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Ist das Tourismusjahr 2021 noch zu retten?

Zum zweiten Mal fiel der Saisonauftakt zu Ostern aus. Olaf Franke von der Marketing-Gesellschaft für die Lausitz über Hoffnungen der Branche - und eine große Sorge.

Besucherandrang im Saurierpark bei Bautzen. Auf Bilder wie dieses hofft die Branche auch in diesem Sommer.
Besucherandrang im Saurierpark bei Bautzen. Auf Bilder wie dieses hofft die Branche auch in diesem Sommer. © Steffen Unger

Bautzen. Die Osterreiter, das Bautzener Eierschieben, die sorbischen Traditionen - mit dem Osterfest startet in der Oberlausitz eigentlich die Tourismussaison. Doch schon im zweiten Jahr in Folge müssen Gaststätten, Hotels und Pensionen in diesem Jahr geschlossen bleiben. Ist das Tourismusjahr 2021 noch zu retten? Olaf Franke ist Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. Sächsische.de hat mit ihm über eine Branche im "Ausnahmezustand" gesprochen.

Herr Franke, schon wieder kein Ostergeschäft. Wie kommen die Hotels und Pensionen in der Oberlausitz damit klar?

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Die Stimmung ist bescheiden, das ist leider nichts Neues. Wir hatten zumindest für den Nah- und Inlandstourismus Hoffnung. Es sah vor sechs Wochen noch gut aus. Wir haben gelernt, in Schüben zu hoffen. und wir haben gelernt, optimistisch zu sein.

Wie wichtig ist das Osterfest für den Tourismus der Region?

Das Osterfest ist das Oberlausitzer Fest. Das hat viel mit den sorbischen Traditionen zu tun, wie den Osterreiter-Prozessionen am Ostersonntag oder dem Verzieren von Ostereiern. Ich glaube, wir tragen zu Recht den Namen "Osterland Oberlausitz".

Wie viele Gäste kommen normalerweise Ostern in die Region?

Das lässt sich schwer zählen. Was aber feststeht: Wir haben in diesen Tagen normalerweise keinen freien Platz in den Hotels und Pensionen der Region - weder in Bautzen noch in der Umgebung. Da reden wir von 15.000 offiziellen Betten und zählen noch nicht die vielen kleinen Anbieter mit. Zu den Reiseaktivitäten, die üblicherweise deutschlandweit über die Osterferien beginnen, kommen bei uns immer die Ostergäste dazu.

Olaf Franke ist Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien.
Olaf Franke ist Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. © SZ/Uwe Soeder

Wie hat sich das Tourismusjahr 2020 nach dem ausgefallenen Ostern im Vorjahr entwickelt?

Die Pandemie trifft alle im Tourismus, sicherlich jene mehr, die ausschließlich vom Tourismus leben. Die Branche ist im beruflichen Ausnahmezustand, alle leben von Zuschüssen und Überbrückungshilfen. Das ersetzt nicht die Ausfälle, die man hat. Jetzt kommt die Jahreszeit, wo man Geld verdienen muss, den Sommerspeck ansetzt, um durch die nicht so guten Jahreszeiten zu kommen. Das sah letztes Jahr schon schwierig aus.

Viele Regionen haben aber vom Inlandstourismus profitiert, da Reiseziele im Ausland wegfielen.

Ja, aber keiner hat sich zum Gewinner erklären können. Die Betroffenheit ist unterschiedlich: Deutschlandweit gingen die Übernachtungen um 40 Prozent zurück, in Sachsen 34 Prozent und in der Oberlausitz 21 Prozent. Diese geringeren Verluste führen wir auf die gestiegene Nachfrage nach Aktivangeboten in der Oberlausitzer Natur zurück - aber auch durch die Angebote im Seenland als Ostsee- und Mittelmeerersatz sozusagen. In Summe sind wir mit geringeren Verlusten durchs Jahr gekommen, trotzdem fehlen auch unserer Region fast 500.000 Übernachtungen - bei sonst zwei Millionen.

Und worauf hoffen Sie für 2021?

2021 ist es noch schwieriger. Wir haben die Sorge, dass kleine Betriebe gerade mit älteren Besitzern nicht mehr öffnen. Wir müssen befürchten, dass der eine oder andere Betrieb aufgibt. An der Branche hängen in unserer Region allein über 6.000 Beschäftigte.

Gibt es denn überhaupt schon wieder eine Nachfrage für den Sommer?

Ja, gerade Wasser- und Familienurlaub liegen hoch im Kurs, auch im Lausitzer Seenland. Die Campingplätze sind stark gefragt. Wir werden im Inland eine gute Nachfrage haben, aber diese Nachfrage wird beileibe nicht die bereits vorhandenen Verluste ausgleichen. Wir müssen die Städte, die Museen, die Freizeitparks und die Gastronomen im Blick haben. Unsere Gäste brauchen diese Angebote, die Urlaub ja erst in Summe erholsam machen. Der Campingplatz alleine ist da nicht ausreichend. Wir, im ländlichen Naturbereich, werden hoffentlich spätestens im Mai wieder zahlreiche Besucher begrüßen können.

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