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Was passiert bei einem Impfdurchbruch im Körper?

Der Dresdner Virologe Alexander Dalpke erklärt, wieso man sich trotz Impfung mit Corona anstecken kann - und wie der Körper auf eine Booster-Impfung reagiert.

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Eine ältere Frau lässt sich ein drittes Mal impfen. Der sogenannte Booster bewirkt, dass der Körper erneut Antikörper gegen das Coronavirus bildet.
Eine ältere Frau lässt sich ein drittes Mal impfen. Der sogenannte Booster bewirkt, dass der Körper erneut Antikörper gegen das Coronavirus bildet. © dpa

Dresden. Die Zahlen zeigen es, die Welle der Ungeimpften läuft. Zwei Werte zeigen das besonders deutlich: die Inzidenzen bei Ungeimpften und der Gruppe der Geimpften. Aktuell steht es in Sachsen in diesem Vergleich 700 zu 80 (Stand 3. November, gerundet). Doch es fällt neben diesem offensichtlichen Problem in der aktuellen Corona-Lage noch etwas anderes auf. Nämlich, dass sich Menschen trotz Impfung mit dem Virus anstecken.

Wie kommt es zu Impfdurchbrüchen und welche Gefahren gehen davon aus? In der aktuellen Folge des CoronaCast bei Sächsische.de beantwortet der Dresdner Virologe Alexander Dalpke unter anderem diese Fragen und erklärt den Nutzen einer Booster-Impfung.

Herr Dalpke, was passiert im Körper bei einem Impfdurchbruch?

Sie haben durch die Impfung Antikörper aufgebaut, die sich im Blut und im Gewebe befinden. Wenn Sie jetzt mit dem Virus in Kontakt kommen, dann kann es sein, dass es lokal zu einer Infektion der Atemwegsepithelien kommt. Also jener Zellen, auf die das Virus oberflächlich in den Atemwegen zuerst trifft. Dann hat man in der Regel einen harmlosen Verlauf.

Allerdings wird die Verteilung des Virus im Körper und der Befall anderer Organe durch die im Blut weiterhin vorhandenen Antikörper gut unterdrückt. Das führt dazu, dass schwere Verläufe auch längere Zeit nach einer Impfung noch sehr gut vermieden werden, aber leichte Infektionen eben nicht mehr.

Und was bedeutet das für die momentane Situation, wo doch die Corona-Zahlen in die Höhe schnellen?

Wenn nach einer Impfung gar keine Infektion mehr stattfindet, spricht die Medizin von einer sterilen Immunität. Bei der Corona-Impfung liegt die nicht vor. Die Geimpften können sich auch noch mal infizieren und das Virus auch weitergeben. Das ist etwas, was man sicherlich diskutieren muss, wenn man zum Beispiel über 2G spricht. Allerdings ist die Virus-Ausscheidung und die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe bei Geimpften geringer, sodass im Moment die Wissenschaft noch davon ausgeht, dass die Geimpften, selbst wenn sie sich infizieren, in der Gesamtheit weniger zur Verbreitung beitragen.

Hat man das Problem, dass sich auch Geimpfte noch anstecken und das Virus weitergeben können, unterschätzt?

Ich glaube nicht, dass man das unterschätzt hat. Es war schon relativ früh klar, dass es wahrscheinlich keine dauerhafte, sterile Immunität mit der Impfung geben wird. Die Hoffnung war aber natürlich schon da, dass man mit einer besseren und höheren Durchimpfungsrate den Anteil der Bevölkerung, der für das Virus zur Verfügung steht, so klein kriegen würde, damit es sich einfach nicht mehr gut ausbreiten kann.

Nur mit um die 55 Prozent wie jetzt in Sachsen sind wir davon weit entfernt. Initial wurde mal berechnet, dass ungefähr 66 Prozent für eine Herdenimmunität nötig seien. Bei der stärker infektiösen Delta-Variante geht man von 85 Prozent aus. Um da hinzukommen, reichen im Moment nicht einmal die Geimpften zusammengerechnet mit den Genesenen aus.

Um einen Impfdurchbruch zu vermeiden, kann eine Auffrischungs- oder Boosterimpfung helfen. Die Sächsische Impfkommission empfiehlt die Impfung allen ab 18 Jahren, deren vollständige Impfung ein halbes Jahr zurückliegt. Was passiert beim Boostern im Körper?

Eine Boosterimpfung ist im Prinzip eine Erinnerung an das Immunsystem, dass es einen bestimmten Erreger schon mal gesehen hat. Bei einer Immunisierung entstehen sogenannte Gedächtniszellen, die noch dazu recht langlebig sind. Genau diese Zellen werden durch den erneuten Kontakt, der im Rahmen der Auffrischung mit dem gleichen Impfstoff noch einmal stattfindet, aktiviert.

Das Besondere dabei: Sie fangen dann nicht nur an, erneut Antikörper zu produzieren. Sondern es ist auch so, dass üblicherweise nach jeder Auffrischung sogar etwas mehr dieser Gedächtniszellen erhalten bleiben und auf diese Weise eine dauerhafte Steigerung dieser spezifischen Erinnerungsfunktion stattfindet.

Und für wen ist das jetzt sinnvoll?

Die Frage ist tatsächlich, ob das jetzt alle schon machen sollten. Auch hier gilt meines Erachtens eigentlich die Empfehlung der STIKO, also der bundesweiten Impfkommission. Die empfiehlt zunächst erneut die zu impfen, die ein echtes Risiko haben für schwere Verläufe. Und das sind die älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen. Aber auch jene, die regelmäßig Kontakt mit Coronaviren haben. Also medizinisches Personal. Die sollten eine Präferenz für die dritte Impfung bekommen.

Schaden kann eine Boosterimpfung aber niemandem - auch jüngeren Menschen nicht. Wobei für die Gruppe der jüngeren Geimpften sogar das Durchmachen einer Infektion mit daraus folgendem leichten Verlauf wie eine Auffrischung wirken würde.

Das Gespräch führte Fabian Deicke

Über den Podcast: Die Fragen und Antworten sind ein Auszug aus der am 3. November erschienen Folge des CoronaCast. Der Podcast von Sächsische.de erscheint regelmäßig und informiert über die aktuelle Lage in Sachsen und Deutschland. Die komplette Folge hören Sie über den hier eingebetteten Player.