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Homeoffice mit Hindernissen

Die Kommunen im Nordkreis sehen diese im Datenschutz – und vor allem in fehlenden technischen Voraussetzungen.

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Symbolfoto © dpa

Homeoffice ist in aller Munde. Vor allem Eltern bleibt wegen geschlossener Kitas und Schulen vielfach gar nichts anderes übrig, um Familie und Job irgendwie in Einklang zu bringen. Noch stehen verbindliche Regelungen von Bund und Freistaat aus. Aber um die Corona-Pandemie weiter einzudämmen, ist unter einigen Bundespolitikern die Rede, Arbeitgeber zu Homeoffice zwingen zu wollen. Dies richtet sich vor allem an die Wirtschaft, schließt aber Verwaltungen nicht aus. TAGEBLATT hat sich umgehört, was das für die Kommunen im Nordkreis bedeutet.

Weißwasser: Viele Tätigkeiten sind aus der Homeoffice-Option ausgeschlossen
In der Stadtverwaltung Weißwasser sind die Referatsleiter angehalten, Homeoffice zu ermöglichen, wenn das in die Arbeitsabläufe des jeweiligen Bereichs passt. Im Gegensatz zu Verwaltungen im Landkreis oder Freistaat sei die Umsetzung aber bedeutend schwerer. „Viele der Tätigkeiten hier sind ausschließlich an die Präsenz der Mitarbeiter gebunden wie im Standesamt, auf dem Friedhof oder bei den Hausmeistern“, erklärt Stadtsprecher Wulf Stibenz. Zudem dürften aus datenschutzrechtlichen Gründen Unterlagen nicht einfach mit nach Hause genommen werden. Insofern seien viele Tätigkeiten mit persönlichen Daten von Bürgern aus der Homeoffice-Option grundsätzlich ausgeschlossen.

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Erschwerend käme in Weißwasser hinzu, dass die technischen Möglichkeiten fürs Homeoffice stark beschränkt sind. „Es gibt weder die Ausstattung mit Laptops und Diensttelefonen, noch die Software, um mit Programmen und Plattformen im Homeoffice breit aufgestellt zu arbeiten“, begründet der Stadtsprecher. Bisher sei nur für wenige Arbeitsplätze eine Lösung gefunden. Diese betrifft die Referatsleiter wie auch einige Mitarbeiter, welche aus gesundheitlichen Gründen so viel wie möglich zu Hause arbeiten sollen.

Eine Teil-Teil-Regelung – vormittags in Präsenz in der Verwaltung und nachmittags im Homeoffice – bringt nicht den gewünschten Erfolg. Darüber sei man sich im erweiterten Corona-Stab der Stadt Weißwasser einig, dem auch die Leiter von Unternehmen und Einrichtungen angehören. Denn das Risiko, sich am Arbeitsplatz anzustecken, ist dann trotzdem vorhanden. In der Stadtverwaltung gelten strikte Hygienevorschriften. Man warte auf Durchführungsverordnungen, um bestmöglich die Vorgaben umzusetzen, so Wulf Stibenz.

Krauschwitz: Erste Voraussetzungen wurden im Februar 2020 geschaffen
Im Homeoffice arbeiten zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Krauschwitz. So schlecht sei man gar nicht aufgestellt, findet Bürgermeister Tristan Mühl (Freie Wähler). „Aus dem Betrieb, aus dem ich komme, habe ich die Erfahrung, dass immer etwas sein kann, dass jemand von zu Hause aus arbeiten möchte“, sagt er. Im Februar 2020 vereidigt, war es – noch vor Corona – einer seiner ersten Schritte, in der Verwaltung die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Noch im Februar wurde Technik dafür angeschafft. Wie richtig das war, zeigte sich schon wenig später, als sich Tristan Mühl im März selber in Quarantäne begeben musste und so von zu Hause aus arbeiten konnte. Zudem wurde mit fünf Laptops begonnen, mobile Arbeitsplätze einzurichten, um Räume flexibel nutzen zu können.

In Krauschwitz weiß man, dass Homeoffice nur bedingt geht, wenn Mitarbeiter viele Akten bewegen müssen. Deshalb arbeite man im Hintergrund daran, Unterlagen einzuscannen. In den Haushalt werde Geld eingestellt, um die Verwaltung weiter technisch fit zu machen. „Homeoffice ist die Zukunft. Es gibt einige Spielregeln, aber unser Feldversuch im vorigen Jahr hat geklappt. Wir werden nicht das Schlusslicht sein“, ist Tristan Mühl überzeugt.

Schleife: Die Corona-Pandemie hat das Thema deutlich vorangetrieben
Bisher sei Homeoffice nie ernsthaft in Erwägung gezogen worden, weil „alle miteinander die Präsenz sehr verinnerlicht hatten“, erzählt Bürgermeister Jörg Funda (CDU). Dennoch hat die Gemeinde Schleife recht schnell reagiert. Aktuell arbeiten fünf Mitarbeiter im Homeoffice. Zudem habe man eine Lösung gefunden, dass auch noch jemand anders zu Hause arbeiten könnte.

Bauabsprachen und Ähnliches werden im Gemeindeamt bereits in Videokonferenzen geklärt, so Jörg Funda. Man arbeite daran, zu den Mitarbeitern aus dem Amt auch die von Zuhause zuschalten zu können. Ab der nächsten Woche sollen im Saal des SKC in die Videokonferenzen auch Planer einbezogen werden. Krankheitsbedingte Ausfälle haben große Lücken in die Verwaltung gerissen, was nicht nur mit Corona zu tun hat. „Ich wünsche allen gute Besserung. Es ist toll, dass die Mitarbeiter, die sich gesundheitlich dazu in der Lage fühlen, trotzdem von zu Hause arbeiten“, betont der Bürgermeister. In Schleife will man sich noch intensiver mit dem Thema Homeoffice befassen. Die Pandemie habe das schon jetzt deutlich vorangetrieben.

Bad Muskau: Für eine generelle Lösung fehlt der Stadt das Geld
Noch kein Mitarbeiter der Stadtverwaltung Bad Muskau habe bisher den Wunsch geäußert, zu Hause arbeiten zu wollen. Insofern sei Homeoffice noch nicht angedacht, sagt Bürgermeister Thomas Krahl (CDU). Es sei aufgrund der räumlichen Bedingungen im Rathaus auch nicht zwingend erforderlich. Der Zugriff auf bestimmte Plattformen sei von Zuhause nicht gegeben, es wäre mit Einschränkungen zu rechnen. „Die Mitarbeiter wollen arbeitsfähig und präsent bleiben. Auch für die Bürger“, sagt er.
Wenn ein Beschäftigter ins Homeoffice möchte, werde die Verwaltung eine Lösung finden. Sollten mehrere den Wunsch haben, wäre die Stadt auf die Schnelle aber nicht in der Lage, die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen. „Natürlich haben wir uns zu dem Thema Gedanken gemacht, auch wie wir es in Zukunft handhaben wollen. Aber der Knackpunkt bleibt unsere finanzielle Lage, die lässt das derzeit nicht zu“, erklärt Thomas Krahl.

Boxberg: Der Breitbandausbau für schnelles Internet kommt Ende 2022
In der Gemeindeverwaltung Boxberg ist die Forderung nach Homeoffice zurzeit nicht umsetzbar. Bürgermeister Achim Junker (CDU) verweist auf das Meldeamt, wo es aus Gründen des Datenschutzes nicht erlaubt sei, dass Mitarbeiter von Zuhause aus auf die Daten zugreifen. Und im Bauamt, wo viele Akten und Pläne bewegt werden, müssten erst einmal die Unterlagen digitalisiert werden. Auch sei die Notwendigkeit für sofortiges Homeoffice nicht gegeben. Fast alle Mitarbeiter im Rathaus Boxberg haben jeweils ein eigenes Zimmer. „Die zwei Räume, die doppelt belegt sind, sind ausreichend groß, um genügend Abstand einzuhalten. Zudem wird Mund-Nasen-Schutz getragen“, so Achim Junker.

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Künftig soll die Möglichkeit, von Zuhause zu arbeiten, in bestimmten Bereichen der Gemeindeverwaltung gegeben werden. Für die Schaffung der technischen Voraussetzungen wären jedoch Fördermittel nötig. Ganz abgesehen davon setzt es den Ausbau des Glasfasernetzes voraus. Boxberg ist mit der Breitbandanbindung für schnelles Internet aber erst Ende 2022 dran.

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