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Impfaktionen an Schulen - was Sie jetzt wissen müssen

In Sachsen rollen bald mobile Impfteams zu den Schulen. Ein Überblick über die Positionen – und ein Ausblick, wie es bei den Jüngeren weitergeht.

Nur nach ärztlicher Aufklärung: Die Ständige Impfkommission knüpft an Corona-Schutzimpfungen von Schülern klare Bedingungen.
Nur nach ärztlicher Aufklärung: Die Ständige Impfkommission knüpft an Corona-Schutzimpfungen von Schülern klare Bedingungen. © Fabian Sommer/dpa (Symbolbild)

Soll ich mein Kind impfen lassen? Die Frage, die bisher einen eher unverbindlichen Charakter hatte, ist seit dieser Woche ganz konkret. In einem Brief an alle Schüler ab zwölf Jahren und deren Eltern haben das Sächsische Sozial- und das Kultusministerium über die bevorstehenden Impfungen an Schulen informiert.

Geplant ist der Einsatz mobiler Impfteams an ausgewählten „Stützpunktschulen“. Bis Mittwoch sollten sich Schüler und Eltern anonym anmelden, Nachmeldungen sind bis 15. September möglich. Für alle Unentschlossenen hat die Sächsische Zeitung die Argumente und Empfehlungen zusammengefasst.

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Warum schickt die Regierung Impfteams in die Schulen?

„Gerade Kinder und Jugendliche mussten in den letzten Monaten eine vergleichsweise große Last tragen“, heißt es in dem Schreiben, das die Minister Petra Köpping (SPD) und Christian Piwarz (CDU) unterzeichnet haben. Deshalb wolle man schnell eine Impfung vor Ort ermöglichen – „insbesondere dort, wo Impfzentren nicht für jeden gut erreichbar sind.“

In Dresden, Chemnitz und Leipzig könnten die Angebote der Impfzentren sowie der Kinder- und Hausärzte wahrgenommen werden. Am Ende heißt es: „Ein hoher Anteil geimpfter Personen in und im Umfeld eurer/Ihrer Schule kann endlich Normalität in das Schulleben und sicher auch ein Stück Unbeschwertheit zurückbringen.“

Reinhard Berner sieht in der Impfung ab 12 Jahre mehr Nutzen als Risiken. Die Gründe erklärt der Chef der Kindermedizin der Uniklinik Dresden im CoronaCast (Player oben).

Welche Empfehlungen geben die Impfkommissionen?

Die Sächsische Impfkommission hatte ihre Empfehlungen am 1. August aktualisiert und zur Impfung gegen Sars-Cov-2 mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) ab einem Alter von zwölf Jahren geraten. Das Intervall zwischen den beiden Impfungen solle im Normalfall 21 beziehungsweise 28 Tage betragen. Bei der Entscheidung stützten sich die Experten der Impfkommission auf Studien aus den USA und Israel bei 12- bis 15-Jährigen. Dabei überwiege der Nutzen eindeutig das Risiko.

Knapp drei Wochen später schloss sich die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut dieser Empfehlung an. Die Entscheidung ziele „in erster Linie auf den direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor Covid-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab“, heißt es zur Begründung. Unverändert solle die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko erfolgen. Gleichzeitig sprachen sich die Experten des Bundes explizit dagegen aus, den Zugang von Kindern und Jugendlichen zur Teilhabe an Bildung, Kultur und anderen Aktivitäten des sozialen Lebens vom Vorliegen einer Impfung abhängig zu machen.

Was halten die Schüler von diesen Angeboten?

Der Landesschülerrat Sachsen begrüßt die Impfangebote für Schüler ab zwölf Jahren, verband das aber mit einigen Forderungen. Es müssten ausreichend Impfdosen und gut erreichbare Impfangebote bei Kinder- und Allgemeinärzten vorhanden sein. Schüler, die keinen Nachmittagstermin beim Kinderarzt bekommen können, müssten flexibel von der Schule – beziehungsweise auch die Eltern von der Arbeit – freigestellt werden können.

„Jüngere Kinder, für die eine Impfung noch nicht empfohlen oder zugelassen ist, dürfen nicht so behandelt werden, als hätten sie die Impfung abgelehnt“, sagt Joanna Kesicka, Vorsitzende des Landesschülerrates. „Überall da, wo der Impfpass Zugangsvoraussetzung ist, müssen Schülerinnen und Schüler gleichen Zugang haben, zum Beispiel über kostenlose Tests oder mit qualifizierter Selbstauskunft.“ Egal, wie die Bezahlung der Tests auch in Zukunft geregelt sei, müssten Schüler weiterhin überall kostenfreie Tests erhalten, solange es keine generelle Impfempfehlung gibt.

Welche Position vertritt der Landeselternrat?

Ein Großteil der Eltern befürchtet, dass durch freiwillige Impfangebote an Sachsens Schulen die Gespräche, die im Elternhaus stattfinden sollen, in den Bildungssektor verlegt werden, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Sächsischen Landeselternrates. „Wir sind, wie der Verband der Kinder- und Jugendärzte, der Meinung, dass Kinder und Jugendliche unter Druck geraten und sich in ihrer Entscheidung bezüglich des Impfens von Freunden oder Klassenkameraden beeinflussen lassen.“ Deshalb vertritt der Verband die Forderung, „dass das Angebot der freiwilligen Impfung an Schulen zurückgenommen wird.“

Was sagt der Deutsche Ethikrat zur Coronaimpfung von Kindern?

„Wir brauchen in Deutschland keine Impfpflicht für bestimmte Personen- oder Berufsgruppen“, sagt Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. Deutschland habe im Vergleich zu Frankreich viel bessere Impfraten. Zudem gebe es Möglichkeiten, verletzliche Gruppen zu schützen. Buyx wirbt vielmehr für eine gute Kommunikation zu den bislang nicht geimpften Menschen. Sie ist für „aufsuchende, niedrigschwellige Impfangebote“.

Wird es künftig Impfungen auch für Jüngere geben?

Fünf Hersteller sind von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) verpflichtet worden, ihre Impfstoffe für Minderjährige von Geburt an bis unter 18 Jahren zu erproben. Die Ergebnisse müssen spätestens im Jahre 2024 (bei Novavax 2025) vorliegen.

Nach Angabe des Verbandes forschender Pharmaunternehmen (vfa) haben Biontech/Pfizer im März 2021 mit einer Studie mit Kindern ab sechs Monaten und bis unter zwölf Jahren begonnen. Sie befindet sich inzwischen in Phase II. Daran wirken medizinische Einrichtungen in den USA sowie in Finnland, Spanien und Polen mit. Erste Ergebnisse könnten laut Pfizer bereits im September vorliegen. Moderna berichtete im März vom Beginn einer Phase-II/III-Studie mit voraussichtlich 6.750 Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und unter zwölf Jahren in den USA und in Kanada. Nach erfolgreichem Abschluss der Phase III kann entschieden werden, ob der Impfstoff eine Zulassung erhält.

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Der Astrazeneca-Impfstoff wurde ab Februar 2021 in einer Studie mit Minderjährigen in Großbritannien erprobt. Wegen sehr seltener Nebenwirkungen bei jüngeren Menschen pausiert dieses Projekt aber zurzeit. Janssen musste eine erste Studie mit Jugendlichen auf Herbst dieses Jahres verschieben. Außerhalb der EU erprobt Sinovac in China seinen Impfstoff CoronaVac mit Minderjährigen zwischen drei und 17 Jahren.

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