gab jedoch 2020 zwei coronabedingte Verschiebungen.
  • Neun Termine sind in Sebnitz für dieses Jahr reserviert. Letztes Jahr gab es 25 Anmeldungen. 2017 waren es 41, 2018 sechs weniger, 2019 dann 36. Als besondere Tage für Reservierungen werden gern der 11.11. und der 1. April vorgemerkt. Ansonsten greifen Paare gern auf ihr Kennenlerndatum oder einen Geburtstag zurück. Für 2022 gibt es bereits eine Anfrage.
  • Im Sebnitzer Standesamt kann eine Trauung bis drei Tage vor dem Termin abgesagt werden. Gleichzeitig können sich auch Kurzentschlossene trauen lassen.
  • Das Sebnitzer Standesamt erlässt Paaren die Gebühren, wenn coronabedingt durch das Überschreiten der vorgeschriebenen Halbjahresfrist eine nochmalige Anmeldung notwendig ist.

Pirna: Gar kein so schlechtes Jahr

  • Rein zahlenmäßig war 2020 gar kein so schlechtes Heirats-Jahr in Pirna. Die 185 Trauungen sind sogar vier mehr als im Jahr davor, reichen jedoch nicht an die Jahre 2017 und 2016 zurück, als es 235 bzw. 222 Eheschließungen waren. 2018 hatte es einen Rückgang auf 204 gegeben. Und 2020 wäre noch besser gewesen, wenn es nicht 13 Absagen und sechs Verschiebungen gegeben hätte. Das sind die dokumentierten Fälle, es gab auch Stornierungen von Reservierungen, die diese Zahlen nicht beinhalten.
  • Der heiratsfreudigste Monat voriges Jahr in Pirna waren mit jeweils 28 Eheschließungen der August und September, dicht gefolgt von 22 im Juli und 19 im Mai. Die meisten Ja-Worte (166) fielen nach wie vor im Gotischen Trausaal des Rathauses. Im modernen Festsaal des Jagdschlosses Graupa heirateten 19 Paare. Im Landschloss Zuschendorf werden seit 2018 keine Trauungen mehr durchgeführt.
  • Bisher existieren acht Anmeldungen und 70 Reservierungen für 2021. Diese Zahlen sind mit den Vorjahren vergleichbar. In Pirna zeichnet sich derzeit keine Zurückhaltung aufgrund der gegenwärtigen Situation ab. Reservierungen für 2022 werden ab September vergeben. Ab August können Anfragen per E-Mail gestellt werden.
  • Absagen sind auch noch am Tag der vereinbarten Trauung möglich.
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Fotograf Thomas Schulz hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt und will für die Paare mehr als der Fotograf sein.
Fotograf Thomas Schulz hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt und will für die Paare mehr als der Fotograf sein. © privat

Der 48-jährige Pirnaer Thomas Schulz ist im Fotolabor seines Vaters groß geworden und fotografiert seit vier Jahren hauptberuflich Brautpaare. Auch auf den Feiern ist er gefragt. Die Spanne reicht von nur dem Paar bis zu 150 Leuten. Schulz will mit seinen Tipps und dem Fotografieren dazu beitragen, dass der Tag der Hochzeit wirklich der schönste im Leben der Paare und ihrer Gäste wird. Egal, ob in ganz großer Runde oder ganz klein, so wie bei dem Paar, mit dem er nach der Trauung auf den Gamrig wanderte.

Lisa und Stephan Hippel an ihrem großen Tag auf Schloss Weesenstein.
Lisa und Stephan Hippel an ihrem großen Tag auf Schloss Weesenstein. © privat

Lisa und Stephan gehören schließlich zu denen, die es 2020 trotzdem getan haben. Im Juni des Corona-Jahres. Auch wenn nichts so war, wie sie sich ausgedacht hatten. Kein großer Polterabend, keine Hochzeitsreise auf eine Insel weit weg. Statt hundert Gäste nur 30, statt Sansibar Österreich. Erst die Gäste eingeladen, dann wieder ausgeladen. Trotzdem haben sie den Gedanken zum Verschieben der Hochzeit schnell wieder aufgegeben. Sie wollten den Termin auf Schloss Weesenstein nicht verfallen lassen. Mit, trotz, gegen alle Einschränkungen. Schließlich war es unser Tag, sagt Lisa Hippel. Und der Rest soll nachgeholt werden. Am 1. Hochzeitstag 2021. So ist der Plan.

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