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Boostern in den Pflegeheimen übernehmen die Hausärzte

Befürchtungen wegen fehlender Zustimmung von Betreuern zur Drittimpfung haben sich nicht bestätigt. Die mobilen Impfteams fehlen aber.

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Blick in den advita Pflegedienst in Weinböhla: Das Boostern in den Pflegeheimen im Landkreis Meißen geht nur langsam voran. Die mobilen Teams fehlen.
Blick in den advita Pflegedienst in Weinböhla: Das Boostern in den Pflegeheimen im Landkreis Meißen geht nur langsam voran. Die mobilen Teams fehlen. © Claudia Hübschmann

Von Robert Bosse

Das Boostern in den Pflegeheimen ist jetzt ganz wichtig. Das sagte die Sozialministerin Petra Köpping. Die pandemische Dynamik bedroht die Alten- und Pflegeheime. Ende letzter Woche waren insgesamt 77 Alten- und Pflegeheime in Sachsen von Coronafällen betroffen.

Die erneute Impfbereitschaft unter den Bewohnern ist sehr groß. Denn allein mit der Erst- und Zweitimpfung kann sich ein guter Teil der Geimpften mittlerweile nicht mehr als voll immunisiert bezeichnen. Der Schutz vor einer Infizierung verliert mit der Zeit - zumeist nach sechs Monaten - an Wirkung, weswegen der sogenannte Booster dringend notwendig wird. Denn: Zum einen verläuft dieser Prozess bei älteren Menschen schneller, zum anderen waren die Älteren die Ersten, die zu Beginn dieses Jahres gegen Corona geimpft wurden, weswegen ihre Impfungen auch schon länger zurückliegen. Eine erhöhte Priorität auf diese Zielgruppe ist damit nur folgerichtig.

Die gute Nachricht lautet: Eine Befürchtung, dass die in vielen Fällen notwendige Einwilligungserklärung durch Betreuer von Heimbewohnern für die Drittimpfung zu Verzögerungen im Impfprozess führen könnte, scheint sich nicht bestätigt zu haben. Ein solches Verfahren bedeutet zwar bürokratischen Aufwand, wird aber von den Heimen bewältigt. Der Austausch mit den jeweiligen Betreuern ist eingespielt. Zu merklichen Verzögerungen bei den Impfungen kommt es deswegen nicht, ist aus den Heimen im Landkreis Meißen zu hören. Einzelne Fälle gebe es, in denen Bewohner oder ihre Angehörigen die Impfung ablehnen würden, doch sei dieses Phänomen nicht neu, gelte also nicht insbesondere für die Drittimpfung, wie Andreas Szabó von der AWO Sachsen sagte.

Liefen die Erst- und Zweitimpfungen in den Pflegeheimen noch zu einem großen Teil über die mobilen Impfteams, muss der Booster derzeit durch die jeweiligen Hausärzte übernommen werden, die dafür zu den Bewohnern in die Heime kommen. Das Verfahren ist alles andere als einheitlich. Manche Ärzte impfen zunächst nur die eigenen Patienten, andere impfen gleich alle mit, die wollen. Unter anderem deshalb würde Szabó den erneuten Einsatz der mobilen Impfteams begrüßen. Ein Wunsch, den viele Heime und Trägerschaften, die man aktuell fragt, teilen. So auch Miriam Taterka von der Diakonie Sachsen, die zwar die überwiegend gute Zusammenarbeit zwischen den Heimen und Hausärzten sieht, dennoch gehe es schleppender voran als bei den Erst- und Zweitimpfungen.

Ein Eindruck, den Karl-Heinz Halbich, Heimleiter des Altenpflegeheims St. Benno in Meißen, bestätigt. Wie Andreas Szabó und Miriam Taterka spricht er von einer hohen Impfbereitschaft unter den Bewohnern, weswegen man die Impfteams jetzt gut gebrauchen könne. Der Organisationsaufwand, der mit der Vereinbarung von Einzelterminen der Bewohner mit den Hausärzten einhergeht, ist um einiges höher. Für sein Heim rechnet Halbich noch mindestens mit dem Monat November, bis alle Impfwilligen ihre Auffrischung erhalten haben.