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Homeoffice? Nicht in allen Behörden Sachsens

Nur die Hälfte der Angestellten in den sächsischen Behörden arbeitet von Daheim. Das liegt aber nicht nur an der fehlenden Technik.

Warum immer noch viele Angestellte in den Behörden in Sachsen zum Dienst erscheinen, hat unterschiedliche Gründe.
Warum immer noch viele Angestellte in den Behörden in Sachsen zum Dienst erscheinen, hat unterschiedliche Gründe. © Gaetan Bally/KEYSTONE/dpa

Auf Bundesebene debattieren Politiker über eine Pflicht zum Homeoffice. Doch wer fordert, muss auch Vorbild sein. Einige Ämter machen aber einen anderen Eindruck. So scheint für Berliner Verwaltungen die Kontaktbeschränkung im Büro nicht zu gelten. Der Tagesspiegel verwies jüngst auf eine interne Mitteilung im Berliner Rathaus: „Grundsätzlich kommen alle Beschäftigten zur Arbeit.“ Verhält es sich ähnlich in den sächsischen Behörden?

Wer fordert, muss auch handeln

Auf Nachfrage in den sächsischen Ministerien scheint alles in Ordnung. Ob Finanz-, Justiz- oder Wirtschaftsministerium - Sie alle berichten von entsprechenden Vereinbarungen, um die Arbeit am eigenen Küchentisch zu ermöglichen. Technisch seien alle Mitarbeiter ausgestattet, heißt es beispielsweise vom Finanzministerium. Trotzdem arbeitet dort nur die Hälfte der 361 Angestellten von Daheim. Gleiches gilt für die Justiz- und Wirtschaftsministerien sowie die Sächsische Aufbaubank - dort arbeitet auch die Hälfte von Daheim. Was ist mit den anderen 50 Prozent?

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Warum sich nicht alle zuhause über den Schreibtisch beugen, hat verschiedene Gründe. Im Finanzministerium beispielsweise werden die verbleibenden 40 Prozent als betriebsnotwendig eingestuft und haben dem MDR zufolge unter Einhaltung des vorliegenden Hygienekonzeptes im Büro zu arbeiten.

In der Sächsischen Aufbaubank (SAB) arbeitet etwa die Hälfte der Angestellten vor Ort. Nicht jeder Dienst sei im Homeoffice möglich, erklärt Sprecherin Beate Bartsch. Man denke da an Hausmeister, Postboten oder IT-Administratorinnen. Trotzdem können ja nicht 500 der über 1.000 Bankangestellten als Hausmeister oder Postbotin tätig sein.

Fehlende Technik und schlechte Wohnsituation

SAB-Sprecherin Beate Bartsch nennt noch weitere Gründe: "Es gibt auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Beispiel nicht über geeignete häusliche Voraussetzungen im Homeoffice verfügen und deshalb die Arbeit in der Bank bevorzugen." Nicht anders verhält es sich in den Ministerien. Auch dort wird oft darauf verwiesen: Die Angestellten hätten keine geeignete Wohnung oder würden durch Familienangehörige gestört. "Mit Blick auf die Fürsorgepflicht des Dienstherrn und seiner Verantwortung für den Arbeitsschutz seiner Bediensteten hat Homeoffice auch Grenzen", sagt Sprecherin Sandra Jäschke vom Ministerium für Finanzen.

Grenzen - das hat die Heimarbeit. Doch warum diskutieren Politiker über eine Homeoffice-Pflicht, wenn sie selbst an den Behörden nicht vollständig durchführbar ist? Dass in der sächsischen Landesdirektion noch immer fast 900 Mitarbeiter im Büro arbeiten, lässt den Appell der Regierung zu mehr Homeoffice in der Wirtschaft alt aussehen.

Zwar entwickelt auch die Landesdirektion Modelle fürs mobile Arbeiten, doch nur 40 Prozent der 1.370 dort tätigen Mitarbeiter verfügen überhaupt über die technische Ausstattung. Es sei nicht die Arbeitskultur, sondern die fehlende Technik, die Homeoffice in den Behörden erschwere, erklärt Sprecher Frank Zitka, vom Deutschen Beamtenbund der selbst im Homeoffice arbeitet. In den meisten Verwaltungen sei der Digitalisierungsschub auf Kommunal- oder Landesebene bisher ausgeblieben. Das zeigt sich auch in der Dresdner Stadtverwaltung. Dem Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) zufolge verfügen 30 Prozent der 1.751 Amtskollegen über Laptops. Auch in der Leipziger Stadtverwaltung verfügen laut Sprecherin Franziska Schneider 30 Prozent der Mitarbeiter über mobile Geräte, zudem sei es möglich die Bürotechnik zuhause aufzubauen. Doch scheitert es nur am Datenschutz und an der Technik?

Manche wollen offenbar nicht

Bei der Landesdirektion sickert noch etwas anderes durch. "Ferner gibt es Kolleginnen und Kollegen, die nicht zu Hause arbeiten wollen", sagt Sprecherin Linda Simon. Es geht also nicht nur um die Frage, ob Homeoffice von der Ausstattung her möglich ist. Es geht auch darum, ob man es will.

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