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So kommt Dresden beim Impfen voran

Fast jedes Dresdner Alten- und Pflegeheim war inzwischen dran. Wie hoch der Zuspruch dort ist und wann neuer Impfstoff für die Zentren kommt.

Derzeit sind die ältesten in Dresden an der Reihe, gegen Corona geimpft zu werden.
Derzeit sind die ältesten in Dresden an der Reihe, gegen Corona geimpft zu werden. © dpa/Friso Gentsch (Symbolfoto)

Dresden. Tausende Menschen sind in Dresden bereits gegen das Coronavirus geimpft worden. Der Anteil der über 80-Jährigen, die nicht in Pflegeheimen leben, ist aber nach wie vor gering. Wie geht es nun weiter? Wann kommt neuer Impfstoff? Wie viele Pflegekräfte haben sich bereits impfen lassen? Und wie wird der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca angenommen?

Wie viele Menschen genau haben in Dresden ihre Corona-Impfung schon bekommen?

In Dresden sind bis einschließlich Donnerstag fast 20.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, darunter 16.253 in den Alten- und Pflegeheimen sowie im Impfzentrum in der Dresdner Messe. Darüber hinaus haben in den beiden größten Kliniken der Stadt mehr als 3.500 Mitarbeiter das Vakzin erhalten. Allerdings konnten noch nicht alle Geimpften einen größtmöglichen Infektionsschutz aufbauen - ihnen fehlt die zweite Dosis. Etwa 12.000 - also rund 60 Prozent - haben diese bisher bekommen.

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Pro Woche werden in den Dresdner Heimen sowie im Impfzentrum aktuell zwischen 2.000 und 3.000 Menschen geimpft, wie aus den Zahlen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem sächsischen Gesundheitsministerium hervorgeht.

Wie lange wird das Impfen in den Heimen noch dauern?

Bis Mitte Februar sollten alle impfwilligen und impffähigen Alten- und Pflegeheimbewohner in Sachsen ihre Erstimpfung erhalten, hatte Gesundheitsministerin Petra Köpping Anfang des Monats angekündigt. Tatsächlich scheint der Zeitplan im Großen und Ganzen aufzugehen: In 52 von 65 Dresdner Heimen haben Bewohner und Mitarbeiter bis Ende vergangener Woche ihre Erstimpfung erhalten.

Einige von ihnen haben schon die zweite Dosis bekommen. Zahlen des Gesundheitsamtes zufolge, handelt es sich um insgesamt 4.795 Alten- und Pflegeheimbewohner. Dem stehen mehr als 6.500 Heimplätze in Dresden gegenüber. Die bisherige Impfquote würde damit bei über 70 Prozent liegen.

Für vier weitere Heime sind Impftermine vereinbart worden. Für die verbleibenden neun Einrichtungen würden diese momentan geplant, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Ein klares Ende der Impfaktion in den Heimen wird es aber kaum geben. Denn in den Heimen ziehen ständig neue Bewohner ein. Deshalb gab es bei einigen bereits eine zweite Runde mit Erstimpfungen.

Wie hoch ist das Interesse bei Pflegeheim-Mitarbeitern?

Bisher haben sich mindestens 2.441 Pflegeheim-Mitarbeiter impfen lassen, so das Gesundheitsamt. Mehr als 4.400 gab es laut Statistischem Landesamt im Jahr 2017. Da inzwischen mehr Einrichtungen dazugekommen sind, dürfte auch die Zahl der Mitarbeiter gewachsen sein. Das heißt, dass bislang nur etwa die Hälfte geimpft wäre.

In den Awo-Heimen liege die Bewohner- und Mitarbeiter-Impfquote bei 60 bis 100 Prozent, je nach Einrichtung, so Sprecher Andreas Szabo. Außenvor seien vorerst nur Beschäftigte und Bewohner gelassen worden, die akut erkrankt sind oder vor Kurzem waren. Generell rät die Sächsische Impfkommission auch zur Impfung, wenn man schon einmal an Covid-19 erkrankt war. Allerdings sollten mindestens vier Wochen seit den letzten Beschwerden vergangen sein, so das Gesundheitsministerium.

Bei den Pflegediensten berichtet das Gesundheitsamt von bislang 463 Geimpften. In diesem Bereich arbeiteten laut Statistikamt zuletzt rund 2.500 Menschen in Dresden. Die äußerst niedrige Quote bestätigte DRK-Sprecher Kai Kranich in dieser Woche. Viele Berufstätige, die Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung haben, seien womöglich gar nicht darüber informiert, dass es speziell für sie freie Termine im Impfzentrum gebe.

Wie wird der Impfstoff von Atrazeneca angenommen?

Bei diesem Impfstoff gibt es zwei Hürden: Einmal darf er in Deutschland nicht Menschen verabreicht werden, die älter als 65 Jahre sind. Für diese Gruppe liegen der Ständigen Impfkommission zufolge zu wenige Informationen über die Wirksamkeit vor. Sie hat daher vorerst abgeraten, Ältere mit diesem Vakzin zu impfen. Die bestellten Impfdosen sollen deshalb der nächsten Gruppe zugute kommen, die höchste Priorität genießt - die Mitarbeiter im Gesundheitssektor. Tatsächlich dürfen Beschäftigte von ambulanten Pflegediensten sowie Ärzte ab sofort nur noch mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft werden.

Auf der anderen Seite reißt die Debatte über die Wirksamkeit bei Jüngeren nicht ab. Laut dem Dresdner Gesundheitsamt verhindere das Astrazeneca-Vakzin eine Covid-19-Erkrankung zu etwa 70 Prozent, während die Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie Moderna eine Wirksamkeit von 95 Prozent hätten. Aus deutschen Kliniken ist deshalb zu hören, dass insbesondere Ärzte und Pflegekräfte den Impfstoff regelrecht ablehnen würden.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Wie viele ambulante Pflegekräfte den Impfstoff in Dresden bereits erhalten haben, ist unklar. Die generell geringe Anzahl der Geimpften aus dieser Branche lässt allerdings vermuten, dass es sehr wenige sein dürften. Und in den Krankenhäusern der Stadt hat bislang nicht ein einziger Mitarbeiter den britisch-schwedischen Impfstoffs erhalten, teilten das Dresdner Uniklinikum und das Städtische Klinikum am Freitag mit.

Das Uniklinikum, das die Dosen auf die Krankenhäuser in der Region verteilt, habe in den vergangenen Wochen gar keinen neuen Impfstoff erhalten, so ein Sprecher zur SZ. In ganz Sachsen wurde das Astrazeneca-Vakzin bis einschließlich Donnerstag nur 1.632-mal geimpft, teilt das Robert-Koch-Institut mit.

Zur Wirksamkeit des Impfstoffs betont das Gesundheitsamt, dass er vielleicht seltener eine Erkrankung komplett verhindere. "Allerdings werden schwere Verläufe zu 100 Prozent verhindert", so Amtschef Frank Bauer. Bei Biontech/Pfizer deuteten die Studien hingegen darauf hin, dass schwere Verläufe lediglich in 75 Prozent der Fälle abgewendet werden.

Was passiert nun mit dem Impfstoff?

Bund und Länder haben sich geeinigt, Erzieher und Grundschullehrkräfte eher zu impfen als zunächst geplant. Das sagte Köpping am Freitag vor laufenden Kameras. Zum Einsatz soll der Astrazeneca-Impfstoff kommen. Die rechtlichen Grundlagen zum Vorziehen der Pädagogen soll nächste Woche gelegt werden, sodass dann zügig mit dem Impfen begonnen werden könne. In Sachsen haben Kitas und Grundschulen in dieser Woche den eingeschränkten Regelbetrieb wieder aufgenommen.

Wie weit sind die Impfungen in den Kliniken vorangekommen?

Das Uniklinikum konnte bisher 2.393 Erstimpfungen und 2.308 Zweitimpfungen verabreichen. Dem stehen allerdings reichlich 4.000 Beschäftigte gegenüber, die noch geimpft werden wollen, heißt es. Am Städtischen Klinikum, zu dem die Krankenhäuser in Friedrichstadt, Trachau und am Weißen Hirsch gehören, sind 1.186 Mitarbeiter zum ersten Mal und 1.124 ein zweites Mal geimpft worden. Weitere 839 wollten gern eine Schutzimpfung, müssten mangels Impfstoff aber warten, so Sprecherin Viviane Piffczyk.

Am Städtischen Klinikum seien bisher ausschließlich Ärzte und Pfleger immunisiert worden, die direkten Kontakt zu Corona-Patienten haben, sowie Beschäftigte, die in sogenannten Hochrisiko-Bereichen arbeiten. Dazu zählen beispielsweise die Onkologie und die Rheumatologie. Dort werden Patienten behandelt, die ein äußerst geschwächtes Immunsystem haben. Eine Corona-Infektion ist für sie lebensbedrohlich, selbst in jungem Alter. Ärzte und Pfleger sind potenzielle Ansteckungsquellen und gehören deshalb ebenfalls zur ersten Impfgruppe.

Am Uniklinikum seien ebenfalls Mitarbeiter geimpft worden, die keine Corona-Patienten versorgen. Dies sei passiert, als es zu viele Impfdosen gab, die innerhalb kürzester Zeit zu verfallen drohten, teilt das Klinikum mit. Der bisher eingesetzte Biontech-Impfstoff hält sich aufgrund seiner Temperatursensibilität nach Anbruch nur drei Stunden. "Allerdings wird grundsätzlich nach einem dezidierten Stufenplan vorgegangen, der vorsieht, dass zuerst Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sensiblen Bereiche geimpft werden", so der Kliniksprecher.

Wann könnte die nächste Impfgruppe drankommen?

Tatsächlich kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag an, dass im März Tempo in die Impfaktion komme. Warum? Zum einen sollen zunehmend mehr Dosen geliefert werden. Zum anderen können in den Impfzentren mehr Termine vergeben werden, wenn die Immunisierung in den Alten- und Pflegeheimen abgeschlossen ist.

Bis die nächste Impfgruppe - die über 70-Jährigen - aufgerufen wird, dürfte es trotzdem noch einige Wochen dauern. Derzeit sind die über 80-Jährigen in den Zentren an der Reihe. Von ihnen konnten bisher aber lediglich 41.160 in ganz Sachsen ein erstes Mal geimpft werden. Knapp die Hälfte hat auch die zweite Impfung erhalten. Zur Einordnung: Allein in Dresden leben mehr als 44.000 Menschen, die 80 Jahre und älter sind.

Laut DRK sollten in dieser Woche in ganz Sachsen 17.700 Termine vergeben werden. Gleichmäßig runtergerechnet auf die sächsischen Impfzentren hatten damit knapp 1.400 Dresdner und Umländer die Chance, sich zum ersten Mal in der Messe impfen zu lassen. Darüber hinaus sollen auch kommende Woche einzelne Termine freigeschaltet werden.

Ab März soll es deutlich mehr Termine geben, so das DRK. Wobei das Bundesgesundheitsministerium für den Biontech/Pfizer-Impfstoff bisher keine Liefermengen für März bekanntgegeben hat. Die nächsten fast 46.800 Dosen sollen nächste Woche in Sachsen eintreffen. Moderna hat bis Ende Februar fast 55.000 zusätzliche Dosen angekündigt, Astrazeneca will bis zum Monatsende 53.000 weitere Dosen liefern. Abzüglich der Dosen für die Zweitimpfung würde das für etwa 77.000 Menschen im Freistaat reichen.

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