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Impfinteresse in Dresden lässt deutlich nach

Im Dresdner Impfzentrum ist weniger Andrang als im Frühjahr. Könnten Gutscheine etwas ändern? Und wie ist das Interesse an einer Impfung in den Firmen?

Die Schlangen werden kürzer im Dresdner Impfzentrum.
Die Schlangen werden kürzer im Dresdner Impfzentrum. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Bis vor Kurzem war ein Impftermin bei den Dresdner sogar begehrter als ein Urlaub oder Konzerttickets für die Lieblingsband. Doch nun flacht das Interesse deutlich ab. So ist die Situation.

Lässt das Interesse am Impfen nach?

"Ja, die Termin-Nachfrage im Buchungssystem ist sehr verhalten", sagt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf SZ-Anfrage. Das Angebot "Impfen ohne Termin" werde in Dresden aber gut angenommen. Täglich würden im Impfzentrum in Dresden zwischen 130 und 180 sogenannte Spontan-Impfungen durchgeführt. "Allerdings gehen wir von einer weiter sinkenden Impfnachfrage aus", so das DRK.

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In der vergangenen Woche wurden durchschnittlich 1.500 Impfungen pro Tag im Impfzentrum Dresden, ohne mobile Teams, durchgeführt. Im April und Mai waren es mehr. Im April wurden – je nach Impfstofflieferung - zwischen 1.100 und 1.700 Impfungen pro Tag durchgeführt.

Da im Mai regelmäßiger als zuvor Impfstoff zur Verfügung stand, konnten bis Mitte des Monats durchschnittlich bis 1.700 Impfungen am Tag verabreicht werden. "In der zweiten Maihälfte konnten unter Volllast durchgängig um die 1.800 Impfungen täglich, in der Spitze über 1.900 Impfungen durchgeführt werden", sagt das DRK. Diese Zahlen beziehen sich rein auf das Impfzentrum. Hierbei sind die jeweils zugeordneten mobilen Teams nicht dabei.

Diese werden durch das Impfzentrum organisiert, mit Material, Impfstoff und Helfern ausgestattet. Durchschnittlich würden die mobilen Teams des Impfzentrums etwa in Firmen oder Tagestreffs zwischen 200 und 400 Impfungen täglich verabreichen.

Tatsächlich werden die Termine im Buchungsportal langsamer gebucht als noch vor Wochen, bestätigt auch das Sozialministerium. "Es gibt tausende, auch kurzfristige freie Termine in den sächsischen Impfzentren. Auch die Arztverbände spiegeln uns seit einiger Zeit, dass die Nachfrage in den Praxen teils deutlich zurückgeht", so eine Sprecherin.

Eine vollständige Impfung sei essenziell zum Schutz gegen die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus. "Auch um die Kinder zu schützen, für die es keine generelle Impfempfehlung der Stiko gibt, appellieren wir an Eltern, Großeltern sowie das soziale Umfeld, sich impfen zu lassen", betont das Ministerium.

Wurden im Impfzentrum schon Öffnungszeiten gekürzt oder weniger Personal eingesetzt?

Die Öffnungszeiten des Dresdner Impfzentrums sind derzeit weiterhin von 8 bis 18 Uhr, da die Zweitimpfungen dies erfordern würden, sagt das DRK. Ob und wann die Öffnungszeiten gekürzt werden oder dort weniger Personal eingesetzt wird, will das Rote Kreuz mit dem Sozialministerium klären.

Sind in Dresden auch Gutscheine als Anreize geplant?

In Chemnitz verteilte ein Einkaufscenter zuletzt 10-Euro-Einkaufsgutscheine, um die Skeptiker zum Impfen durch das DRK zu motivieren. Ist das auch in Dresden eine Option? "Wir denken in alle Richtungen. Wir befinden uns aktuell in enger Abstimmung mit dem Sozialministerium sowie in Gesprächen mit unterschiedlichen Partnern, um interessante und praktikable Maßnahmen zur Aktivierung der Impfkampagne umsetzen zu können", sagt das DRK.

Gutschein-Aktionen wie die in Chemnitz seien lokale Initiativen der regionalen Wirtschaft gewesen, unabhängig von der zentralen Planung von Maßnahmen zur Intensivierung der Impfkampagne. "Gleichwohl tragen auch solche lokalen Initiativen dazu bei, Bürger für eine Impfung zu gewinnen", sagt das Rote Kreuz. Ob das helfen würde, bleibt allerdings abzuwarten.

Wie laufen die Impfkampagnen in den Firmen?

Viele Dresdner Unternehmen haben ihren Mitarbeitern Impfangebote gemacht. Doch nicht immer wurden diese auch gut angenommen. "Eine Umfrage unter den Mitarbeitern der WGJ ergab, dass nur sehr wenig Bedarf an einer Corona-Impfung besteht. Aus diesem Grund wurde das Vorhaben einer Impfaktion im Unternehmen nicht realisiert", sagt Julia Grotjahn, Sprecherin der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt.

Der Großvermieter Vonovia hat seinen Dresdner Mitarbeitern über die betriebsärztlichen Dienste im Juni und Juli rund 200 Erstimpfungen angeboten. "Die Zweitimpfungen beginnen Ende Juli und Anfang August", so Sprecher Matthias Wulff.

Auch SachsenEnergie hat seinen Beschäftigten die Spritze gegen das Virus angeboten. "2.700 Mitarbeiter der TWD-Gruppe wurden durch die unternehmenseigene Impfstrecke im Impfzentrum bis zum 18. Juni durchgeimpft", sagt Sprecherin Nora Weinhold.

In Abstimmung mit dem DRK waren Mitarbeiter der SachsenEnergie an der Planung und Organisation im Vorfeld und vor Ort im Impfzentrum in der Messe Dresden beteiligt.

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Infineon bietet durch den Betriebsarzt seit 9. Juni Impfungen der Mitarbeiter am Standort Dresden an. "Bis heute haben rund 650 Mitarbeiter das Impfangebot angenommen. Die Erstimpfung der Mitarbeiter ist weitestgehend abgeschlossen. Inzwischen läuft die Zweitimpfung", sagt Sprecher Christoph Schumacher.

Auch die TU Dresden hatte eine Kampagne gestartet. "Insgesamt wurden und werden rund 720 Beschäftigte der TU Dresden im Rahmen der Impfaktion gegen das Corona-Virus geimpft", so Prorektorin Universitätskultur, Prof. Roswitha Böhm.

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