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Darum geht Homeoffice nicht überall

Selbst in den Behörden in der Region Döbeln kann oft nur ein Teil der Mitarbeiter von zu Hause aus Arbeiten. Die Gründe dafür sind verschieden.

Klingt einfacher, als es ist: Arbeiten von zu Hause aus. Trotz Bürotätigkeit ist das auch für Behörden in der Region Döbeln kaum umsetzbar.
Klingt einfacher, als es ist: Arbeiten von zu Hause aus. Trotz Bürotätigkeit ist das auch für Behörden in der Region Döbeln kaum umsetzbar. © dpa

Region Döbeln. Da ist sie nun, die Pflicht zur Arbeit im Homeoffice. Zunächst bis zum 15. März sollen so viele Arbeitgeber wie möglich ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten lassen. Nur wenn zwingend betriebliche Gründe vorliegen, darf das Personal weiter vor Ort seiner Tätigkeit nachgehen. Doch das lässt sich selbst in Behörden, in denen oftmals Bürotätigkeit auf der Tagesordnung steht, nur bedingt umsetzten.

Landratsamt: „Es kommt auf die Aufgabe und den Arbeitsplatz an“

Rund 1.500 Mitarbeiter sind derzeit beim Landratsamt Mittelsachsen angestellt. Dort besteht die Möglichkeit, zum mobilen Arbeit sowie zu Telearbeit, so Kreissprecher André Kaiser. Die notwendige Technik werde von der Behörde zur Verfügung gestellt. „Die Möglichkeit gab es bereits vorher und wurde im Rahmen der Pandemie weiter flexibilisiert.“

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Wie viele Angestellte die Option nutzen, ließ die Behörde offen. Überall sei sie jedoch nicht möglich. „Man muss immer die Bedingungen am Arbeitsplatz und die Aufgabe betrachten. Auch die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung kann Homeoffice einschränken.“

Kontaktnachverfolgung geht im Gesundheitsamt des Landkreises nur vor Ort in den Büros.
Kontaktnachverfolgung geht im Gesundheitsamt des Landkreises nur vor Ort in den Büros. © Anne Weinrich Anne Weinrich

Darüber hinaus seien nicht überall die technischen Möglichkeiten im privaten Bereich zu finden. Auch die Einhaltung der Arbeitsstättenrichtlinie können nicht überall vorgehalten werden. „Hinzu kommt, dass nicht jeder Bedienstete Interesse hat, zu Hause zu arbeiten“, ergänzte Kaiser.

„Die Aufgabenerfüllung des Landratsamtes ist sicherzustellen, sodass auch der überwiegende Teil der Belegschaft vor Ort tätig sein muss.“ Aufgabengebiete, wie der Winterdienst oder auch die derzeitige Corona-Bewältigung durch das Gesundheitsamt, könnten nur in den Dienststätten des Landratsamtes ausgeübt und erfüllt werden.

Agentur für Arbeit: „Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit zur Heimarbeit“

Über 100 Frauen und Männer sind bei der Agentur für Arbeit Freiberg tätig, so Sprecherin Antje Schubert. Für sie alle seien im ersten Lockdown die Voraussetzungen geschaffen worden, um auch von zu Hause aus arbeiten zu können.

„In der Agentur arbeiten die Beschäftigten im Rotationssystem, zu Hause oder in Einzelbüros, wenn eine Präsenz des Beschäftigten notwendig ist“, so Schubert. Vorgesetzte „erörtern mit den Teams Optionen, in Schichten zu arbeiten und die Möglichkeiten des erweiterten Arbeitszeitrahmens effektiv zu nutzen.

So können Mitarbeiter vormittags das Homeschooling für die Kinder übernehmen und dann ab nachmittags aus dem ‚Homeoffice‘ arbeiten“, schilderte die Sprecherin. „Die Verarbeitung der Daten erfolgt zentral über den Server in Nürnberg. Der Datenschutz ist damit sicher gestellt.“

Seit 2015 besteht die Option auf Homeoffice. Hintergrund sei die Personalpolitik der Agentur. Aber trotz der Möglichkeit auf Heimarbeit sei es notwendig, dass Mitarbeiter für Beratungen in den Agenturen anwesend seien. „Nicht jede Fallkonstellation ist geeignet, dieses per Videoberatung oder telefonisch zu bearbeiten. Gerade in Notsituationen sind Menschen auf persönlichen Kontakt angewiesen und erhalten von der zuständigen Vermittlungsfachkraft oder dem Berufsberater vor Ort, in den nach Hygienevorschriften ausgestatten Büros, Unterstützung“, erklärte die Sprecherin.

Amtsgericht Döbeln: „Unser Möglichkeiten sind ausgeschöpft“

Für einen Teil der 92 Mitarbeiter, darunter die Richter, am Amtsgericht Döbeln besteht die Möglichkeit auf Homeoffice. „Heimarbeit wurde in neun Fällen genehmigt“, informierte Direktor Lutz Kermes.

Ein Teil des Personals könne aber keine Heimarbeit leisten, wie zum Beispiel der Wachdienst. „Ein weiterer Teil hat eine freie Arbeitsplatzgestaltung, wie die Gerichtsvollzieher sowie Richter, die Heimarbeit auch ohne Genehmigung ermöglicht“, so Kermes.

Neun Mitarbeitern am Amtsgericht Döbeln wurde bisher Heimarbeit genehmigt.
Neun Mitarbeitern am Amtsgericht Döbeln wurde bisher Heimarbeit genehmigt. © Symbolfoto: André Braun/Archiv

Die Option auf Heimarbeit habe es bereits vor der Pandemie gegeben. Im Zuge dessen sei sie aber verstärkt in Anspruch genommen worden. Doch das hat seine Grenzen: „Nach meiner Ansicht sind die Möglichkeiten diesbezüglich größtenteils ausgeschöpft.“ Um den Betrieb des Gerichtes aufrecht zu erhalten, sei es notwendig, dass aus allen vier Laufbahnen eine Mindestanzahl an Beschäftigten vor Ort sei.

Finanzamt Döbeln: „Fürsorgepflicht und Arbeitsschutz setzen Grenzen“

Knapp 35 Prozent der 64 Bediensteten am Finanzamt Döbeln, in dem auch zehn Anwärter beschäftigt sind, haben die Option, zu Hause zu arbeiten. Das habe es auch schon vor der Pandemie gegeben. Doch im vergangenen Jahr seien die technischen Möglichkeiten erweitert worden, so Amtsleiterin Stefanie Rehwagen.

Doch auch beim Finanzamt gebe es Angestellte, die nur vor Ort ihrer Arbeit nachgehen können. „Hierzu gehören beispielsweise Aufgaben der Amtsleitung, der Geschäftsstelle mit Poststelle und Telefonzentrale, der Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Finanzkasse und der Veranlagungsstellen mit Kassentätigkeit“, erklärte Rehwagen.

Andere Gründe, die gegen Homeoffice sprechen, seien zum Beispiel der Wohnungszuschnitt, die Einrichtung der Wohnung oder der dortige Aufenthalt von anderen Familienangehörigen, der keine ungestörte Arbeitsmöglichkeit zulasse. Aufgrund der Sensibilität der Daten muss auch im Homeoffice gewährleistet sein, dass kein unbefugter Dritter, zum Beispiel andere Angehörige des Haushaltes, Einblick erhält.

Insofern hat Homeoffice im Finanzamt nicht nur mit Blick auf die Fürsorgepflicht des Dienstherrn und seiner Verantwortung für den Arbeitsschutz auch Grenzen“, betonte die Amtsleiterin.

Stadt Döbeln: „Die Mitarbeiter müssen im Rathaus sein“

Für rund 190 Mitarbeiter der Stadtverwaltung Döbeln aus Kitas, Horten, Bauhof, Stadtbibliothek, Stadtinfo, Schulsekretariat kommt Homeoffice nach Angaben von Stadtsprecher Thomas Mettcher nicht in Frage. Aber auch für diejenigen, die in der Kernverwaltung tätig sind, sei das Arbeiten von zu Hause nicht praktikabel. „Das liegt mitunter an der Tätigkeit an sich.“

Zudem kämen trotz des reduzierten Publikumsverkehrs noch immer rund 70 bis 100 Besucher ins Rathaus. „Auch dafür müssen die Mitarbeiter vor Ort sein“, sagte Mettcher. Weitere Hürden seien zudem Sicherheitsfragen, Datenschutz, Ansprechbarkeit für die Bürger sowie verschiedene Spezialsoftware in den einzelnen Fachbereichen.

Stadt Leisnig: "Die Prüfungen zu mehr Homeoffice laufen"

Momentan befinde sich ein Teil der Erzieher der Stadt Leisnig im Homeoffice, informierte Hauptamtsleiterin Silvia Diesmann. Hintergrund sei, dass die Erzieher so im Falle eines positiven Falles die Notbetreuung weitestgehend aufrecht halten könnten.

Zudem seien Mitarbeiterinnen der Verwaltung mit Kindern derzeit zum Teil zu Hause tätig. „Ein vollständiges Homeoffice ist aufgrund der fehlenden digitalen Bereitstellung von Akten nicht möglich“, so Diesmann. Derzeit würden die technischen und organisatorischen Voraussetzungen zur Erweiterung für weitere Mitarbeiter geprüft, ergänzte die Hauptamtsleiterin.

Hartha: „Fast 60 Prozent können teilweise im Homeoffice arbeiten.“

Mehr als die Hälfte der 27 Mitarbeiter der Kernverwaltung von Hartha verfügt nach Angaben von Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) über die Möglichkeit, zeitweise auch von zu Hause aus zu arbeiten.

„Keiner aber kann komplett im Homeoffice arbeiten.“ Dafür fehle derzeit noch die Voraussetzung in Form der elektronischen Akte. Über die dafür nötige Technik werde jedoch mittelfristig entschieden.

Für knapp 60 Prozent der Mitarbeiter am Rathaus in Hartha besteht die Möglichkeit, zumindest teilweise im Homeoffice zu arbeiten.
Für knapp 60 Prozent der Mitarbeiter am Rathaus in Hartha besteht die Möglichkeit, zumindest teilweise im Homeoffice zu arbeiten. © Archiv/Dietmar Thomas

Vor der Pandemie sei Homeoffice in Hartha kein Thema gewesen. „Die Mitarbeiter haben hier ihren Arbeitsplatz und stehen auch in Kontakt mit den Bürgern. Sie müssen zwingend auch vor Ort sein.“

Um die Arbeitsorganisation flexibler zu gestalten, seien die Arbeitszeiten geöffnet worden. So sei auch das Arbeiten bis 20 Uhr jetzt möglich.

Waldheim: „Die meisten Mitarbeiter sind allein im Büro“

Zum Team der Kernverwaltung Waldheim gehören 36 Angestellte, darunter drei Schulsekretärinnen. Hinzukommen die Mitarbeiter im Stadt- und Museumshaus, das zurzeit geschlossen hat, ein Angestellter in der Bibliothek, die momentan verkürzt geöffnet hat, sowie vier Hausmeister und 16 Mitarbeiter im Bauhof.

Schon vor der Pandemie habe es die Möglichkeit gegeben, auch im Homeoffice zu arbeiten, so Mandy Schützel, Leiterin der Haupt- und Finanzverwaltung „Es wurde aber die Präsenz auf der Arbeitsstelle favorisiert.“ Zudem sei die Möglichkeit nur eingeschränkt gegeben. Dennoch würde regelmäßig geprüft, ob weiteres Homeoffice möglich sei.

„Derzeit sind fünf Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet. Die Arbeitsleistung wird nicht zu 100 Prozent im Homeoffice erbracht. Die meisten müssen vor Ort sein, um in Akten einzusehen, Rechnungen zu signieren, zeitnah Entscheidung treffen zu können oder auch, um auf aktuelle Ereignisse angemessen reagieren zu können“, betonte Schützel.

Um in Einzelbüros zu arbeiten, würden momentan zusätzliche Büros genutzt. „Dazu wird zum Beispiel auf das Stadt- und Museumshaus zurückgegriffen“, erklärte Schützel. Sollten sich Mitarbeiter trotzdem noch ein Büro teilen müssen, gebe es Trennwände.

Roßwein: „Das würde uns fast 30.000 Euro kosten“

Das Arbeiten von zu Hause aus hält Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) an und für sich für eine gute Idee. Aber sie ist aus seiner Sicht untauglich für die Stadtverwaltung.

„Es müssten sensible Daten verschickt werden. Das Installieren einer geschützten Datenleitung kostet rund 5.000 Euro“, sagte er am Donnerstag vor den Stadträten. Zudem müssten die Mitarbeiter mit der entsprechenden Technik ausgestattet werden. Dies würde noch einmal rund 23.000 Euro kosten. „Das sind knapp 30.000 Euro. Das gibt der Haushalt nicht her“, machte Lindner deutlich.

Die Verwaltung hat stattdessen Einzelbüros für die Mitarbeiter eingerichtet. Wo dies nicht möglich sei, werde zeitversetzt gearbeitet, sodass jeweils nur einer im Büro sei.

„Aus dem Gespräch mit den Mitarbeitern ist auch deutlich geworden, dass diese lieber im Büro als im Homeoffice sind“, ergänzte Lindner. Dort sei die Konzentration besser.

Ostrau: "Homeoffice war vor der Pandemie kein Thema"

Im Rathaus Ostrau sind 15 Mitarbeiter, mit Bürgermeister Dirk Schilling (CDU), tätig. Grundsätzlich gebe es HomeOffice, so Schilling. „Im ersten Lockdown haben das zwei in Anspruch genommen, aufgrund der fehlenden Betreuung für ihre Kinder.“ Vor der Pandemie aber sei dies für die Verwaltung kein Thema gewesen. Theoretisch sei es möglich, dass mehr Mitarbeiter die Option nutzen, gab Schilling zu.

Aber: „Wir sind eine öffentliche Verwaltung und in erster Linie Dienstleister für die Bürger. Auch wenn die Kontakte reduziert werden, müssen Einwohnermeldeamt und Bürgerbüro erreichbar bleiben. Ebenso Bauverwaltung, Ordnungsamt und Finanzverwaltung.“ Es gehe darum, die Arbeits- und Auskunftsfähigkeit sicherzustellen und die Datensicherheit nicht zu gefährden.

„Ich merke es auch persönlich, wenn ich mit Behörden und Institutionen kommuniziere und die dortigen Mitarbeiter im Homeoffice sind. Da erfolgen Zuarbeiten nur unzureichend, weil der Zugriff auf Akten und Daten extrem eingeschränkt ist.“

Zudem bestehe vonseiten des Personals keine Forderung nach Homeoffice. „Wir haben kurze Arbeitswege und jeder ein eigenes Büro. Und offensichtlich geht jeder gern zur Arbeit.“

Sollte aus pragmatischen Gründen oder aus Gründen des Gesundheitsschutzes der weitere Bedarf entstehen, so werde reagiert. „Von Aktionismus geprägte Forderungen von Politik und Gewerkschaften sind für uns dabei nicht entscheidend.“

Kriebstein: „Homeoffice macht bei uns keinen Sinn“

Zur Gemeindeverwaltung Kriebstein gehören 41 Mitarbeiter. Bisher hat nur eine von ihnen nach Angaben von Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler Kriebstein) bisher, unabhängig von Corona, im Homeoffice gearbeitet. Grund war hier der weite Anfahrtsweg. Für alle anderen würde Homeoffice keinen Sinn machen. „Erzieher, Bauhof und Sekretariat müssen für die Bürger da sein“, so Euchler.

Darüber hinaus macht auch sie auf die Sicherheitsanforderungen aufmerksam sowie die Kosten, die eine sichere Datenleitung sowie entsprechende Soft- und Hardware mit sich bringt.

Alternative: Die Behörden setzen vermehrt auf Einzelbüros

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Weil Homeoffice oft nur schwer umzusetzen ist, haben die Behörden Hygienekonzepte aufgestellt. Die meisten Mitarbeiter sind in Einzelbüros untergebracht, essen am Arbeitsplatz, müssen im Gebäude einen Mund-Nase-Schutz tragen.

Sind Räume doch mehrfach belegt, wird zeitversetzt oder mit Trennwänden gearbeitet.

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