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Gerangel um Impftermine in Dresden

Meistgelesen: Allein in der Stadtverwaltung sind mehr als 7.000 Mitarbeiter impfberechtigt. Auch in Kliniken warten manche. Wann gibt es wieder Termine?

Viele Dresdner warten auf einen Impftermin, obwohl sie schon berechtigt sind.
Viele Dresdner warten auf einen Impftermin, obwohl sie schon berechtigt sind. © Michael Reichel/dpa

Dresden. Jeder Vierte Sachse hat inzwischen seine Erstimpfung erhalten. Allein im Dresdner Impfzentrum sind bisher knapp 90.000 Menschen gepikst worden, die Hälfte von ihnen schon ein zweites Mal. Mit der Öffnung der Priorisierungsgruppe 3 zieht das Impftempo deutlich an.

Aber auch das Gerangel um die Impftermine nimmt zu. Denn zur dritten Gruppe gehören nicht nur alle über 60-Jährigen. Neben Herz- und Asthma-Patienten haben etwa auch Bus- und Bahnfahrer, Verwaltungsmitarbeiter in besonders relevanten Positionen, Journalisten sowie Beschäftigte der Energie-, Abwasser- und Abfallwirtschaft Vorrang, deren Arbeit unentbehrlich ist. Aber wer wird zum Beispiel in der Verwaltung als "besonders relevant" eingestuft? Und wie groß überhaupt ist das Impf-Interesse im Rathaus sowie bei den kommunalen Unternehmen?

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Stadtverwaltung macht keine Ausnahmen

In der Dresdner Stadtverwaltung dürfen sich ab sofort ausnahmslos alle Mitarbeiter um einen Termin im Impfzentrum oder beim Hausarzt bemühen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat sich dazu entschieden, innerhalb der Verwaltung die Priorisierung aufzuheben, also nicht nach besonders relevanten und weniger relevanten Beschäftigten zu differenzieren.

Diese Entscheidung sei nicht leichtfertig getroffen worden, sondern nach intensiven Gesprächen und in Abstimmung mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), welches die Impfkampagne in Sachsen organisiert, sagt Sprecher Kai Schulz. Damit ist 7.700 Mitarbeitern in der Kernverwaltung die Impfberechtigung ausgesprochen worden.

Drei Gründe hätten zu der Entscheidung geführt, erklärt Schulz. Zum einen falle ein Großteil der Mitarbeiter ohnehin in die dritte Gruppe. Zum Beispiel Feuerwehrleute, die Bediensteten des Gemeindlichen Vollzugsdienstes sowie die Mitarbeiter der Bürgerbüros, die aufgrund ihrer Arbeit Kontakte nicht meiden können.

Auch Erzieher, Ärzte und Pfleger, die für den Kita- und den Krankenhaus-Eigenbetrieb arbeiten, dürfen sich laut sächsischer Impfreihenfolge ohne Relevanz-Bescheinigung impfen lassen. Ebenso die Mitarbeiter des Krematoriums, die während ihrer Arbeit ein erhöhtes Risiko haben, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Des Weiteren müsste für jeden einzelnen Stadt-Mitarbeiter separat eine Entscheidung getroffen werden. "Hier zu priorisieren, würde einen großen bürokratischen Aufwand mit sich bringen", so Schulz weiter. Der dritte Grund sei, dass der Großteil der Mitarbeiter wohl erst im Juni einen Impftermin erhalten wird. In diesem Monat soll die Impfpriorisierung in Deutschland ohnehin fallen, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt. "Uns geht es darum, dass möglichst viele Menschen geimpft werden. Wir sind der Überzeugung, dass dies der beste Weg ist."

Wie viele Verwaltungsmitarbeiter sich impfen lassen wollen, könne der Stadtsprecher nicht sagen. "Das dürfen wir nicht erfragen", weist Schulz auf den Datenschutz hin. Aus den Erfahrungen mit den Grippeschutzimpfungen in den vergangenen Jahren gehe man aber davon aus, dass sich viele Menschen impfen lassen werden. Ein mobiles Impfteam nur für die Stadtangestellten sei nicht geplant. Jeder Mitarbeiter müsse sich selbst um einen Termin bemühen. "Sie stellen sich genauso in die Schlange."

Warteliste am Uniklinikum

Und wie sieht es in den Krankenhäusern aus? Dort ist die Impfbereitschaft hoch. "In unserem Krankenhaus gibt es nur wenige einzelne Mitarbeitende, welche sich grundsätzlich gegen eine Impfung entschieden haben", sagt Victor Franke, Sprecher des Diakonissenkrankenhauses.

Als ungebrochen hoch bezeichnet das Uniklinikum die Impfbereitschaft. "Wenn sich jemand nicht impfen lassen kann oder möchte, geht das Klinikum davon aus, dass es sich um wenige Mitarbeiter handelt", so das Klinikum auf SZ-Anfrage. Dafür gebe es ganz unterschiedliche Gründe - von medizinischen bis zu persönlichen. Das Uniklinikum hat bereits mehr als 4.500 Mitarbeitende geimpft. Derzeit gibt es eine Warteliste, in der sich rund 1.000 weitere Beschäftigte eingetragen haben.

Am Städtischen Klinikum sind etwa ein Drittel der Mitarbeiter nicht geimpft. "Unabhängig davon, ob sie ihre Impfbereitschaft signalisiert haben, durch eine Corona-Infektion vom Impfen zurückgestellt wurden oder sich nicht impfen lassen möchten", sagt Sprecherin Viviane Piffczyk.

Prinzipiell impfen die Krankenhäuser selbst. Da auch dort Impfstoffmangel herrscht, ist es den Ärzten und Pflegern freigestellt worden, sich selbst um Termine in den Impfzentren zu bemühen.

Skepsis in Pflegeheimen weicht langsam auf

Längst durch könnten die Pflegekräfte in den Heimen sein. Beim freien Träger "Arbeiterwohlfahrt" (AWO), der mehrere Alten- und Pflegeeinrichtungen betreibt, ist die Impfbereitschaft sehr unterschiedlich ausgeprägt. "In den drei AWO-Pflegeheimen in Dresden sind etwa 60 bis fast 100 Prozent der Mitarbeiter und Heimbewohner geimpft", sagt Sprecher Andreas Szabo. Unter den Bewohnern liege die Impfquote meist bei deutlich über 90 Prozent. Der Träger müsse viel Aufklärungsarbeit beim Personal leisten.

"Nach anfänglicher Skepsis nahmen immer mehr Kolleginnen auch die Impfangebote oder Termine in Impfzentren oder beim Hausarzt wahr, so unser Eindruck. Wir stellen entsprechend gerne Arbeitgeberbescheinigungen aus", sagt Einrichtungsleiter René Uhlich aus dem Dresdner Albert-Schweitzer-Pflegeheim.

Tausende neue Impf-Termine nächste Woche

Die Schlange der Impfwilligen ist am Freitag sehr groß gewesen, als das DRK am Morgen Tausende neue Termine zur Buchung freigibt. Reichlich 2.000 Termine sind für das Dresdner Impfzentrum angeboten worden. Sie sollen übernächste Woche stattfinden. Zwischenzeitlich war das Online-Buchungssystem überlastet. Viele Impfwillige landeten in einer stundenlangen Warteschleife. Gegen 11 Uhr zeigte die Seite noch knapp 40 freie Termine an. Weitere Angebote will das DRK am Montag, Mittwoch sowie am Freitag nach Himmelfahrt machen.

Wer kann, soll über das Internet buchen, rät das DRK. "Bitte nutzen Sie die Hotline nur, wenn Sie wirklich keinen Termin online buchen können oder technische Probleme haben." Wer online keinen Termin mehr finde, bekomme auch telefonisch keinen. "Es ist nicht zielführend, in diesem Fall zusätzlich die Hotline zu kontaktieren und damit die Leitungen für Menschen zu blockieren, die sich nicht online registrieren können oder andere technische Probleme haben."

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