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„Ich bin froh über meine tollen Stammgäste“

Corona, Virus-Mutationen und kein Ende des Lockdowns: Die Stimmung unter Gastronomen im Rödertal ist mies.

Jana Richter vom Gasthof Hermsdorf hat in einer Ecke eine Tafel gestaltet und mit Absperrband von Rest des Raumes isoliert. Der Gast kann sich hier ansehen, wie es vor Corona einmal in Gaststuben am Tisch ausgesehen hat. Heute bietet sie Essen zum mitnehm
Jana Richter vom Gasthof Hermsdorf hat in einer Ecke eine Tafel gestaltet und mit Absperrband von Rest des Raumes isoliert. Der Gast kann sich hier ansehen, wie es vor Corona einmal in Gaststuben am Tisch ausgesehen hat. Heute bietet sie Essen zum mitnehm © Marion Doering

Hermsdorf. Sechs Monate können sich verdammt lange hinziehen, schier unendlich sein, wenn man in dieser Zeit keine Gäste bewirten darf, keine Einnahmen hat. Seit einen knappen halben Jahr liegt die Gastronomie im Rödertal am Boden. Der Dauer-Lockdown zehrt nicht nur gewaltig an den Nerven, sondern auch an den finanziellen Reserven der hiesigen Gastwirte. Wie motiviert man sich also in diesen Tagen, wenn jede Öffnungsperspektive fehlt?

Jana Richter gehört der Gasthof Hermsdorf. In diesen Zeiten sei sie froh, dass „ich so tolle Stammgäste habe“. Das To-go-Geschäft laufe zufriedenstellend, erklärt sie. Dank ihrer treuen Gäste, die sie in diesen Monaten unterstützten, in dem sie Essen bestellten. Aber klar, es sei eine schwierige Zeit, in der sie auch schon mal mit dem Gedanken gespielt habe, aufzuhören. Aber, wenn man „ein Vierteljahrhundert wie ich in der Gastronomie arbeitet, wirft man seine Existenz nicht so einfach weg“, gibt sie sich kämpferisch. Jana Richter setzt aufs Prinzip Hoffnung: „Corona geht nicht ewig und irgendwie wird es danach weitergehen.“

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Seitdem feststeht, dass der Lockdown noch mal verschärft und somit auch für die Gastronomie verlängert wird, das überarbeitete Infektionsschutzgesetz von Bundesrat und Bundestag in den nächsten Tagen abgesegnet werden sollte, dürfte es für die Kneipen und Restaurants noch düsterer werden. Wie finster es für die Branche in der Region ausschaut, kann man von Axel Klein erfahren. Der Hauptgeschäftsführer der Dehoga Sachsen erklärt, dass jeder vierte Betrieb vor dem Aus stehe. Rund 25 Prozent beschäftigten sich „ganz konkret“ damit, ihren Betrieb aufzugeben, die restlichen 75 Prozent bangten um ihre Existenz.

Wut, Verzweiflung, Existenzangst: So sei die Stimmungslage vieler Gastronomen, beschreibt es der Dehoga-Hauptgeschäftsführer. Die Corona-Pandemie treffe sie alle weiter mit voller Wucht. Und die versprochenen November- und Dezemberhilfen, die erst verzögert ausgezahlt wurden, sie reichten nicht aus, so Klein weiter. Nun setzen viele auf die Überbrückungshilfe III. Aber auch um diese Mittel, so Axel Klein, müsse man kämpfen. Wie viele seiner Mitstreiter wartete auch Mario Friedrich, der Inhaber der Radeberger Restaurant „Pechhütte“, in den vergangenen Wochen sehnsüchtig auf eine verlässliche Öffnungsperspektive. „Doch die gibt es einfach nicht“, so Friedrich. Es sei an manchen Tagen schwer für ihn, sich für seine Arbeit zu motivieren. „Ich bin froh, das ich eine Familie habe, das die mich unterstützt in dieser harten Zeit“, so Friedrich weiter.

Dieses Hin und Her in den vergangenen Wochen in der Politik, diese Planlosigkeit sei unglaublich belastend. In manchen Phasen habe er „damit geliebäugelt, alles hinzuwerfen“. Aber dann habe er wieder versucht positiv zu denken, optimistisch nach vorne zu schauen. Obwohl dass „in der Corona-Pandemie eine Herausforderung ist, optimistisch zu denken.“ Denn woher solle man Zuversicht holen, bei all den Unwägbarkeiten in dieser Krise. In diesem April habe er die Gaststätte zehn Jahre, dieses Jubiläum wolle er auf jeden Fall feiern, wenn es wieder möglich ist.

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Wohl dem, dem es gelingt, sich in diesen Wochen und Monaten wenigstens phasenweise abzulenken. Im Wachauer Erbgericht hat man in den vergangenen Monaten versucht, das Beste aus der misslichen Lage zu machen. „Wir haben unser Gasthaus von oben bis unten renoviert“, erzählt Birgit Göpner. Gemeinsam mit ihrem Mann Torsten, dem das Gasthaus gehört, hofft sie auf den Sommermonate. „Wäre toll, wenn wir dann endlich öffnen könnten.“ Bis dahin sei wohl auch ein Großteil der Deutschen geimpft. Da werde es möglicherweise in vielen Bereichen wieder ein halbwegs normales Leben geben.

Auch in der Gastronomie? Sie wünschte es sich, erklärt sie. Allerdings glaube sie, dass es in der Branche nach Corona „grauenhaft“ aussehen werde. „Ein böses Erwachen wird das geben“, meint die Wachauerin. Da werde es eine noch nie dagewesene Insolvenzwelle geben, nur wenige Gaststätten und Restaurants überleben, glaubt Birgit Göpner. Und das Wachauer Erbgericht? Bisher sei man einigermaßen durch die Krise gekommen, so Birgit Göpner. Die sich nichts sehnlicheres wünscht, als im Sommer wieder Gäste bewirten zu können.

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