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Ich nehme auch Astrazeneca!

Hoffnung und neue Verunsicherung beim Impfstoff. Hier schreibt Stephan Schön, warum er sich trotzdem mit Astrazeneca impfen lassen würde.

© dpa

Ich stehe irgendwann so ziemlich am Ende der Impfschlange. Und ja, ich würde jetzt oder irgendwann dann auch Astrazeneca nehmen. Es fällt durchaus schwer, denn das Vertrauen in den Astrazeneca-Impfstoff ist dahin. Das hat weit weniger damit zu tun, dass dieser um soviel schlechter ist als andere. Das ist die Folge einer völlig verunglückten Begründung eigentlich nicht rational begründbarer Entscheidungen.

Ausgerechnet jener Impfstoff, der Hoffnung auf eine schnelle Immunisierung vieler Menschen gab, macht Probleme. Erst durften nur die unter 65-jährigen geimpft werden. Keinen Monat später sind es nur jene über 60.

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Einzig gute Botschaft dieser abrupten Wendungen ist, die Überwachung der Sicherheit medizinischer Produkte in Deutschland funktioniert offensichtlich. Unerwartete Nebenwirkungen oder Auffälligkeiten werden sofort untersucht.

Stopp bis die Ursachen klar sind

Neue Impfstoffe werden in Deutschland besonders sorgfältig und tagaktuell auf bisher unerkannte Nebenwirkungen beobachtet. Besonders, wenn es sich um Anwendungen in so großen Zahlen handelt. Treten dann mehrfach und statistisch auffällige gesundheitliche Probleme auf, von denen auch nur die Vermutung eines Zusammenhanges zur Impfung besteht, gibt es den Stopp. Der dauert solange, bis die wirklichen Ursachen erkannt sind, bis die Fallzahlen geprüft wurden und bis vor allem eine Verhältnismäßigkeit zwischen Impfstopp und weiteren Impfungen geprüft wurde.

Die Begründungen für die Entscheidungen zu Impfstopp und Impffortsetzung waren für den Normalbürger jedoch oft widersprüchlich. Das schafft vor allem eines: Verunsicherung, Zweifel, Misstrauen. Genau das Gegenteil hätte erreicht werden müssen.

Fakten gegen Verunsicherung

Mit Fakten, wie diesen: Bisher sind zehn Thrombosen auf je eine Million Impfungen in Deutschland aufgetreten. Das ist verglichen mit anderen Risiken eher gering. Ein Vergleich: Die Pille, die hormonelle Verhütung, ist der mit Abstand häufigste Grund für Thrombosen bei jungen Frauen. Wenn normalerweise eine von 10.000 Frauen pro Jahr eine Thrombose oder Embolie erleidet, so sind es insbesondere bei der Einnahme von Kombipräparaten vier von 10.000 Frauen.

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Und überhaupt: Das derzeitige Risiko, ungeimpft an Corona zu erkranken und in der Folge eine Thrombose zu bekommen, ist größer als mit der Impfung. Selbst die Sterberate beispielsweise von Männern um die 45 liegt bei Covid-19 um die 0,1 Prozent. Das sind 1.000 Todesfälle je eine Million Corona-Erkrankungen.

Astrazeneca würde Leben retten. Rationale Abwägungen fallen in dieser emotional aufgewühlten Zeit schwer. Ich habe mich dennoch mit dem Wissen um die Zahlen für die Impfung entschieden, auch für diese. Wenn`s dann halt mal so weit ist.

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