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Impf-Kampagne in Dresdner Unternehmen

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat ein Ziel im Kampf gegen das Coronavirus in Dresden. Wie er das erreichen will und wo die Probleme liegen.

Robotron-Personalchefin Solveig Surner wird Arzthelfer von Finn Jürgensen und Impf-Arzt Dr. Thomas Jürgens vor der Impfung beraten.
Robotron-Personalchefin Solveig Surner wird Arzthelfer von Finn Jürgensen und Impf-Arzt Dr. Thomas Jürgens vor der Impfung beraten. © René Meinig

Dresden. Am Sonntag war ungewöhnlich viel Betrieb auf dem Areal von Robotron an der Heilbronner Straße im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee. Das IT-Unternehmen ist das erste in einer Dresdner Impf-Kampagne.

Zum Schutz vor Corona setzt die Stadt nun neben dem Impfzentrum in der Messe Dresden, den Kliniken und Hausärzten auch auf Betriebsärzte und den Einsatz mobiler Impfteams in Dresdner Unternehmen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert drückt aufs Tempo und sieht noch einige Hürden.

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Was sind die neuen Betriebs-Impfungen?

Ab diesem Montag ist die Priorisierung aufgehoben. Das bedeutet, alle können Impftermine für sich ausmachen. Bisher hatten nur bestimmte Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur wie Pflegekräfte und vor allem Alte eine Priorisierung. Nun können alle geimpft werden.

Das bedeutet, dass auch Betriebsärzte Impfdosen verabreichen dürfen, und zwar auch in Unternehmen, die nicht zur kritischen Infrastruktur gehören. "Für uns ist das eine deutliche Prozesserleichterung", sagt Nicole Porzig vom Vorstand des DRK Sachsen, das für die Impfungen zuständig ist. Bisher wurden 2,5 Millionen Impfungen im Freistaat durchgeführt, mehr als 40 Prozent davon sind bereits die Zweitimpfungen.

Wie unterstützt die Stadt das?

"Robotron ist unser Pilot", so Oberbürgermeister Hilbert. Das Unternehmen hat in Dresden rund 500 Mitarbeiter, zur Impf-Kampagne für den Sonntag hatten sich laut Robotron-Geschäftsführer Ulf Heinemann 230 seiner Kollegen angemeldet.

Das IT-Unternehmen sei an vielen relevanten Stellen involviert, deshalb sei ein Ausfall wegen Massen-Infektionen laut Heinemann "unmöglich". Die Polizei und ein großer Netzbetreiber nutzen beispielsweise die Technik von Robotron.

Dresden unterstützt als Schnittstelle zwischen dem DRK und den Unternehmen laut OB Hilbert die Kampagne. "Das haben wir mit den Impf-Taxis begonnen." Natürlich sei das Impfzentrum in der Messe der wichtigste Standort. "Aber an neuralgischen Punkten werden auch mobile Teams eingesetzt, wie jetzt bei Robotron." Das können laut OB Unternehmen, ganze Gewerbegebiete aber auch Einsätze in Stadtteilen sein. Dafür werde es noch konkrete Absprachen geben, wann und wo geimpft wird.

Was soll damit erreicht werden?

Robert Franke, Chef der Dresdner Wirtschaftsförderung, wertet die Impf-Kampagne ähnlich wie das Verteilen der Masken auf dem Lingnermarkt, um diesen öffnen zu können. "Wichtige Säulen der Wirtschaft müssen geschützt werden, um zu funktionieren." So habe die Stadt im vergangenen Jahr auch Kleinstunternehmen mit einer Soforthilfe unterstützt und setzt aktuell beispielsweise auf eine App zur Kontaktnachverfolgung, damit Geschäfte und Gastronomie wieder öffnen können.

"Wir wollen möglichst schnell und flächendeckend eine hohe Impfquote in Dresden haben", so Hilbert. Dabei solle die Kampagne helfen.

Welches sind die Probleme?

"Trotz der Aufhebung der Priorisierung werden nicht alle gleich einen Impf-Termin bekommen", so Porzig. "Wir müssen um Geduld bitten, weil noch Impfstoff fehlt." Das solle sich aber bald ändern. Die Impfzentren in Leipzig, Chemnitz und Dresden und die 30 mobilen Impfteams für Sachsen bleiben nach derzeitigem Stand aber bis Ende August geöffnet. Die anderen schließen Ende Juli, weil dann mehr niedergelassene Ärzte impfen sollen. Hilbert sagt, er verlasse sich da auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sagt, bis September sollen alle, die wollen, ein Impfangebot haben.

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Das zweite Problem ist, dass die Stadt gar nicht weiß, wie viele Dresdner geimpft sind. Zwar seien im Dresdner Impfzentrum 125.000 Erst- und 75.000 Zweit-Impfungen verabreicht worden, aber jeder Sachse kann sich in Dresden einen Termin ausmachen und jeder Dresdner auch in einem anderen sächsischen Zentrum. Dabei wird nicht übermittelt, wie viele Dresdner geimpft sind. Auch die Zahlen der Hausärzte, aus den Kliniken und nun auch von den Betriebsärzten geben keine Aussage darüber, wie viele Dresdner geimpft werden. "Unsere Mitarbeiter kommen aus der ganzen Welt", so Robotron-Chef Heinemann. "Wir hätten diese Zahlen gerne", so Hilbert. "Wir können nur das DRK so unterstützen, dass sich die Mitarbeiter nur ums Impfen zu kümmern brauchen."

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