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Hickhack um Corona-Impfstoff in Löbau

Einem Ehepaar war zugesichert worden, Biontech oder Moderna zu erhalten, angeboten wurde nur Astrazeneca. Was da schiefgelaufen ist und was jetzt neu wird:

So wie diese Patientin aus Neugersdorf werden im Impfzentrum Löbau täglich viele geimpft. Ab Freitag werden es mehr sein, denn dann können sich über 60-Jährige freiwillig mit Astrazeneca impfen lassen.
So wie diese Patientin aus Neugersdorf werden im Impfzentrum Löbau täglich viele geimpft. Ab Freitag werden es mehr sein, denn dann können sich über 60-Jährige freiwillig mit Astrazeneca impfen lassen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Für Ulrich Kieschnik und seine Frau Monika hat die Frage nach dem Impfstoff bis vor Kurzem nie gestanden. Denn das Ehepaar aus Wilthen konnte auf seinem Terminbescheid für den 31. März im Löbauer Impfzentrum Schwarz auf Weiß lesen, was ihnen injiziert werden soll: "Ein mRNA-Wirkstoff wird es sein, stand auf dem Zettel - also entweder Biontech/Pfizer oder Moderna", fasst Ulrich Kieschnik zusammen. Darauf war auch der Folgetermin nach drei Wochen ausgelegt, den die beiden ebenfalls schon online gebucht hatten. Doch dann kam plötzlich die Überraschung.

"Beim ersten Kontakt in Löbau wurden wir beide sofort gefragt, ob wir über 60 seien", erinnert sich der Wilthener. Und weil beide sogar schon den 70. Geburtstag gefeiert hatten, hieß es umgehend: "Dann bekommen Sie Astrazeneca", schildert Ulrich Kieschnik. Das war allerdings keineswegs im Sinne des Ehepaares: "Ich habe einige Vorerkrankungen, weswegen ich kein Astrazeneca haben möchte", erklärt er. Doch auch der Verweis auf den Bescheid, in dem ihnen ein mRNA-Impfstoff versprochen worden war, änderte nichts. "Wir haben uns deshalb erst einmal darauf eingelassen, uns anzumelden, um dann noch einmal mit dem Arzt sprechen zu können", erinnert sich der Wilthener.

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Neuer Anmelde-Versuch

Allerdings brachte das Gespräch keine Änderung. "Es stand für uns nur Astrazeneca zur Verfügung, die Ärztin argumentierte auch mit den vielen Impfungen in Großbritannien. Meine Frau hat sich dann dazu überreden lassen", sagt Ulrich Kieschnik. Die Impfe habe sie einigermaßen überstanden, etwas Fieber und Kopfschmerzen habe sie bekommen. Er selbst hat abgelehnt und nun fragt er sich, wie er es bewerkstelligen kann, dass er doch noch einen mRNA-Impfstoff erhält. Im Löbauer Impfzentrum hat er sich bereits wieder angemeldet, denn unfreundlich behandelt fühlte sich das Ehepaar per se nicht. "Diesmal steht auf dem Schreiben zwar auch wieder, dass es ein mRNA-Impfstoff sein soll, letztendlich aber der Arzt entscheidet", erklärt Kieschnik. "Aber wie ist das denn nun eigentlich - kann ich in Löbau Biontech/Pfizer überhaupt bekommen oder nicht?", fragt er sich.

"Ja, das wird er, wenn auf seinem Terminbescheid mRNA-Impfstoff steht", betont DRK-Geschäftsführerin Silke Seeliger. Das DRK betreibt für den Freistaat das Löbauer Impfzentrum und hat einige turbulente Tage hinter sich - in die das Ehepaar Kieschnik unglücklicherweise hineingerutscht ist. "Bis zum 31. März war es tatsächlich so, dass wir nur Astrazeneca für Menschen ab 60 verimpfen konnten", erklärt sie. Die Lieferung von Bionteck/Pfizer fehlte, darüber habe man diejenigen, die sich über das Online-Portal einen Termin gebucht hatten, per Mail auch informiert. Allerdings hatten Kieschniks keine solche Mail erhalten, von der Frau Seeliger spricht. Was da schief gelaufen ist, kann sie nicht sagen, denn die Infomails werden nicht vom Löbauer Impfzentrum aus verschickt, sondern in Dresden koordiniert. Also offenbar eine unglückliche Fügung.

Mal fehlte der eine, dann der andere Impfstoff

Fehlte es in der letzten Märzwoche an mRNA-Impfstoff, sah es in der Woche danach völlig anders aus. Denn da wurde im Löbauer Impfzentrum vom 1. bis 7. April nur Biontech/Pfizer verimpft. "Das ging jetzt immer wieder hin und her, wird sich jetzt aber wieder normalisieren", erklärt Silke Seeliger. Ab Donnerstagabend schaltet der Freistaat dann zusätzlich das Portal für all jene frei, die über 60 sind und sich jetzt schon freiwillig mit Astrazeneca impfen lassen wollen. Erste Termine sind dann schon für diesen Freitag zu haben. Dafür rüstet das Löbauer Impfzentrum auch auf: "Wir gehen auf das Doppelte pro Tag hoch - 1.150 Impfungen - und bekommen dafür auch mehr Personal", beschreibt die DRK-Chefin.

"Generell bleibt es aber dabei, dass die mRNA-Impfstoffe vor allem für Impfungen jüngerer Patienten genutzt werden, für Impfwillige ab 60 Jahren soll möglichst Astrazeneca genutzt werden", fasst Silke Seeliger zusammen. Da aber inzwischen auch die Sonderlieferung von Biontech/Pfizer für den Freistaat angekommen ist, sei es nun wieder möglich, den Patienten das zu verabreichen, was ihnen vorab angekündigt wurde. Im Fall von Ulrich Kieschnik wäre das eben Biontech/Pfizer oder Moderna.

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