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Hoteliers wegen Corona-Auflagen in Bedrängnis

Beherbergungsverbot, Einreiseverordnungen und Tests machen ihnen zu schaffen. Die Unsicherheit ist groß.

Thomas Müller, Inhaber von Müllers Gasthof im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf, beobachtet die Entwicklung der Corona-Pandemie genau. Alle seine Gäste weist er auf die neuen Verordnungen hin.
Thomas Müller, Inhaber von Müllers Gasthof im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf, beobachtet die Entwicklung der Corona-Pandemie genau. Alle seine Gäste weist er auf die neuen Verordnungen hin. © Marion Doering

Radeberg.  Waren es bisher die Bewertungen auf den einschlägigen Buchungsportalen, die Touristen bei dem einen oder dem anderen Hotel anklopfen ließen, sind es jetzt ganz neue Zahlen, an denen sich die Besucher orientieren. Wer heute eine Unterkunft sucht, schaut unter Umständen eher nach den aktuellen Infektionszahlen des Robert-Koch-Instituts. Steigen die in der avisierten Urlaubsregion, sollte man den Aufenthalt dort absagen. Wer etwa aus einer innerdeutschen Risikoregion in Sachsen, beispielsweise im Rödertal, ein paar erholsame Tage verbringen will, der hat schlechte Karten. Es gilt ein Beherbergungsverbot für Personen aus Corona-Risikogebieten. Es sei denn, man kann einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als zwei Tage ist. 

So musste der Ottendorfer Sebastian Dietrich zuletzt Gästen die Rote Karte zeigen und ihnen mitteilen, dass er sie nicht in seinem kleinen Hotel „Zwei Linden“ beherbergen darf. Der Grund: Sie kamen aus einem innerdeutschen Risikogebiet. Und die Reaktion? „Die haben das verstanden“, sagt Dietrich. 

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Der vor Monaten noch völlig unbekannte Inzidenzwert, er beschreibt die Neuerkrankungsrate einer bestimmten Krankheit, wird in den kommenden Monaten auch in den gastronomischen Betrieben, in den Hotels und Pensionen im Rödertal am gewohnten Leben zerren und rütteln. Weil in den vergangenen Wochen immer wieder Regionen und Städte zu Corona-Hotspots erklärt wurden, hat man beim Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Sachsen reagiert und für die über 2.500 Mitglieder eine Hotline eingerichtet. „Da ploppen frühmorgens auf unserer Webseite die Postleitzahlen der Regionen auf, die von den Behörden als Risikogebiet eingestuft werden“, so Axel Klein.

Der Hauptgeschäftsführer und Regionalbereichsleiter des sächsischen Verbandes spricht davon, dass die Betreiber von Gaststätten, Hotels und Pensionen in diesen Zeiten noch flexibler handeln und reagieren müssen als bisher. Klein weiter: „Man muss die täglichen Infektionszahlen im Auge behalten.“ Genau schauen, wer wann und woher anreist. Als der Wachauer Torsten Göpner nach dem mehrmonatigen Lockdown zum Sommerbeginn sein Erbgericht wieder öffnete, hat er aufgeatmet, war froh, wieder Gäste bewirten zu können, trotz der strengen behördlichen Auflagen. Es habe gut getan, den gewohnten beruflichen Alltag leben zu können, erzählt Göpner. Lief ja auch nicht schlecht in den vergangenen Sommermonaten.

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Doch seit Herbstbeginn wird in vielen Regionen Deutschlands der Grenzwert erreicht oder gar überschritten. Da droht so manchem, der aus einem Risikogebiet mit einem Inzidenz-Wert von über 50 nach Sachsen kommt, das Einreiseverbot. Es sei denn, man kann einen negativen Corona-Test vorlegen. Er überprüfe seine Pensionsgäste jetzt noch genauer als sonst, so Göpner weiter. Der angesichts der kommenden Monate von einer „sehr ernsten Lage“ für die Branche spricht. In „Müllers Gasthof“ im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf verfolgen Inhaber Thomas Müller und seine Mitarbeiter natürlich ebenfalls die pandemische Entwicklung. Bei Buchungsanfragen weise man natürlich immer auf alle behördlichen Verordnungen hin, so Thomas Müller. Klar, ist ja ein Muss in diesen Zeiten. 

Auch im Radeberger Hotel Sportwelt dreht sich alles um die Infektionszahlen, die täglich vom Robert-Koch-Institut durchgegeben werden. „Wir informieren uns, wo die Risikogebiete liegen“, sagt Jens Richter. Wer von ihm wissen will, wie man sich als Inhaber eines Hotels in dieser Pandemie fühlt, erfährt, dass „wir es so nehmen, wie es kommt“. Bleibe auch nichts anderes übrig, so Richter weiter. Sie mutet fast buddhistisch an, diese Gelassenheit.

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