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Homeschooling: Lust oder Frust?

Mit Struktur und Organisation sind die Aufgaben während Corona zu Hause gut zu bewältigen. Die Schüler brauchen aber auch Abwechslung.

Während Marie mit Mutti Katja Wendler für die Vorschule übt, erledigen Leony Wendler und Klassenkamerad Till Hausmann (von links) eine Geschichtsaufgabe im Homeschooling. Der heimische Esstisch ersetzt seit Wochen das Klassenzimmer.
Während Marie mit Mutti Katja Wendler für die Vorschule übt, erledigen Leony Wendler und Klassenkamerad Till Hausmann (von links) eine Geschichtsaufgabe im Homeschooling. Der heimische Esstisch ersetzt seit Wochen das Klassenzimmer. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Marie kann es kaum erwarten. „Gibst du mir mein Vorschulblatt?“, fragt sie. Und Mutti Katja Wendler reicht der Sechsjährigen einen Bogen mit aufgedruckten Kreisen, Drei- und Vierecken zum Ausmalen über den Tisch.

An dem sitzen auch noch Maries große Schwester Leony (13) und deren Klassenkamerad Till Hausmann (12). Die beiden haben auch früher schon gemeinsam Hausaufgaben erledigt. Jetzt lernen sie zusammen im Homeschooling. „Das macht mehr Spaß“, sagt Till, der ansonsten Zuhause allein vorm Computer sitzen würde.

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Der Alltag der Fünf und von Vati Christian Quosdorf hat sich in den vergangenen Wochen verändert. Katja Wendler, die normalerweise als Schulassistentin an der Oberschule Leisnig arbeitet, ist im Homeoffice. Die beiden Großen lernen im Homeschooling, und Marie erledigt die Aufgaben der Kita für die Vorschule. – Alles am heimischen Esstisch in Hartha.

Aufgaben nicht aus den Augen verlieren

Die Heimarbeit hat mehrere positive Seiten. Die Erste: Alle können etwas länger schlafen. Denn statt das Marie um 6.30 Uhr in die Kita gebracht und für Leony sowie Till um 7.30 Uhr die erste Schulstunde eingeläutet wird, versammeln sich alle zwischen 9 und 9.30 Uhr am Esstisch. „Vorher schaue ich mir die Aufgaben im LernSax an und drucke sie aus“, sagt Katja Wendler.

Von der Kita hat die Familie einen Brief erhalten, in dem die Erzieher die Themen der Vorschule zusammengefasst haben, die nun Zuhause weitergeführt werden sollten. Marie ist mit Feuereifer dabei. Sie malt die geometrischen Figuren mit unterschiedlichen Farben aus. Später beschäftigt sie sich mit einem dicken Vorschulblock, in dem sie sich die Aufgaben aussuchen darf, zu denen sie gerade Lust hat.

Leony und Till versuchen zur selben Zeit, in einem Text an den richtigen Stellen die Kommas zu setzen. Als sie fertig sind, fotografiert Katja Wendler die Ergebnisse, lädt sie in LernSax hoch und übermittelt sie so dem Lehrer. Der sendet die korrigierten Aufgaben später auf demselben Weg zurück.

YouTube hilft beim Corona-Lernen

Aufgaben bekommen die beiden Sechstklässler, außer im Zeichnen, in jedem Fach, sogar in Sport. „Zuletzt haben wir an einem Glücksrad gedreht und dann die Übungen gemacht, bei denen es stehengeblieben ist“, erzählt Leony. Abwechslung im Schulalltag hält Katja Wendler für sehr wichtig. Und die Lehrer offenbar auch.

Leony und Till falten ein großes Blatt auseinander. Auf dem haben sie im Fach Geschichte in einem Legekreis eine „Stadt im Mittelalter“ dargestellt. In Biologie ist eine farblich gestaltete Zelle aus Papier entstanden, und in Technik und Computer (TC) sollten die beiden einen Steckbrief erstellen. Wovon, konnten sie selbst wählen. Leony hat sich für den Elefant entschieden und Till für den Bison.

Solche Arbeiten erfordern die Recherche am Computer. Diese Zeit nutzt Katja Wendler für Hausarbeiten oder das Homeoffice. Im Normalfall unterstützt sie in ihrem Job Schüler mit einem Förderschwerpunkt. Das heißt, sie begleitet die Mädchen und Jungen in einzelnen Fächern im Unterricht und erklärt die gestellten Aufgaben zum Beispiel noch einmal mit einfacheren Worten.

Jetzt schickt sie diesen Schülern Aufgaben aus LernSax mit Erläuterungen dazu. Die Schüler und deren Eltern können über die Lernplattform auch Fragen an Katja Wendler stellen.

In drei bis vier Stunden drei bis vier Fächer

Drei bis vier Stunden lernen Leony und Till täglich im Homeschooling. In dieser Zeit bewältigen die beiden auch drei bis vier Fächer. „Das funktioniert ganz gut“, meint Leony. Oft kann ihre Mutti helfen, wenn die Sechstklässler einmal nicht weiterwissen. Und wenn nicht, schicken die Lehrer individuelle Erläuterungen. Solche gibt es auch auf YouTube oder Lerning-Apps.

So schlecht finden Leony und Till das Homeschooling gar nicht. „Dabei können wir selbst entscheiden, was wir in welcher Reihenfolge erledigen“, sagt Till. Nur seine Klassenkameraden vermisst er etwas. Leony fand auch den Wechselunterricht ganz gut, den es zum Ende des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr gab. Dabei wurde die Klasse, die normal aus 28 Schülern besteht, geteilt.

„Dadurch war es im Unterricht ruhiger“, meint Leony. Dabei habe den Sechstklässlern aber der wochenweise Wechsel besser gefallen als der tageweise. Schade finden es beide, dass am Online-Unterricht vor Kurzem nur sechs der 28 Schüler der Klasse teilgenommen haben. Dabei sollten um 11 Uhr, als er vorgesehen war, auch die Letzten aufgestanden sein. Leony und Till freuen sich über einen Bonuspunkt, den sie für die Teilnahme erhalten haben.

Die Familie muss flexibel sein

Für die Kinder, aber auch die eigene Organisation seien für das Homeschooling klare Strukturen wichtig, sagt Katja Wendler. In der ersten Phase des Lockdowns habe die Familie dies auch noch anders gehandhabt. Damals sei der Heimunterricht auf vormittags und nachmittags verteilt worden. Es sei aber besser, alles vormittags zu erledigen.

Das meint auch Leony. „Das zeitige Aufstehen motiviert, alles hintereinander weg zu erledigen“, so die 13-Jährige. „Man muss flexibel sein“, fügt Vati Christian Quosdorf hinzu. Wenn er Zuhause ist, übernimmt er auch mal das Kochen oder schaltet die Waschmaschine ein. Dadurch kann sich Katja Wendler ungestört um die drei Home-Schüler kümmern.

Nach dem Mittagessen und einer kleinen Ruhepause gehe es meistens nach draußen. Die Kinder sind begeistert vom Schnee, den es in der Menge vor zwölf Jahren zum letzten Mal gegeben hat, erinnert sich Katja Wendler. Während Marie lieber in dem weichen Schnee tobt, nehmen Leony und Till gern den Schneeschieber zur Hand und sorgen für einen freien Fußweg vorm Haus.

Kinder bei Schulaufgaben nicht überfordern

Die Struktur, die der Familie wichtig ist, sollten die Eltern den Kindern aber auch vorleben, sagt Katja Wendler. Einer Mutti, die ihren Sohn nur schwer zum Homeschooling motivieren kann, habe sie geraten, alles nacheinander und nicht vieles miteinander zu erledigen.

„Die Kinder sollten nicht überfordert werden“, so die Schulassistentin. Deshalb seien auch regelmäßige Pausen wichtig. Sie schlägt vor, gemeinsam mit den Kindern, einen Lernplan zu gestalten, um die Übersicht zu behalten, was in den einzelnen Fächern gefordert wird. Der Plan hilft auch, die Abgabetermine für die Aufgaben einzuhalten. Die Harthaer Familie hat sogar einen Speiseplan aufgestellt. Denn viel Zeit für die Vorbereitung des Essens bleibt meist nicht.

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Das Homeschooling läuft bei den beiden Oberschülern sehr locker und entspannt. Das liegt nicht nur an der Unterstützung durch die Familie, sondern auch an der Art, wie die Lehrer den Stoff in dieser besonderen Situation vermitteln. Die Eltern, die nicht so gut auf die Lehrer zu sprechen sind, sollten bedenken, dass diese am Vormittag vor den Abschlussklassen stehen und am Nachmittag das Homeschooling für den nächsten Tag vorbereiten, sagt Katja Wendler. „Und dann haben Lehrer auch noch eine Familie.“

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